Iata rechnet mit deutlichem Gewinnrückgang

03.06.2019 - 10:28 0 Kommentare

Die Iata korrigert auf ihrer Generalversammlung in Seoul die Gewinnprognose für das laufende Jahr nach unten. Grund ist vor allem die Angst vor weltweiten Handelsstreitigkeiten. Aber es gibt auch positive Nachrichten.

Iata-Chef Alexandre de Juniac. - © © EPA - Etienne Laurent

Iata-Chef Alexandre de Juniac. © EPA /Etienne Laurent

Die weltweite Luftverkehrsbranche spürt durch steigende Kosten und eine langsamere Nachfrage in diesem Jahr kräftigen Gegenwind. War der Weltluftfahrtverband Iata vor sechs Monaten noch von steigenden Gewinnen ausgegangen, rechnet er in seiner jüngsten Prognose mit einem industrieweiten Rückgang im Vergleich zum Vorjahr.

"Das Geschäftsumfeld für die Airlines hat sich angesichts steigender Treibstoffkosten und eines schwächeren Welthandels verschlechtert", teilte Iata auf seiner 75. Generalversammlung in Seoul mit. Allerdings sieht sich die Branche laut Iata besser gegen Auswirkungen von Handelskrisen gewappnet als früher.

Die Airlines würden 2019 einen Gewinn in Höhe von 28 Milliarden Dollar (25 Milliarden Euro) verbuchen, sagte Iata-Chef Alexandre de Juniac in seiner Eröffnungsansprache. Im Dezember hatte der Verband noch einen Anstieg auf 35,5 Milliarden Dollar erwartet. Der Nettogewinn im Vorjahr wird auf 30 Milliarden Dollar geschätzt.

Zwar werde die Airline-Industrie das zehnte Jahr in Folge wieder Gewinne verzeichnen, doch sprach der Verband, der auch durch die wachsenden Forderungen nach einer Reduzierung der Emissionen zunehmend unter Druck gerät, von einem Kostenanstieg "in allen Bereichen, inklusive Arbeit, Treibstoff und Infrastruktur". Die Entwicklung drücke auf die Gewinnspannen.

Handelstreit drückt auf Bilanz

Als großes Risiko gelten auch für die Luftverkehrsindustrie die zunehmenden Handelsstreitigkeiten. "Die Abschwächung des Welthandels wird sich vermutlich fortsetzen, weil der Handelskonflikt zwischen den USA und China sich intensiviert", hieß es. Das wirke sich zwar zu allererst auf das Luftfrachtgeschäft aus, aber auch der Luftreiserverkehr dürfte nicht schadlos davonkommen.

"Die gute Nachricht ist, die Airlines haben den Boom-und-Bust-Zyklus gebrochen", sagte de Juniac. Das heiße, ein Rückgang des Handels werde die Luftverkehrsindustrie nicht zugleich in eine tiefe Krise mitreißen, zeigte sich der Franzose zuversichtlich.

Reiseverkehr wächst um fünf Prozent

Der Luftfrachtverkehr werde in diesem Jahr voraussichtlich überhaupt nicht wachsen, sagte der Chef-Ökonom bei Iata, Brian Pearce. Beim Reiseverkehr dürften die Airlines demnach mit einem Anstieg um fünf Prozent rechnen. Der Wert liege jedoch "unter der Wachstumsrate im 20-Jahrestrend".

Im vergangenen Jahr wurde die Passagiernachfrage den Angaben zufolge von den aufstrebenden Ländern angetrieben, allen voran Indien mit einem Wachstum um 18,9 Prozent und gefolgt von China mit 12,1 Prozent. Für Europa sagte Iata einen Anstieg der Passagiernachfrage um 50 Prozent bis 2037 voraus.

Eine Herausforderung bleibe in Europa aber das Problem mit den Kapazitäten. Der Iata-Vizevorsitzende für Europa, Rafael Schvartzman, nannte in diesem Zusammenhang auch die Bauarbeiten am Flughafen Berlin Brandenburg. Die Öffnung werde jetzt für Oktober 2020 erwartet, "doch niemand ist sich sicher".

Auf das Startverbot für die Boeing 737 Max ging Iata am Sonntag zunächst nicht weiter ein. Zahlreiche Airlines unter den 290 Mitgliedern seien davon betroffen, sagte Akbar Al Baker vom Iata-Aufsichtsrat. Doch wolle der Verband die laufenden Untersuchungen abwarten, bevor er zu dem Thema weiter Stellung beziehe. "Wir haben volles Vertrauen in Boeing." Zuletzt hatte de Juniac gesagt, Iata rechne damit, das Flugverbot werde mindestens noch bis August dauern.

Von: dpa, br
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