Iata will Funkerkennung für Fluggepäck weltweit einführen

02.01.2019 - 11:39 0 Kommentare

Durch RFID-Chips sollen die Airlines Koffer künftig zuverlässiger befördern. Der Verband Iata plant eine flächendeckende Einführung bis 2023, der Beschluss soll im Juni verkündet werden.

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Der "Bag Tag" ist oft die erste Spur bei der Wiedervereinigung von Gepäck und Reisendem. © dpa

Mit einer neuen smarten Technologie sollen die Gepäckstücke von Flugreisenden bald auf aller Welt auffindbar sein: Jeder Koffer soll nach den Plänen des Airline-Verbandes Iata mit einem über Funkwellen lesbaren RFID-Chip versehen werden. So will Verlust und Fehlleitung von Koffern deutlich reduzieren.

Die flächendeckende Ausstattung mit den Chips soll Anfang 2020 beginnen, sagte Andrew Price, Chef der Fachabteilung Gepäck bei der Iata, der Deutschen Presse-Agentur. Der Beschluss solle bei der Vollversammlung des Verbandes Anfang Juni in Südkorea verkündet werden.

"Ich hoffe, dass bis Ende 2020 das Gepäck auf der Hälfte aller Passagierreisen mit RFID ausgestattet ist", sagte Price. Bis Ende 2023 sollen es so gut wie alle Koffer sein.

In der Iata sind etwa 290 Airlines in 120 Ländern organisiert, die 82 Prozent des Luftverkehrsbestreiten, darunter auch die Lufthansa.

25 Prozent weniger Gepäckfehler sind das Ziel

2007 wurden nach einem Bericht des IT-Airline-Dienstleisters Sita etwa 18 Gepäckstücke pro 1000 Passagiere fehlgeleitet. Zehn Jahre später waren es nur noch etwa sechs. Weltweit waren das aber immerhin 23 Millionen Gepäckstücke. "Mit RFID können wir die Zahl um weitere 25 Prozent senken, wenn alle mitmachen", sagt Price.

Bislang werden Gepäckstücke im Luftverkehr mit einem Klebeettikett gekennzeichnet, auf dem Informationen wie die Flugnummer oder der Zielflughafen in Form eines Strichcodes zu sehen sind. Ein Koffer-Label kann aber leicht beschädigt werden. Außerdem braucht man eine direkte Sichtverbindung, um den Barcode auslesen zu können.

Chips werden in die klassischen Banderolen integriert

Die RFID-Chips mit ihren Antennen sollen künftig in die Banderole mit dem klassichen Strichcode integriert werden. Lesegeräte an Gepäckbändern, in Gepäckhallen und beim Be- und Entladen können die Koffer dann während der ganzen Reise automatisch registrieren. Heute würden Gepäckstücke an vielen Flughäfen manuell gescannt, sagt Price.

"Diese Neuerung erlaubt uns, zu jeder Zeit zu wissen, wo sich Gepäck befindet. Wenn ein Teil fehlgeleitet ist, sehen wir es und können eingreifen und es an den richtigen Flughafen schicken, noch bevor der Passagier eine Vermisst-Meldung aufgibt", sagt Price. "Damit werden weniger Gepäckstücke verlorengehen. Und wenn es doch passiert, werden sie schneller wieder beim Passagier sein."

Fluggesellschaften könnten Kunden auch ermöglichen, den Verbleib ihres Koffers in einer App auf dem Smartphone zu verfolgen. So etwas bietet die US-Fluglinie Delta an, ein Pionier der RFID-Chips bei Gepäck. Langfristig seien persönliche und wiederverwendbare RFID-Etiketten denkbar, die Passagiere schon zu Hause an das Gepäck machen.

Investitionen von mehr als einer Milliarde Euro nötig

Damit die RFID-Daten weltweit gelesen und ausgetauscht werden können, müssen Flughäfen und Airlines investieren. Das Sparpotenzial sei aber dreimal so hoch wie die Ausgaben. Die Iata schätzt, dass über sieben Jahre 3,8 Milliarden Dollar (3,3 Milliarden Euro) eingespart werden können. Einerseits würden weniger Koffer verloren gehen und müssten gesucht werden. Andererseits dürften RFID-Daten Schwachstellen in der Gepäckbeförderung zeigen, die optimiert werden könne.

© Delta Air Lines, Lesen Sie auch: Beim RFID-Koffer-Tracking gibt es viel Potenzial, aber keine Standards

Die Lufthansa gibt sich bedeckt. Es werde immer an Verbesserungen gearbeitet, sagt eine Sprecherin. "RFID kann dabei eine unterstützende Technologie sein, ist aber nicht die einzig mögliche. Lufthansa beteiligt sich unter anderem auch an Untersuchungen von RFID als möglicher Technologie bei den Gepäckservices."

Von: pra, dpa
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