Analyse

IAG landet im ersten Halbjahr vor Lufthansa

08.08.2019 - 17:20 0 Kommentare

Halbjahresbilanz der drei großen europäischen Airline-Konzerne: Während IAG vor allem von British Airways profitiert, wird Air France/KLM von den Franzosen gebremst. Die Lufthansa Group kämpft derweil mit gleich zwei unprofitablen Töchtern.

Lufthansa und British Airways am Flughafen Düsseldorf - © © AirTeamImages.com - Serge Bailleul

Lufthansa und British Airways am Flughafen Düsseldorf © AirTeamImages.com /Serge Bailleul

Gestiegene Kerosinpreise und der Preiskamp in Europa schlagen sich in den Halbjahresbilanzen der großen europäischen Netzwerk-Airline-Konzernen IAG, Air France/KLM und Lufthansa Group nieder. Das zeigt die airliners.de-Analyse der veröffentlichten Halbjahreszahlen aller drei Airline-Gruppen.

Was alle Konzerne eint sind steigende Umsätze im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Anders sah es beim Gewinn aus. Das Ebit (Gewinn vor Zinsen und Steuern oder auch Operating Result) ging überall zurück, zum Teil sogar deutlich. Verlustreich war das Halbjahr dennoch für keinen der drei Konzerne. Das gilt aber nicht für alle Fluggesellschaften.

IAG mit höchstem Gewinn und größtem Umsatzplus

Die International Airline Group (IAG) um British Airways und Iberia erreicht dabei das größte Umsatzplus gegenüber dem Vorjahr. Der Konzern kommt mit plus acht Prozent auf 10,6 Milliarden Euro. An zweiter Stelle in Sachen Umsatzwachstum folgt die französisch-niederländische Air France/KLM mit einem Plus von knapp fünf Prozent auf rund 13 Milliarden Euro.

Die Lufthansa Group erwirtschaftete zwar mit 17,5 Milliarden Euro den höchsten Umsatz unter den drei Netzwerk-Airline-Gruppen. Im direkten Vergleich mit IAG und Air France/KLM bedeutet das aber das kleinste Wachstum - nämlich nur Plus drei Prozent.

Setzt man die Umsätze ins Verhältnis zum operativen Ergebnis, dann zeigt sich, dass besonders der spanisch-britische IAG-Konzern auf ein relativ gutes Halbjahr zurückblicken kann.

Zwar lag das Ebit des Konzerns bei rund 1,1 Milliarden Euro, was einem Rückgang von etwas über 40 Prozent entspricht. Gleichzeitig erreichte der Konzern aber mit rund zehn Prozent immer noch die mit Abstand beste Ebit-Marge und auch den höchsten Gewinn aller drei Airline-Gruppen.

Konzern-Chef Willie Walsh nannte in seinem Statement die "einzigartige Struktur" und das "vielfältige Markenportfolio" als ausschlaggebend für die finanzielle Belastbarkeit.

Umsatz, Gewinn und Margen der drei Airline-Gruppen
Airline Umsatz im Mrd. € Ebit in Mrd. € Marge in %
IAG 10.649 1.095 10.3
Lufthansa Group 17.523 0.417 2.4
Air France/KLM 13.040 0.097 0.7

Die Grafik zeigt das Umsatz und den operativen Gewinn vor Steuern und Zinsen (in Milliarden) sowie die Margen (in Prozent) im ersten Halbjahr 2019.Quelle: Unternehmensangaben

Das Ebit der Lufthansa Group lag dagegen bei vergleichsweise niedrigen 417 Millionen Euro. Im Vorjahresvergleich entspricht das einem Rückgang von rund 60 Prozent. Die Ebit-Marge lag bei 2,4 Prozent.

Verantwortlich für den Rückgang macht Lufthansa den Preiskampf in Europa - neben gestiegenen Treibstoff- und Technikkosten. Das Langstreckengeschäft speziell auf den transatlantischen und asiatischen Routen habe sich hingegen gut entwickelte, so der Konzern.

Bei Air France/KLM lag der Gewinn vor Zinsen und Steuern bei nur 97 Millionen Euro. Ähnlich wie bei der Lufthansa Group entspricht das einem Rückgang von fast 60 Prozent. Die Ebit-Marge erreichte dabei knapp fünf Prozent. Konzern-Chef Benjamin Smith sprach in einer Mitteilung dennoch von einem "soliden zweiten Quartal" in einem "schwierigen Umfeld".

British Airways ist profitabelste Airline

Betrachtet man die Zahlen der einzelnen Airlines, fällt auf, dass British Airways mit einer Ebit-Marge von fast zwölf Prozent die profitabelste Fluggesellschaft innerhalb des IAG-Konzerns ist. Selbst im Vergleich aller Fluggesellschaften der drei Konzerne performen die Briten damit am profitabelsten.

Air France/KLM gibt dagegen ein zweigeteiltes Bild ab. Die niederländische KLM ist profitabel, während die französische Air France ein deutlichen Verlust ausweist. Der Billigflieger Transavia flog 22 Millionen Euro Verlust ein. Genauere Angaben zu den Regional-Töchtern der französischen und niederländischen Gruppen weist Air France/KLM nicht aus.

Profitabilität der einzelnen Airlines
Airline Ebit-Marge
British Airways 11.8
Swiss 8.8
Aer Lingus 8.0
Lufthansa 5.2
Level (Anisec) 4.5
Iberia 4.1
KLM Group 3.8
Transavia 0.7
Vueling 0.5
Air France Group -1.4
Austrian -5.6
Eurowings -14.1

Die Grafik zeigt die Ebit-Marge aller Fluggesellschaften der großen europäischen Airline-Konzerne im ersten Halbjahr 2019.Quelle: Unternehmensangaben

Innerhalb der Lufthansa Group ist die Schweizer Tochter Swiss die profitabelste Airline. Dort liegt die Marge bei fast neun Prozent. Mit einem Ebit von 215 Millionen Euro war das erste Halbjahr 2019 gleichzeitig das zweitbeste Halbjahresergebnis in der Geschichte der Airline. Finanzchef Michael Niggemann zeigte sich in einer Mitteilung "angesichts der anspruchsvollen Marktlage zufrieden".

Sorgenkind Eurowings

Die Lufthansa selbst kommt im ersten Halbjahr auf eine Ebit-Marge von knapp über fünf Prozent. Bei den Netzwerk-Airlines in der Lufthansa Group ist die österreichische Tochter Austrian die derzeit unprofitabelste. Der operative Verlust lag im ersten Halbjahr bei 55 Millionen Euro. Vor einem Jahr gab es noch einen Gewinn vor Zinsen und Steuern von neun Millionen.

Größtes Sorgenkind der Lufthansa Group ist bleibt allerdings der Billigflieger Eurowings. Im ersten Halbjahr stagnierte der Umsatz bei 1,9 Milliarden Euro, gleichzeitig erhöhte sich der operative Verlust um 25 Prozent auf 274 Millionen Euro. Nun tritt der Konzern auf die Wachstumsbremse und koordiniet das Langstreckengeschäft um.

© AirTeamImages.com, Markus Mainka Lesen Sie auch: Eurowings gibt Langstrecken-Verantwortung ab und fliegt nur noch A320

Mitte Juni teilte der Konzern mit, dass Eurowings vorerst nicht weiter wachsen werde. Die Verkaufs-Verantwortung der Langstrecken geht zudem an die Lufthansa.

Von: br
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