"Europäisches Durcheinander"

IATA kritisiert Vulkan-Krisenmanagement

19.04.2010 - 11:36 0 Kommentare

Die europäischen Fluggesellschaften kommen wegen der flächendeckenden Luftraumsperrungen in finanzielle Turpulenzen. Die IATA fordert von den Regierungen, zumindest einige Korridore für Luftverkehr zu öffnen. Die Regierungen sollten ihre Entscheidungen nicht auf Theorien sondern auf Fakten basieren.

Der internationale Luftfahrtverband IATA rechnet wegen der Vulkanasche aus Island mit noch höheren Einbußen als nach den Anschlägen vom 11. September 2001. Die Umsatzverluste dürften sich je Tag auf 250 Millionen US-Dollar belaufen, sagte IATA-Chef Giovanni Bisignani am Montag in Paris. Bislang war der Verband von 200 Millionen Dollar ausgegangen. Hinzu kämen Kosten für Umplanungen und Ausgleichszahlungen.

Die Schätzung von 250 Millionen Dollar sei dabei sehr konservativ, sagte Bisignani. Man bewege sich in Richtung 300 Millionen Dollar. Dazu kämen Ausgaben zur Entschädigung von Passagieren, für Treibstoff zur Verlegung leerer Flugzeuge, Telefonate und anders.

Die Vulkankrise werfe die bisherigen Prognosen zur Erholung der Luftfahrt über den Haufen. Anders als der Einbruch nach den Anschlägen vom 11. September gebe es aber keine lang andauernde Vertrauenskrise. Wenn der Himmel wieder offen sei, werde schnell eine Erholung einsetzen. «Vielleicht bekommen die Fluggesellschaften Hilfe von den Banken, denn die Notlage ist zeitlich sehr begrenzt.»

Die IATA kritisiert auch die Politik in Europa. "Das ist ein europäisches Durcheinander", sagte Bisignani im britischen Rundfunk. Es habe fünf Tage gedauert, eine Videokonferenz der EU-Verkehrsminister einzuberufen. Für den Flugverkehr sollten "zumindest einige Korridore" freigegeben werden.

Es gebe «keine Risikoeinschätzung, keine Konsultation, keine Koordinierung und keine Führung», mahnte Bisignani. Die Lufträume müssten schnell auf der Grundlage der bei Tests ermittelten Daten geöffnet werden, sobald die Fakten vorlägen.

Die Flugverbote werden offiziell damit begründet, dass Vulkanasche die Triebwerke zum Stillstand bringen und die Fenster blind machen kann. Mehrere Fluggesellschaften kritisieren allerdings, dass der Luftraum über Nordwesteuropa nur auf Grundlage von Computersimulationen zur Staub-Belastung geschlossen blieb.

Von: dpa, AFP
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Anzeige schalten »
  • Flugzeuge der Easyjet. Gewinnrückgang bei Easyjet

    Easyjet hat für das im September abgelaufene Geschäftsjahr 2016/17 eine bereinigten Vorsteuergewinn von rund 405 Millionen Pfund (455 Mio Euro) ausgewiesen, ein Minus von 17 Prozent. Das teilte der Billigflieger mit. Zuletzt hatte Easyjet sogar einen Rückgang auf bis zu 380 Millionen Pfund befürchtet. Der gute Sommer half allerdings.

    Vom 06.10.2017
  • Leitwerk einer Boeing 747-400 der South African Airways Staatlicher Notkredit für South African Airways

    Das Star-Alliance-Mitglied South African Airways bekommt zur Abwendung einer Zahlungsunfähigkeit einen Notkredit der Regierung über drei Milliarden Rand (210 Mio Euro). SAA fliegt unter anderem täglich von Johannesburg nach Frankfurt und München.

    Vom 04.10.2017
  • Meridiana Boeing 737-700 Qatar Airways steigt groß bei Meridiana ein

    Qatar Airways hat 49 Prozent der Anteile an der italienischen Meridiana übernommen. Die Airline mit rund einem Dutzend Flugzeugen und Sitz auf Sardinien kooperiert bereits mit den IAG-Mitgliedern British Airways und Iberia.

    Vom 02.10.2017

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus