IAG-Billigflieger Vueling kauft Air-Berlin-Tochter Niki

29.12.2017 - 23:00 0 Kommentare

Das Bieterrennen um die insolvente Niki ist entschieden. Der IAG-Billigflieger Vueling will den österreichischen Air-Berlin-Ferienflieger für rund 20 Millionen Euro übernehmen. Jetzt muss noch die EU zustimmen.

Ein Logo-Aufsteller der spanischen Airline Vueling am Flughafen Hamburg. - © © dpa - Angelika Warmuth

Ein Logo-Aufsteller der spanischen Airline Vueling am Flughafen Hamburg. © dpa /Angelika Warmuth

Die International Airline Group (IAG) kauft die insolvente Air-Berlin-Tochter Niki. Das gab der vorläufige Insolvenzverwalter Lucas Flöther am Abend bekannt. Die Airline-Gruppe übernimmt demnach die Markenrechte an Niki sowie alle Start- und Landerechte.

Auch IAG bestätigte den Abschluss. Der zur IAG gehörende Billigflieger Vueling werde die Vermögenswerte von Niki zum Preis von 20 Millionen Euro übernehmen, wie der drittgrößte Airlinekonzern Europas am späten Freitagabend mitteilte.

IAG-Chef lobt Niki

Niki passe "perfekt in die Strategie von Vueling", sagte IAG-Chef Willie Walsh: "Dieses Geschäft wird Vueling in die Lage versetzen, ihre Präsenz in Österreich, Deutschland und der Schweiz auszuweiten und den Kunden in der Region eine größere Auswahl bei Niedrigkosten-Reisen zu bieten."

Zusätzlich zum Kaufpreis wird Vueling den Angaben nach 16,5 Millionen Euro investieren, um ab Anfang Januar 2018 die laufenden Betriebskosten ihrer neuen Tochter in Österreich zu decken. Man plane, rund 740 der aktuell noch rund 1000 Niki- Beschäftigten zum Betrieb der "neuen Niki" zu übernehmen.

Gleichzeitig will Vueling bis zu 15 Flugzeuge der A320-Familie übernehmen. Die Flugzeuge selbst sind in dem Kaufpreis allerdings nicht enthalten - sie gehören teilweise bereits der Lufthansa, die Niki wochenlang mit Geld in der Luft hielt. Nun muss der Kranich die Maschinen voraussichtlich an Vueling vermieten.

Erneute EU-Prüfung

Der Verkauf soll bis Ende Februar 2018 vollzogen sein, teilte Flöther mit. Der vorläufige Gläubigerausschuss habe dem Verkauf bereits zugestimmt. Die EU-Kommission müsse die Übertragung aber noch im Rahmen eines Fusionskontrollverfahrens genehmigen.

Die International Airline Group

Zum britisch-spanischen Luftfahrtkonzern IAG gehören neben Vueling auch British Airways, Iberia, Aer Lingus und Level.

Die IAG-Billigtochter Vueling ist wie Niki auch im Touristensegment aktiv und hat Basen vor allem in Spanien, aber auch in Frankreich, Italien und den Niederlanden. Niki ist laut Brancheninsidern vor allem wegen ihrer Slots am Flughafen auf Palma de Mallorca interessant. Auch dort ist Vueling aktiv:

Engagement von Vueling
0
Barcelona 31.3
Rom-
Fiumicino
5.6
Paris-Orly 4.9
Palma
de Mallorca
4.1
Bilbao 3.4
Sevilla 3.2
Malaga 3.1
Weitere
Airports
44.4

Die Grafik zeigt die Verteilung der angebotenen Sitzplatzkapazitäten von Vueling auf Flügen ab den verschiedenen Flughäfen. "Weitere Airports" sind alle mit weniger als je drei Prozent Anteil. Angaben gerundet. Quelle: ch-aviation, Stand: 28. Dezember 2017

Zuvor hatte der vorläufige Insolvenzverwalter mitgeteilt, dass der Gläubigerausschuss exklusive Verhandlungen mit nur noch einem Bieter angeordnet hat. Niki-Gründer Niki Lauda erklärte anschließend, den österreichischen Ferienflieger nicht mehr haben zu wollen.

Lauda verkündete Ausstieg

"Ich bin nicht mehr im Rennen", sagte Lauda der Zeitung "Die Presse". Das sei ihm am Donnerstag schriftlich mitgeteilt worden, so Lauda zur Nachrichtenagentur APA. In dem Schreiben sei keine Begründung angeführt worden. Ein Konkurs über Niki sei nun nicht mehr abwendbar, meinte der 68-jährige Ex-Rennfahrer und Luftfahrt-Unternehmer.

Das AOC sei nur bis 3. Januar verlängert worden. Branchenkenner spekulierten bereits in den vergangenen Tagen, dass der britisch-spanische Konzern IAG den Zuschlag bekommen könnte, da sich der Gläubigerausschuss wohl am Zuspruch der EU-Kommission orientieren würde. Zuletzt hieß es, Brüssel sei "entzückt", dass auch Easyjet als Billigflieger-Gegengewicht zu Eurowings einen Teil von Air Berlin gekauft hatte.

&Copy; AirTeam Images, Chris Jilli Lesen Sie auch: So will Eurowings 2018 wachsen Ausblick

Niki hatte Mitte Dezember Insolvenz angemeldet und den Flugbetrieb eingestellt. Zuvor war die geplante Übernahme durch den deutschen Branchenprimus Lufthansa abgeblasen worden. Die EU-Wettbewerbshüter befürchteten Monopolstrecken.

Von: dh, cs
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