Die Born-Ansage (56) ( Gastautor werden )

Hollywood im Tuifly-Cockpit

30.03.2017 - 10:08 0 Kommentare

Ein Copilot fällt aus, eine Flugbegleiterin übernimmt. So passiert bei Tuifly. Das ist Stoff für Hollywood, findet Kolumnist Karl Born. Allerdings war der Zeitpunkt des Ereignisses für die Airline ungünstig.

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. - © © airliners.de, Karl Born -

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. © airliners.de, Karl Born

Der Vorgang hat alles, um ein Hollywood-Blockbuster zu werden: Der Copilot fällt während eines Fluges krankheitsbedingt aus. Eine im Dienst befindliche Flugbegleiterin wird vom Flugkapitän gebeten, den Platz des Copiloten einzunehmen. Zufällig hat sich diese Flugbegleiterin betriebsintern als Flugsicherheitsexpertin weitergebildet. Der Pilot und seine neue Assistentin landen den Jet mit 190 Menschen an Bord sicher auf dem Zielflughafen.

Wie jetzt bekannt wurde, ist das so tatsächlich am 11. Oktober 2016 im französischen Luftraum an Bord eines Tuifly-Fluges nach Mallorca geschehen. Natürlich würde Hollywood das Ganze bombastischer aufblasen. Der Titel des Filmes würde wahrscheinlich "Rettung über den Wolken", "Saving 190 Lives" oder "Nonstop Cockpit Hero" heißen. In dem Streifen würde die Flugbegleiterin natürlich tolle Entscheidungen treffen und der eigentliche Pilot würde zum Statisten degradiert.

Oktober 2016... da war doch was

Tuifly hat der Flugbegleiterin zwar eine Anerkennung zukommen lassen (Details hierzu sind nicht bekannt), aber die Dame wäre bestimmt auch ein willkommener Gast in sämtlichen Talkshows dieser Republik gewesen und jeder Auftritt von ihr eine gelungene Marketing-Maßnahme für Tuifly.

Gleichzeitig kam mir der 11. Oktober 2016 als Datum sehr bekannt vor. Und tatsächlich ist es mir wieder eingefallen: Nur wenige Tage vor diesem Termin, nämlich am 6. und 7. Oktober 2016, fand die etwas mysteriöse Massenerkrankung (präziser gesagt: Massenkrankmeldungen) von Tuifly-Piloten statt.

Das passt nicht in den Kommunikationsplan

Nach einer Wunderheilung von fast 500 Personen fliegendes Personal gab es erst am 10. Oktober 2016, also einen Tag vor dem oben genannten Ereignis, wieder einen vollständigen Flugplan. Da hätte die Geschichte mit dem während des Fluges erkrankten Piloten nicht so richtig in den Kommunikationsplan gepasst.

© dpa, Peter Steffen Lesen Sie auch: Massen-Krankmeldungen bringen Tuifly fast zum Stillstand

Derzeit überprüfen die deutschen Airlines das Vier-Augen-Prinzip. Markus Wahl, dem Sprecher der Vereinigung Cockpit, ist bei seinem berechtigten Statement gegen diesen Placebo-Schnellschuss vom März 2015 noch zusätzlich der Satz rausgerutscht: "Es ist sicherlich richtig: Zwei Mann im Cockpit sind immer sicherer als einer."

Da muss ich eine kleine Korrektur anmerken: "Zwei Mann" oder "zwei Piloten" im Cockpit können auch "zwei Pilotinnen" sein. Oder notfalls auch eine Tuifly-Flugbegleiterin.

Über den Autor

In seiner Reihe "Die Born-Ansage" veröffentlicht der ehemalige Condor-Vertriebschef, Tui-Vorstand und Touristik-Honorarprofessor Karl Born auf airliners.de Kolumnen zum aktuellen Geschehen in der Luftverkehrswirtschaft.

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund. Kontakt

Von: Karl Born für airliners.de
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