Beruf & Karriere

"Ich lebe meinen Traum"

10.03.2014 - 10:56 0 Kommentare

Mit Ausdauer, Fleiß und einem festen Willen hat Memnune Coskun vor Kurzem ihren Traum wahr gemacht, in der Luftfahrt zu arbeiten. Wie sie das geschafft hat, zeigen wir heute in der "Beruf & Karriere"-Rubrik.

In der Transfergepäckhalle wird das Gepäck auf die Rückführung vorbereitet.

In der Transfergepäckhalle wird das Gepäck auf die Rückführung vorbereitet.
© Trainico

Auf dem Flugfeld zu sein ist immer noch spannend für Memnune Coskun.

Auf dem Flugfeld zu sein ist immer noch spannend für Memnune Coskun.
© Trainico

Memnune Coskun bei ihrer Arbeit im Zolllager.

Memnune Coskun bei ihrer Arbeit im Zolllager.
© Trainico

Memnune Coskun arbeitet seit August 2013 als "Transferie" in der Transfergepäckhalle des Flughafens Berlin-Tegel. Ihr Weg dorthin war lang. Doch mit Ausdauer und Engagement hat sich Frau Coskun ihren Traum, in der Luftfahrt zu arbeiten verwirklicht. „Wenn du etwas erreichen willst, musst du auch etwas investieren!“ Sicher war es auch der Leitspruch der Mutter, der sie auf ihrem Weg begleitet hat und ihr Ansporn und Zielrichtung zugleich war. Coskun, inzwischen selbst Mutter zweier fast erwachsener Söhne, strahlt: „Ich lebe meinen Traum und möchte andere ebenfalls dazu ermutigen ihren Weg zu gehen, auch wenn es manchmal nicht einfach ist und Zeit braucht. Es ist nie zu spät!“

„Memnune Coskun zeichnete sich schon im Vorstellungsgespräch während der zehntägigen Eignungsfeststellung durch eine große Zielstrebigkeit und den festen Willen etwas zu erreichen aus“, bestätigt Ursula Spiesecke, Leiterin der Abteilung Arbeitsmarktprojekte bei Trainico, Aus- und Weiterbildungsunternehmen für die Luftfahrtbranche. „Die Luftfahrt stellt hohe Ansprüche an Arbeitnehmer. Dabei sind die fachlichen Qualifikationen das eine. Um nach Abschluss einer Ausbildung wirklich erfolgreich in den Arbeitsmarkt einzusteigen, gehören Eigenschaften wie Zuverlässigkeit, Serviceorientierung und die Bereitschaft, immer wieder hinzuzulernen, unbedingt mit dazu“, sagt sie. „All diese Eigenschaften haben wir bei Frau Coskun von Anfang an gesehen und ihr eine Umschulung zur Luftverkehrskauffrau empfohlen“, erinnert sich die Beraterin.

Zurück nach Berlin

Dabei hatte Memnune Coskun eigentlich einen ganz anderen Weg eingeschlagen. Die Deutsch-Türkin ist erst 18 Jahre alt, als sie zurück in die Türkei geht, um zu heiraten und dort zu leben. Doch schon nach kurzer Zeit stellt sie fest: Das Leben dort ist nicht so, wie sich die junge Frau, die im Südosten Berlins geboren und aufgewachsen ist, das vorgestellt hat. Zu eng sind die Grenzen der Konventionen, zu undurchsichtig die Wege, um als Frau beruflich Fuß zu fassen. Es dauert nicht einmal ein halbes Jahr bis die Jungverheiratete wieder zurück nach Berlin will.

Dass Memnune Coskun auch ihren Mann überzeugen kann, ohne Erfahrung und Sprachkenntnisse in ein für ihn fremdes Land zu kommen, zeigt schon damals den Mut und das Selbstbewusstsein der jungen Frau. Zurück in Deutschland ist sie es, die Wege finden muss, um für sich und die Familie eine Existenz aufzubauen. Im kleinen Schneidergeschäft übernimmt Memnune Coskun den kaufmännischen Part. Zu den geschäftlichen Herausforderungen kommen familiäre hinzu. Die Mutter ist an Krebs erkrankt und wird sich davon nicht erholen. Vielleicht ist es gerade die schiere Überzahl an Anforderungen, die die junge Frau ruhig werden lassen. Plötzlich weiß sie: Die Luftfahrt soll es sein. Auch die Mutter, die vor ihrer Ankunft in Deutschland 1973 in der Türkei als Erzieherin arbeitete, träumte vom Fliegen: Stewardess wollte sie werden.

Keine einfache Zeit

Langsam reift in Memnune Coskun der Entschluss heran, ihren Realschulabschluss auf dem zweiten Bildungsweg nachzuholen, statt einer kaufmännischen Fortbildung nachzugehen. Keine einfache Zeit. Nicht nur ein volles Lernpensum, sondern auch der Anspruch eine gute Mutter zu sein, wollen unter einen Hut gebracht werden. Dazu kommt, dass Memnune Coskun im Freundes- und Bekanntenkreis über ihre Entscheidung, wieder zur Schule zu gehen, schweigt. Zu groß wäre das Unverständnis gewesen, von der vorgezeichneten Hausfrau- und Mutterrolle abzuweichen. „Wenn mich jemand fragte, habe ich immer gesagt: Ich geh putzen“, erinnert sich die heute 41-jährige und lächelt. Aber sie erfährt Unterstützung durch Familienmitglieder, die von ihrem Vorhaben wissen. Sie bestärken sie: Du schaffst das!

Im Sommer 2012 eröffnet sich für Memnune Coskun schließlich die Möglichkeit der Bewerbung für eine Qualifizierungsmaßnahme bei Trainico. Nach dem Bestehen des Auswahlverfahrens bescheinigt der Ausbildungsträger ihr die Eignung für eine Umschulung zur Luftverkehrskauffrau. „Leider konnte meine Sachbearbeiterin bei der Agentur für Arbeit die knapp zweijährige Umschulung nicht genehmigen“, erinnert sie sich mit leisem Bedauern.

© WISAG Lesen Sie auch: Für wen eine Luftfahrt-Umschulung geeignet ist

Ein Jahr gingen die Diskussionen mit der Agentur für Arbeit hin und her. Am Ende hat sie sich eine fünfmonatige Fortbildung Fluggastservice erkämpft. Auch hier zählte der unbedingte Wille, das berufliche Ziel zu erreichen. „Ich sehe diese Qualifikation als einen Anfang, mit dem ich meinem Traum, einmal zum Luftfahrtpersonal zu gehören, ein Stück näher gekommen bin.“ Der Gedanke, sich noch einmal für eine berufsbegleitende Umschulung zur Luftverkehrskauffrau bewerben und dieses Mal die Finanzierung dafür zu bekommen, ist jedenfalls noch nicht ad acta gelegt.

„In der Luftfahrt arbeiten viele Hände Hand in Hand. Teamfähigkeit und ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein sind für diese Tätigkeiten unerlässlich“, erklärt Silvio Könitzer, Niederlassungsleiter Aviation bei Tempton. Über den Personaldienstleister gelang Memnune Coskun der Sprung in die Berufspraxis.

Viele schaffen direkten Einstieg in Unternehmen

„Noch immer haben Personaldienstleister ein zwiespältiges Image in der Öffentlichkeit. Für einige Branchen mag dies stimmen, doch für die Luftfahrt gelten andere Maßstäbe, sowohl was die Entlohnung als auch die sozialen Standards angeht. Viele Absolventen schaffen über die Personalagenturen im Laufe der Zeit den direkten Einstieg in die Unternehmen“, betont Spiesecke. „Wir waren von der Bewerbung Memnune Coskuns und ihrer Persönlichkeit sofort begeistert. Daher hat sie von uns das Angebot eines unbefristeten Vertrags erhalten“, bestätigt Könitzer.

Seit August vergangenen Jahres arbeitet Coskun in der Transfergepäckhalle des Flughafens Tegel. Zu ihrem Verantwortungsbereich gehören unter anderem die Aufnahme und Prüfung von Verlustanzeigen und der Nachversand von Gepäckstücken. „Jeder, der einmal ein Gepäckstück auf der Reise verloren hat, weiß wie wichtig es ist, das bei der Rückführung des Gepäcks zu seinem Besitzer alles schnell und reibungslos abläuft. Sonst ist die Urlaubsfreude ganz schnell dahin“, lächelt Memnune Coskun. „Ich mag meine Arbeit, meine Uniform und die Kollegen, den Hauch von Weite, die Neonlichter der Landebahn und das Gefühl endlich angekommen zu sein – auch beruflich!“

Viele Stellenanzeigen finden Sie im airliners.de-Luftfahrt-Stellenmarkt.

Von: airliners.de mit Trainico
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