Hotelkette Accor will sich bei Air France/KLM einkaufen

04.06.2018 - 15:04 0 Kommentare

Der französische Staat will sich womöglich aus der Airline-Gruppe Air France/KLM zurückziehen. Laut einem Zeitungsbericht erwägt die Regierung, ihre Anteile an den Hotelkonzern Accor abzugeben.

Piloten sitzen im Cockpit einer Boeing 777 der Air France. - © © AirTeamImages.com - Mathieu Pouliot

Piloten sitzen im Cockpit einer Boeing 777 der Air France. © AirTeamImages.com /Mathieu Pouliot

Nach wochenlangen Streiks und dem Rücktritt des Vorstandschefs könnte bei Air France/KLM nun ein Großinvestor neue Perspektiven eröffnen: Die französische Hotelgruppe Accor will bei dem Airline-Konzern einsteigen.

Laut einem Bericht der Zeitung "Les Echos" könnte Accor Hotels ganz oder teilweise die Anteile des französischen Staates übernehmen: Er ist mit 14,3 Prozent größter Aktionär bei Air France/KLM und erwägt nach dem Bericht, sich zurückzuziehen. Accor-Chef Sebastien Bazin soll in diesem Fall Verwaltungsratschef der Airline-Gruppe werden, so die Zeitung.

Accor erwägt Minderheitsbeteiligung

Accor bestätigte am Sonntag, dass man in Betracht ziehe, eine Minderheitsbeteiligung zu erwerben. Man befinde sich dabei aber noch in einer sehr frühen Phase der Prüfung. Mit Air France/KLM führe man seit Jahren Gespräche über eine Zusammenarbeit bei digitalen Projekten, dabei sei auch eine mögliche Beteiligung in Betracht gekommen, teilte die Hotelgruppe mit.

Mit über 4.300 Hotels in rund 100 Ländern gehört Accor zu den größten Hotelkonzernen weltweit. In Europa und anderen Teilen der Welt ist das Unternehmen nach eigenen Angaben Marktführer. Das französische Finanzministerium und die Airline-Gruppe gaben zunächst keinen Kommentar zu dem Bericht ab.

Anteilseigner von Air France/KLM
Prozent der Anteile
Französischer Staat 14.3
Delta Air Lines 8.8
China Eastern Airlines 8.8
Mitarbeiter 3.9
Eigene Aktien 0.3
Europäische Einzelanleger 8.8
Europäische institutionelle Anleger 33.6
Nichteuropäische Anleger 21.6

Die Grafik zeigt die Verteilung der Anteile an Air France/KLM, Stand 31. Dezember 2017. Quelle: Unternehmensangaben

Laut "Les Echos" werden drei Modelle für einen Einstieg von Accor geprüft: Der Konzern könnte sämtliche Anteile des Staates kaufen oder nur einen Teil, was der Regierung weiterhin Einfluss auf die Airline-Gruppe sichern würde.

Eine dritte Option wäre ein Aktientausch. Dabei würde der französische Staat nach den derzeitigen Kursen für seine Air-France/KLM-Anteile gut drei Prozent an Accor erhalten.

Kursgewinn für Air France/KLM

An der Börse sorgten die Nachrichten für einen Kurssprung. Die Aktie von Air France/KLM, die in diesem Jahr stark unter den tagelangen Streiks der Piloten und dem überraschenden Abgang des langjährigen Konzernchefs Jean-Marc Janaillac gelitten hatte, gewann am Montagmorgen bis zu 7,4 Prozent an Wert.

Air France/KLM wird seit Mitte Mai von einem Übergangsteam geführt. Finanzchef Frédéric Gagey übernahm die Rolle des Generaldirektors. Unterstützt wird er von den Chefs der beiden Konzernsparten Air France und KLM, Franck Terner und Pieter Elbers. Die ehemalige französische Ministerin Anne-Marie Couderc steht als Präsidentin an der Spitze des Verwaltungsrats.

© Air France/KLM, Lesen Sie auch: "Es geht für Air France nicht ums Überleben" Interview

Janaillac hatte im Mai seinen Rücktritt bekanntgegeben, nachdem die Mitarbeiter von Air France in einer Abstimmung den jüngsten Gehaltsvorschlag des Managements abgelehnt hatten. Mit der Befragung hatte der Manager eigentlich Druck auf die Gewerkschaften ausüben wollen.

Von: pra, dpa
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