Kritik an Emissionshandel

IATA halbiert Gewinnprognose

06.06.2011 - 11:36 0 Kommentare

Die IATA hat ihre Gewinnprognose für 2011 mehr als halbiert und erwartet nun, dass die Fluggesellschaften weltweit lediglich vier Milliarden Dollar Gewinn machen werden. Zudem übte der Airline-Verband harsche Kritik an den EU-Plänen zum Emissionshandel.

IATA-Generaldirektor Giovanni Bisignani - © © IATA -

IATA-Generaldirektor Giovanni Bisignani © IATA

Der Dachverband der Fluggesellschaften IATA hat die Gewinnprognose für das laufende Jahr drastisch nach unten korrigiert. Statt der noch im März erwarteten 8,6 Milliarden Dollar rechnet der Verband jetzt nur noch mit vier Milliarden Dollar Gewinn (2,7 Mrd. Euro). Das sagte IATA-Generaldirektor Giovanni Bisignani am Montag zum Auftakt der Jahrestagung des Verbandes in Singapur.

Das vergangene Jahr war dagegen noch erfolgreicher als bislang gedacht: Der Gewinn lag mit 18 Milliarden Dollar zwei Milliarden höher als bislang geschätzt.

Grund für die drastische Senkung der Gewinnprognose sind vor allem die hohen Treibstoffpreise. Die IATA geht inzwischen von einem Ölpreis von 110 Dollar pro Barrel aus. Für 2011 entspräche das Gesamtkosten der Branche von 176 Milliarden Dollar oder 30 Prozent der Gesamtkosten des Fluggeschäfts. Vor zehn Jahren betrug der Anteil nur 13 Prozent. «Jeder Dollar Anstieg kostet die Fluggesellschaften 1,6 Milliarden Dollar», sagte Bisignani. Neben den Ölpreisen nannte er auch das Erdbeben und den Tsunami in Japan als Dämpfer für das Geschäft, ebenso die politischen Unruhen im Nahen Osten und Nordafrika.

Weil die Tickets durch die Benzinabgaben teurer geworden sind, revidierte die IATA auch ihre Nachfrageprognose: sie rechnet in diesem Jahr nur noch mit 4,4 Prozent mehr Passagieren, nicht mehr 5,6 Prozent wie noch im März. Das Frachtgeschäft wachse voraussichtlich nur um 5,5 (6,1) Prozent. Nicht nur Urlauber überlegen zweimal, ob sie fliegen wollen, auch im lukrativen Business-Geschäft dürfte die Nachfrage nur noch um 5 statt 6 Prozent wachsen, meint die IATA. In Europa breche der Gewinn ein von 1,9 Milliarden Dollar 2010 auf 500 Millionen Dollar in diesem Jahr ein.

In der IATA sind 230 Fluggesellschaften organisiert, die nach Angaben des Verbandes zusammen 93 Prozent des globalen Flugverkehrs abwickeln. An der zweitägigen Tagung nehmen rund 700 Vertreter der Fluggesellschaften teil.

Kritik an Emissionshandel für Airlines

Scharfe Kritik übte der Verband an der Europäischen Union: Der Alleingang in Sachen Emissionshandel, in den die Luftfahrtindustrie ab 1. Januar nächsten Jahres einbezogen werden soll, sei eine Schande, so Bisignani.

"Nehmt den Klimawandel ernst, aber seid auch ehrlich und entwickelt eine globale Lösung dafür", forderte Bisignani. "Wir müssen basta zu Europa sagen", sagte der Italiener - zu Deutsch: "Es reicht!".

Die EU hat beschlossen, einseitig ab kommenden Januar Klimaschutzauflagen für Fluggesellschaften durchsetzen. Die Kohlendioxid-Emissionen der Luftfahrt werden dann gedeckelt und die Fluggesellschaften - auch ausländische - müssen Verschmutzungszertifikate kaufen. Allein die Lufthansa rechnet pro Jahr mit Kosten zwischen 150 und 350 Millionen Euro.

Die europäische Airlines sehen darin eine Wettbewerbsverzerrung, sagte Lufthansa-Chef Christoph Franz. China habe etwa Vergeltungsmaßnahmen angekündigt - das könne europäische Airlines durch Strafzahlungen aber auch in Form von Einschränkungen der Start- und Lande oder Überflugrechte treffen. "Der Klimawandel ist ein globales Problem und das braucht globale Lösungen", sagte Franz.  

Von: dpa-AFX, dpa, airliners.de
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