Icao-Staaten legen Klimaschutzabkommen für die Luftfahrt auf

07.10.2016 - 16:47 0 Kommentare

Die Icao-Mitgliedstaaten haben die Deckelung der CO2-Abgase im internationalen Luftverkehr beschlossen. Die Branche ist die erste, für die ein globales Klimaschutzabkommen gilt. Es wird die Fluggesellschaften bis zu 24 Milliarden Dollar kosten.

Ein Flugzeug wird betankt. - © OMV Aktiengesellschaft -

Ein Flugzeug wird betankt. OMV Aktiengesellschaft

Die Staatengemeinschaft hat ein globales Klimaschutzabkommen für den Luftverkehr beschlossen. Das teilte die zu den Vereinten Nationen gehörende Luftverkehrsorganisation Icao am Donnerstag in Montréal mit. Der Vorsitzende der Icao-Generalversammlung, der Malaysier Azharuddin Abdul Rahman, lobte die Einigung als "historischen Moment".

Sechs Jahre lang hatten die Mitgliedstaaten der UN-Organisation über das Offsetting-System "Corsia" (Carbon Offsetting and Reduction Scheme for International Aviation) verhandelt. Beim Ringen um einen Kompromiss hatten bis zuletzt die Interessen einzelner Staaten eine große Rolle gespielt.

Die Einigung gelang schlussendlich trotz Vorbehalten der wichtigen Luftfahrtnationen Russland und Indien. Zu den Staaten, die von Anfang an dabei sind, zählen neben Deutschland weitere 43 europäische Länder, die USA und China. Insgesamt stimmten 65 Nationen zu. Damit wird Corsia den Angaben nach vom Start weg über 85 Prozent des weltweiten Luftverkehrs abgedeckt.

© dpa, F. Rumpenhorst, Lesen Sie auch: Icao verhandelt globales Klimaschutzabkommen für die zivile Luftfahrt

Kosten bis zu 24 Milliarden Dollar

Ziel der Staatengemeinschaft ist, den Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid durch den internationalen Luftverkehr ab 2020 zu begrenzen. Fluggesellschaften aus den Ländern, die das Klimaschutzabkommen ratifiziert haben, müssen dazu im Rahmen eines Kompensationsprogramms Lizenzen erwerben. Der Airlineverband Iata geht davon aus, dass das Abkommen die Branche zwischen 8,9 und 23,9 Milliarden Dollar kosten wird.

Das neue System soll in zwei Stufen eingeführt werden. Von 2021 bis 2026 ist die Teilnahme auf freiwilliger Basis vorgesehen. Erst in der zweiten Phase von 2027 bis 2035 soll es für alle Staaten mit wesentlichem Luftverkehr bindend werden. Ausgenommen von den Vorgaben werden lediglich die ärmsten Länder der Welt, kleine Inselstaaten und Staaten mit einem geringen Aufkommen an internationalem Flugverkehr.

Die Luftfahrtbranche hatte sich im Vorfeld der Icao-Verhandlungen selbst das Ziel gesetzt, die netto-CO2-Emissionen bis 2050 um 50 Prozent gegenüber 2005 zu senken. Ende 2032 soll eine Verlängerung von Corsia geprüft werden, für den Fall, dass neue Technologien und der Einsatz von Biokraftstoffen bis dahin nicht wie angepeilt eine absolute Reduzierung der Treibhausgasemissionen im Luftverkehr ermöglichen.

© Airbus, Lesen Sie auch: Fliegen wird das neue Öko

Deutsche Branche plädiert für zügige Umsetzung

Die Deutsche Luftfahrt hatte vor den Verhandlungen von Montreal intensiv dafür geworben, alle Länder von Beginn an zur Teilnahme an Corsia zu verpflichten. Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft erklärte nun, die Vereinbarung sei ein Kompromiss.

"Wir hätten uns von Anfang an eine verbindliche Teilnahme vorstellen können", so Verbandschef Stefan Schulte. Jetzt seien aber die Rahmenbedingungen festgelegt und es gehe darum, das Offsetting-System in den nächsten Jahren wirkungsvoll auszugestalten und umzusetzen.

© Aireg, Lesen Sie auch: "Markt für alternative Flugkraftstoffe muss sich erst entwickeln"

Auch die deutsche Aviation Initiative for Renewable Energy in Germany (Aireg) wertet das internationale Klimaschutzabkommen für den Luftverkehr als einen Schritt in die richtige Richtung. Das Programm sei wichtig als Zwischenschritt, bis alternatives Kerosin aus erneuerbaren Quellen die fossilen Treibstoffe auch in der Luftfahrt flächendeckend ersetzen könnten.

Darum geht es

Mit dem Klimaschutzabkommen Corsia folgen die Icao-Staaten den Vorgaben des Kyoto-Protokolls von 1997, in dem eine Regelung für die Luft- und Seefahrt international verbindlich beschlossen wurde. Die International Air Transport Association (Iata) hatte daraufhin einen Plan ausgearbeitet, der für 2050 eine Halbierung der Emissionen im Vergleich zu 2005 anpeilt. Bis alternative Treibstoffe und gänzlich neue Technologien aber tatsächlich eine Netto-Reduzierung der Emissionen der Luftfahrt ermöglichen, soll das weitere Wachstum im Luftverkehr zunächst über ein Offsetting-System zur Emissions-Kompensation CO2-neutral gestaltet werden. In der Grafik ist das der hellblaue Bereich "Economic Measures":

Von: dh mit dpa, AFP
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Anzeige schalten »
  • Der Lufthansa-Kranich an einer Aussenfassade auf dem Flughafen in Frankfurt am Main. Lufthansa beendet Kranichschutz-Engagement

    Die Lufthansa beendet ihr Engagement im Kranichschutz nach über einem Vierteljahrhundert. Nun benötigt das Kranichinformationszentrum bei Stralsund rund 3000 neue Fördermitglieder, um die Arbeit aufrecht zu halten.

    Vom 04.10.2017
  • Boeing-Maschine der Ryanair. Ryanair stationiert Reserve-Maschinen in Frankfurt

    Ryanair hat mit seinen engen Umläufen besonders viele späte Landefenster kurz vor 23 Uhr am Flughafen Frankfurt. Die Iren landen häufig zu spät, müssen deswegen zum Rapport im Ministerium und einigen sich auf Hilfsmaßnahmen.

    Vom 08.12.2017
  • Air Berlin will ihre Tochter Niki verkaufen. Kebekus über Niki: Lufthansa-Deal oder Konkurs

    Die Übernahme von LGW und Niki durch Lufthansa hängt aktuell in Brüssel fest. Air-Berlin-Generalbevollmächtigter Kebekus sieht darin eine große Gefahr für den österreichischen Carrier: "Der Konkurs-Antrag liegt schon auf der Fensterbank."

    Vom 08.12.2017

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus

Mehr Nachrichten »
Anzeige schalten
Mehr Stellenangebote »
Anzeige schalten »