Icelandair kauft Billigkonkurrenten Wow Air

06.11.2018 - 11:54 0 Kommentare

Mit der Übernahme von Wow Air behauptet sich Icelandair überraschend gegen die Low-Cost-Konkurrenz. Die Airlines liegen im Deutschland-Verkehr fast gleichauf - und sollen unter ihren jeweiligen Marken weiterfliegen.

Eine A330 der Wow Air.

Eine A330 der Wow Air.
© AirTeamImages.com - Anthony Guerra

Boeing 757 der Icelandair am Flughafen Reykjavik-Keflavik.

Boeing 757 der Icelandair am Flughafen Reykjavik-Keflavik.
© AirTeamImages.com - Steve Flint

Die Konsolidierung in der europäischen Luftfahrt geht weiter: Icelandair will sämtliche Anteil an der ebenfalls isländischen Gesellschaft Wow Air übernehmen, kündigte das Unternehmen am Montag an. Damit wird erstmals ein großer Billigflieger von einer traditionellen Airline übernommen.

Alleiniger Eigentümer von Wow Air ist bisher der Gründer und CEO Skúli Mogensen. Er soll für den Verkauf laut der Mitteilung 5,4 Prozent der Anteile der Icelandair Group erhalten. Der Kaufpreis belaufe sich damit auf rund 18 Millionen Dollar (15,8 Millionen Euro), meldete die Agentur "Reuters". Die Übernahme muss noch von den Icelandair-Aktionären und der isländischen Kartellbehörde bestätigt werden.

Beide Marken sollen erhalten bleiben

Die beiden Airlines sollen als eigenständige Marken weiterbetrieben werden. Mit Hinweis auf den Transatlantikverkehr hieß es, durch den Zusammenschluss werde man noch besser im internationalen Wettbewerb gerüstet sein.

Gleichwohl könnten an vielen Stellen Synergien genutzt werden, erklärte Bogi Nils Bogason, der Interimschef der Icelandair. Ob auch eine Abstimmung der Flugpläne geplant ist, wurde zunächst mitgeteilt. Bogason betonte lediglich, eine hohe Flugfrequenz sei für isländische Tourismuswirtschaft lebenswichtig.

Der Billigflieger Wow Air hat dem Flag Carrier Icelandair seit 2012 massiv Konkurrenz gemacht, seit 2015 auch mit Flügen nach Nordamerika. Nach Angaben des "Centre of Aviation" fiel der Marktanteil der Icelandair in Island seit 2012 von 80 auf 47 Prozent, Wow Air gewann 31 Prozent.

Im deutschen Markt rückte der Low-Cost-Angreifer noch näher an Icelandair heran: Zuletzt hatte Wow Air nur noch fünf Prozent Abstand.

Marktanteile zwischen Deutschland und Island
Kapazitätsanteil in Prozent
Icelandair 45.1
Wow Air 40.0
Lufthansa 9.0
Germania 5.9

Die Grafik zeigt den Anteil der Airlines am Sitzplatzangebot auf Flüge zwischen Deutschland und Island im September und Oktober 2018 in Prozent. Quelle: ch-aviation

Im gesamteuropäischen Maßstab spielen die beiden Airlines allerdings nach wie vor eine geringe Rolle: Nach eigenen Angaben haben sie im Transatlantikverkehr zusammen nur einen Anteil von 3,8 Prozent.

Durch die massive Expansion und den gestiegenen Ölpreis geriet Wow Air offenbar finanziell unter Druck. Im Juli verkündete die Airline laut Presseberichten für 2017 einen Verlust von 22 Millionen Dollar. Kurz darauf wurden Pläne für einen Börsengang bekannt, zugleich kündigte Wow Air eine Anleihe an, um den kurzfristigen Finanzbedarf zu decken.

Icelandair gewinnt an der Börse

Auch die Icelandair musste in diesem Jahr bereits zweimal ihre Finanzprognose absenken. Die schlechten Zahlen führten sogar zum Rücktritt des langjährigen Unternehmenschefs Björgolfur Johannsson. Dennoch kündigte die Airline im September für 2019 einen Ausbau des Angebots an allen größeren Flughäfen im Streckennetz an. Nach der Ankündigung der Wow-Air-Übernahme stieg der Aktienkurs von Icelandair am Montag zeitweise um fast 50 Prozent an.

© Boeing, Lesen Sie auch: Icelandair verdoppelt Deutschland-Angebot

Der Fall Wow Air wirft Parallelen zu Norwegian auf. Auch die Norweger haben mit Low-Cost-Flügen über dem Atlantik in den vergangenen fünf Jahren den europäischen Flugmarkt aufgerollt. In diesem Jahr gerieten sie in finanzielle Schieflage und wurden im April von der British-Airways-Mutter IAG zum Übernahmeziel erklärt. Zu einer Einigung kam es bisher jedoch nicht.

Auch Ryanair soll Interesse an einer Übernahme gehabt haben. Allerdings bestritt Ryanair-Chef Michael O'Leary jüngst im airliners.de-Interview Kaufabsichten und erklärte, Norwegian werde die nächsten Monate nicht überleben. "Die sind im Winter weg."

© Norwegian, Lesen Sie auch: Übernahmedebatte um Norwegian entbrannt

Von: pra
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