Niki kämpft für die Übernahme

09.01.2018 - 12:30 0 Kommentare

Das Niki-Insolvenzverfahren muss nach Österreich verlegt werden. Nach dem Berliner Richterspruch geht die Air-Berlin-Tochter in die juristische Offensive: Um den Deal mit Vueling zu retten, wendet sie eine Finte an.

Ob die "neue" Niki im März starten kann, ist fraglich.Foto: © AirTeamImages.com, Danijel Jovanovic

Trotz der juristischen Verwicklungen um das Niki-Insolvenzverfahren hält die IAG-Tochter Vueling an ihren Kaufabsichten fest. "Vueling ist immer noch an Niki interessiert und wird mit allen Beteiligten daran arbeiten, den Kauf von Niki-Vermögenswerten durch ihre neue österreichische Tochtergesellschaft fortzusetzen", teilte die Airline-Gruppe IAG am Montag mit.

Um den Deal zu retten, kontert die Niki-Geschäftsführung nun die gestrige Gerichtsentscheidung in Berlin und legt Rechtsbeschwerde beim Bundesgerichtshof (BGH) ein. Das Berliner Landgericht hatte festgestellt, dass die Eröffnung des Insolvenzverfahrens in Berlin nicht rechtens gewesen sei. Das Verfahren müsse nach Österreich verlegt werden, da die Airline dort ihren Sitz und den "Mittelpunkt der hauptsächlichen Interessen" habe.

Diese Entscheidung erlangt nun vorerst keine Rechtskraft, weil Niki vor den BGH zieht. Damit habe das Insolvenzverfahren in Berlin weiter Bestand, teilt das Unternehmen mit.

Zweites Insolvenzverfahren in Österreich

Zugleich will das Unternehmen den Kauf aber auch gegenüber der österreichischen Justiz absichern: In Österreich soll ein Sekundär-Insolvenzverfahren eröffnet werden. Einen entsprechenden Antrag stelle man voraussichtlich bis Ende der Woche. Das Sekundärverfahren sei ohnehin ein wichtiger Schritt, um eine geordnete Abwicklung von Niki in Österreich zu gewährleisten, heißt es.

Das österreichische Landesgericht Korneuburg befasst sich derzeit bereits mit der Zuständigkeit in der Niki-Insolvenz. Einen Antrag dazu hatte das Fluggastrechteportal "Fairplane" gestellt, das auch das Insolvenzverfahren in Berlin gerichtlich angefochten hatte.

Die Richter in Korneuburg müssen nun entscheiden, ob sie die Aufspaltung in ein Haupt- und ein Sekundärverfahren für Niki zulassen. Der Entschluss werde frühestens am Freitag, sonst im Laufe der nächsten Woche fallen, kündigt ein Sprecher gegenüber airliners.de an.

Von der Entscheidung wird auch abhängen, wie es mit dem Niki-Verkauf weitergeht. Lässt man sich in Korneuburg auf kein Sekundärverfahren ein, müsste der Vertrag mit Vueling von einem österreichischen Insolvenzverwalter geprüft werden. Es könnte sogar zu einem erneuten Bieterverfahren kommen. Bisherige Kaufinteressenten wie Thomas Cook oder Niki Lauda könnten dann wieder zum Zuge kommen.

Zeit und Geld für "neue" Niki werden knapp

Genau das will Niki verhindern. Denn durch einen erneuten Verkaufsprozess würden Zeit und Geld knapp. Bislang war von Experten erwartet worden, dass der Flugbetrieb der "neuen" Niki unter der Marke Vueling frühestens im März starten würde.

Für die Übergangszeit bis dahin hat der Mutterkonzern IAG 16,5 Millionen Euro für die laufenden Kosten bei Niki bereitgestellt. Dieses Geld reiche nur für wenige Wochen, heißt es. Hinzu kommt: Ende März läuft die Betriebsgenehmigung für Niki aus, dann würden die Start- und Landerechte der Airline verfallen.

© AirTeam Images, Christian Galliker Lesen Sie auch: Landgericht verweist Niki-Insolvenz nach Österreich

Der Niki-Betriebsrat hofft trotz der jüngsten Verwicklungen weiterhin, dass die Airline überleben kann. "Die Belegschaft baut darauf, dass die Beteiligten den Deal noch retten", sagt Betriebsratschef Stefan Tankovits. Vueling hatte angekündigt, von den derzeit 1000 Mitarbeitern rund 740 zu übernehmen.

Von: pra mit Material von dpa
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