Icao will verbindliche Emissionsrichtlinien für Flugzeuge einführen

09.02.2016 - 14:47 0 Kommentare

Das Umweltkomitee der Internationalen Zivilluftfahrtgesellschaft Icao hat sich auf verbindliche Standards zur Reduzierung der CO2-Emissionen geeinigt. Die Grenzwerte könnten das Aus für etliche aktuelle Flugzeuge bedeuten.

Flugzeug auf Rollweg - © © Fraport -

Flugzeug auf Rollweg © Fraport

Nach dem Vorschlag des Icao-Umweltkomitees sollen für neue Flugzeuge bald erstmals verbindliche Emissionswerte festgelegt werden. Das geht aus einem Papier hervor, auf das sich die Delegierten des "Committee on Aviation Environmental Protection" (CAEP) am Montag im kanadischen Montreal geeinigt haben.

Dem Vorschlag zufolge sollen alle neu zertifizierten Verkehrsflugzeuge ab dem Jahr 2020 strikte Emissionsgrenzwerte erfüllen. Ab spätestens 2028 gelten die Grenzwerte dem Vorschlag nach auch für alle neu gebauten Flugzeuge - selbst wenn der Flugzeugtyp vor 2020 zertifiziert wurde. Die Grenzwerte werden für alle Standard-Flugzeuggrößen in der Zivilluftfahrt definiert und sollen alle drei Jahre aktualisiert werden.

Der Vorschlag des Umweltkomitees ist noch nicht verbindlich. Ende September muss er noch von der Icao-Generalversammlung abgenickt werden. Anschließend sollen die Icao-Mitgliedsstaaten dann die neuen Vorgaben in nationale Gesetze umwandeln.

Flugzeughersteller hoffen auf mehr Nachfrage

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters hatten das Icao-Expertengremium, zu dem Vertreter der Branche und der Regierungen gehören, mehrere Szenarien diskutiert. Die angepeilten Vorgaben reichten dabei von 20 bis über 40 Prozent Reduzierungen im Vergleich zu heute. Reuters zufolge einigte man sich auf einen relativ ambitionierten Richtwert.

Damit bedeuten die Grenzwerte für die Flugzeughersteller tatsächlich größere Herausforderungen in Teilen des Produktportfolios. Während sich die Ingenieure etwa für den Airbus A380 oder einige Boeing-777-Versionen wohl noch effizienzsteigernde Upgrades ausdenken können, bedeuten die neuen Regelungen das endgültige Aus für die Boeing 747-8, etliche ältere 777-Varianten oder den Airbus A330 in der "ceo"-Version.

Dennoch begrüßten sowohl Airbus als auch Boeing die Einführung verbindlicher Emissions-Standards. Boeing teilte mit, man fühle sich den ambitionierten Richtlinien verpflichtet. Airbus sieht sich darin bestärkt, neue Technologien zur Einsparung von Treibstoff schnell einzuführen. Beide Hersteller hoffen darauf, dass die Emissions-Standards dazu führen, dass Airlines alte Flugzeuge schneller ersetzen.

Neuere Flugzeuge wie die Boeing 787, 777X oder der Airbus A350 und A330neo haben ohnehin keine Probleme mit den neuen Grenzwerten. Im Narrowbody-Bereich erfüllen ebenfalls sowohl die 737 MAX und auch die A320neo-Familie die neuen Standards bereits heute.

Auch die deutsche Luftverkehrswirtschaft sieht die Einführung verbindlicher Emissionsstandards positiv: "Wir begrüßen den CO2-Standard, weil damit der positive Trend bei der Energieeffizienz in der Luftfahrt auch für die Zukunft fortgeführt werden kann", sagt Klaus-Peter Siegloch, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL). Er erinnerte daran, dass die deutschen Fluggesellschaften ihren Treibstoffverbrauch pro Passagier und 100 Kilometer in den vergangenen 25 Jahren bereits um 42 Prozent senken konnten.

© brandalism.org.uk, Lesen Sie auch: Ehrlich kommunizieren schont die Branche und die Umwelt

CO2-neutrales Wachstum ab 2020 angepeilt

Aktuell ist die weltweite Luftfahrt je nach Lesart für rund zwei bis fünf Prozent der von Menschen verursachten Klimagas-Emissionen verantwortlich. Bereits 2009 hatte sich die Branche auf einen Plan zur Reduzierung der Emissionen geeinigt. Ab 2020 soll die Luftfahrt CO2-neutral wachsen. Bis 2050 sollen die Emissionen dann trotz Wachstum sogar auf die Hälfte von 2005 reduziert werden.

Neben neuer Technologien zur Reduzierung des Treibstoffverbrauchs und der Emissionen der Flugzeuge selbst setzt die Luftfahrt dazu auf zahlreiche operative Maßnahmen zur Effizienzsteigerung sowie eine optimierte Infrastruktur am Boden und in der Luft. Ein Großteil der CO2-Einsparungen soll aber auf den Einsatz von Biokerosin entfallen.

Die Emissions Roadmap, die sich die Branche verordnet hat. Foto: © IATA

© Aireg, Lesen Sie auch: "Markt für alternative Flugkraftstoffe muss sich erst entwickeln"

Von: dh
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