Icelandair verdoppelt Deutschland-Angebot

13.09.2018 - 07:34 0 Kommentare

Trotz schlechter Zahlen setzt Icelandair weiter auf Expansion: Mit neuen Boeing-737-MAX-Jets soll 2019 der Umsteigeverkehr in Reykjavik massiv ausgebaut werden - mit doppelt so viel Kapazitäten nach Deutschland.

Die erste Boeing 737 MAX der Icelandair. - © © Boeing -

Die erste Boeing 737 MAX der Icelandair. © Boeing

Icelandair will das Flugangebot im kommenden Jahr stark erweitern und vor allem mehr Umsteigeverkehr zwischen Europa und Nordamerika gewinnen. Für den deutschen und Schweizer Markt bringt der Sommerflugplan 2019 nahezu eine Verdoppelung des Flugangebots. Ab Mitte Mai 2019 will die isländische Airline hier 72 Mal pro Woche nach Reykjavik starten - derzeit sind es 39 Umläufe wöchentlich.

Aufgestockt werden nicht nur die Frequenzen an den bestehenden Flughäfen - Frankfurt, München, Hamburg, Berlin-Tegel, Zürich und Genf. Hinzu kommt auch Düsseldorf als neuer Abflughafen.

Zweite Umsteigewelle am frühen Abend

Hintergrund für den Ausbau ist vor allem die Einrichtung einer zweiten täglichen Umsteigewelle am Drehkreuz Reykjavik-Keflavik. Wie Icelandair mitteilte, können die Passagiere ab Mai 2019 dort auch abends Anschlussflüge nach Nordamerika oder Europa erreichen. Die neue Umsteigewelle umfasst Verbindungen zu 17 von insgesamt 47 Airports im Streckennetz der Airline.

An die Umsteigewelle am frühen Abend werden Frankfurt, München und Zürich täglich angebunden, Berlin-Tegel und Hamburg dreimal wöchentlich. Auf nordamerikanischer Seite sind damit Boston, Chicago, Minneapolis, New York, Toronto und Washington erreichbar.

Deutschland-Flüge im Sommer 2019

Frankfurt und München: zwei tägliche Flüge ab 15. Mai (bisher einer)
Berlin-Tegel: zehn wöchentliche Flüge ab 15. Mai (bisher sechs)
Hamburg: sieben wöchentliche Flüge ab 17. Mai (bisher vier),
zehn wöchentliche Flüge vom 3. Juni bis zum 16. September (bisher sieben)
Düsseldorf: vier wöchentliche Flüge ab 11. April

Airline-Chef tritt wegen schlechter Zahlen zurück

Der Ausbau des Flugplans kommt überraschend, da das Jahr 2018 für Icelandair bislang sehr ungünstig verlief: Nach sieben Jahren starker Expansion mit meist zweistelligen Zuwächsen sind in diesem Jahr die Passagierzahlen rückläufig - trotz einem Kapazitätszuwachs von fünf Prozent.

Die Airline hat bereits zweimal ihre Finanzprognose heruntergeschraubt. Demnach wird sich der operative Gewinn (Ebidta) voraussichtlich halbieren - von 170 Millionen US-Dollar im Vorjahr auf 80 bis 100 Millionen US-Dollar. Der erwartete Umsatz werde um fünf bis acht Prozent niedriger ausfallen als ursprünglich erwartet, so die aktuelle Prognose. Wegen der schlechten Zahlen erklärte CEO Björgolfur Johannsson Ende August nach zehn Jahren im Amt seinen sofortigen Rücktritt. Ein Nachfolger steht noch nicht fest.

Neue Abflughäfen Berlin und Düsseldorf

Auf Deutschland scheint sich die Buchungsdelle bei Icelandair weniger auszuwirken als in anderen Märkten. Zumindest zeigt sich Lukas Hofmeister, Account Manager für den deutschen und Schweizer Markt, zufrieden mit dem Geschäft. "Wir haben dieses Jahr mehr Buchungen und mehr Umsatz erzielt - natürlich auch wegen der zusätzlichen Flüge ab Berlin", sagte er im Gespräch mit airliners.de.

In Berlin nahm Icelandair in der Nachfolge von Air Berlin im November drei wöchentliche Flüge auf. In diesem Sommer stieg die Frequenz auf sechs Flüge pro Woche, für 2019 sind zehn vorgesehen.

Icelandair in Deutschland

© Icelandair

Das Frankfurter Büro von Icelandair betreut mit derzeit sechs Mitarbeitern die Märkte Deutschland, Schweiz und Österreich. Geleitet wird es seit Februar 2018 von Lukas Hofmeister als Account Manager für Sales und Marketing. Hofmeister war zuvor bereits als Sales Manager bei der Airline tätig, davor arbeitete er unter anderem bei Air Canada und Lufthansa.

Das zweite Air-Berlin-Drehkreuz Düsseldorf sollte ursprünglich bereits Ende Oktober 2018 mit Reykjavik verbunden werden. Nun ist die Aufnahme erst für den 11. April 2019 geplant. Man habe mehr Zeit gebraucht, um einen erfolgreichen Start vorzubereiten, heißt es.

Ob Düsseldorf auch im Winter 2019/2020 bedient wird, steht derzeit noch nicht fest. "Grundsätzlich wollen wir alle Routen ganzjährig betreiben", so Hofmeister. Bei entsprechend guter Nachfrage könne man kurzfristig reagieren.

Weniger Island, mehr Nordamerika

Die Delle im Island-Tourismus, die der Airline unter anderem zu schaffen macht, spürt Hofmeister im deutschen Markt jedoch auch. "Die Verkäufe haben sich ein bisschen von Island nach Nordamerika verschoben", berichtet er.

Was hierzulande weniger durchschlägt, ist dagegen die massive Low-Cost-Konkurrenz auf Transatlantik-Flügen, mit der Icelandair zu kämpfen hat. Norwegian wie auch die isländische Wow Air graben in Skandinavien und auf den britischen Inseln massiv Verkehr ab, der in den vergangenen Jahren zum Hauptgeschäft der Icelandair geworden ist: Nach eigenen Angaben befördert sie 56 Prozent ihrer Passagiere via Reykjavik von Europa nach Nordamerika oder umgekehrt.

Neue Vertriebsstrategie

Den Billigfliegern will Icelandair auf mehreren Wegen Paroli bieten: Zum einen mit eigenen Low-Cost-Angeboten wie den "Light"-Tarifen, die nur Handgepäck umfassen. Die Airline führte sie im Oktober 2017 ein. Im April 2018 schaffte sie ihre Kabinenklasse Ecomomy-Comfort mit mehr Sitzabstand ab und bietet nun nur noch die Auswahl zwischen Economy und Business Class.

Marktanteile zwischen Deutschland und Island
Kapazitätsanteil in Prozent
Icelandair 45.1
Wow Air 40.0
Lufthansa 9.0
Germania 5.9

Die Grafik zeigt den Anteil der Airlines am Sitzplatzangebot auf Flüge zwischen Deutschland und Island im September und Oktober 2018 in Prozent. Quelle: ch-aviation

Icelandair hat aber auch die Vertriebsstrategie geändert: Anders als die Low-Coster favorisiert die Airline jetzt nicht mehr den Online- und Direktvertrieb, berichtet Deutschland-Manager Hofmeister. "Wir kehren zurück zum B2B-Geschäft mit Reisebüros und -veranstaltern und wollen den Marktanteil bei diesen langfristigen, treuen Partnern erhöhen." Dafür wurde jetzt eine zusätzliche Verkaufsleiterin für den Norden Deutschlands eingestellt.

Hoffnung auf den MAX-Effekt

Beim Ausbau des Flugangebots hofft Icelandair auf den Effekt der neuen Flugzeuge vom Typ Boeing 737 MAX 8: Sie sind mit 160 Plätzen etwas kleiner als die 757-200 mit 183 Sitzen - so lassen sich zusätzliche Frequenzen schneller füllen. Vor allem aber sollen die Mittelstrecken-Jets der neuen Generation wesentlich ökonomischer im Betrieb sein als die Bestandsflotte mit einem Durchschnittsalter von über 20 Jahren. Icelandair nennt eine Treibstoffersparnis von 37 Prozent gegenüber der 757-200.

Die MAX-Jets haben zwar eine etwas geringere Reichweite als die Boeing 757. Von Island aus lässt sich damit aber nicht nur gesamt Europa mühelos anfliegen, sondern auch der Nordosten der USA und der größte Teil Kanadas.

Die Icelandair-Flotte

Anzahl Durchschnittsalter
Boeing 737 MAX 8 3 0,5 Jahre
Boeing 757-200 25 23 Jahre
Boeing 757-200F 2 29 Jahre
Boeing 757-300 2 17,6 Jahre
Boeing 767-300 ER 4 19,7 Jahre
gesamt 36 20,8 Jahre
Quelle: CH-Aviation

Drei der MAX-Jets bekam Icelandair bereits seit April, die nächsten sechs sollen im Frühjahr 2019 eingeflottet werden. Sieben weitere werden bis 2021 folgen. Mit diesen Maschinen will die Airline nach eigenen Angaben ab 2019 einen Teil der Altflotte ersetzen - in welcher Größenordnung, steht noch nicht fest.

Die neuen Flugzeuge sollen bereits in diesem Winter auf Flügen nach Hamburg und Berlin eingesetzt werden, kündigt Hofmeister an. Im kommenden Jahr bestreiten die 737MAX einem Großteil der zusätzlichen Deutschland-Flüge. In Hamburg und Düsseldorf werden sie nach derzeitiger Planung auf allen Flügen eingesetzt.

Von: pra
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