Holding von Small Planet ist pleite

24.10.2018 - 09:04 0 Kommentare

Die deutsche Small Planet ist bei den Verkaufsverhandlungen auf der Zielgeraden, da geht auch die litauische Mutter-Holding in die Knie. Group-Chef Kaikaris meldet sich in einem Brief äußerst offen zu Wort.

Leitwerk einer Maschine der Small Planet Airlines. - © © AirTeamImages.com - Jan Severijns

Leitwerk einer Maschine der Small Planet Airlines. © AirTeamImages.com /Jan Severijns

Die litauische Small Planet Holding hat einen Restrukturierungsprozess (vergleichbar im deutschen Recht mit einem Insolvenzverfahren) angekündigt. "Das bedeutet nicht, dass wir aufgeben", betont CEO Vytautas Kaikaris in einer E-Mail, die airliners.de aus litauischer Quelle zugespielt wurde. Die Flotte der litauischen Small Planet besteht aus zehn A320-Jets.

Die jetzige Maßnahme betrifft aber nicht nur die litauische Airline, sondern die komplette Holding: Man habe als Small Planet Airlines Group UAB (Uždaroji akcinė bendrovė, AG nach litauischem Recht) in den ersten neun Monaten des Jahres zwar drei Millionen Euro verdient, doch sei dies "nicht genug, um die negativen Effekte des deutschen und polnischen Geschäfts auszugleichen".

Kürzungen sollen Freitag bekannt werden

Kaikaris verweist darauf, dass solch ein Prozess aber auch negative Dinge mit sich bringe: "Niemand restrukturiert sich, wenn die Geschäfte einwandfrei laufen." Dass nun nicht nur Kunden und Zulieferer ganz genau auf die Ereignisse bei Small Planet schauen würden, sondern auch die nationalen Luftfahrtbehörden, sei ihm bewusst: "Dazu sind wir bereit."

Restructuring has bad PR - let's see how bad it is and deal with it.

Vytautas Kaikaris, CEO der Small Planet Airlines Group

Trotz allem werde man weiter fliegen. Kaikaris versichert, das Wohl der Mitarbeiter stehe an erster Stelle. Die Leasing-Geber würden die Flugzeuge nicht abziehen; man habe Verträge geschlossen, die lange liefen.

Im litauischen AOC fliege man im Winter mit acht Maschinen - zwei in Kambodscha, zwei in Vietnam und vier in Europa. Damit sei man auf dem Stand von 2014, bevor mit Töchtern in unter anderem Deutschland, Polen und Thailand den großen Wachstumspfad einschlug. Inwiefern man Personal einsparen müsste, solle am Freitag verkündet werden.

Risiken aus Deutschland und Polen schwer einzuschätzen

Man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, beteuert Kaikaris, und war mit mehreren Investoren vor dem Schritt in intensiven Gesprächen. Doch gerade, weil potenzielle Risiken aus Deutschland und Polen schwer zu kalkulieren wären, "ist die Situation für Investoren schwer zu ertragen".

Der jetzige Schritt verschaffe der Holding weiter Zeit, um sich zu sanieren: Man brauche diese Zeit vor allem, um Forderungen von Gläubigern aus Deutschland und Polen, die Ansprüche gegenüber der Holding anmeldeten, zu ordnen.

Gleichzeitig verweist Kaikaris auch auf die rechtlichen Unterschiede solcher Restrukturierungsverfahren in Deutschland, Litauen und Polen. Mit Eintritt in das Verfahren, sei man nicht mehr darauf angewiesen, einen Investor zu finden. "Litauen kann die Umstrukturierung erfolgreich beenden und seine gesamten Schulden ohne externe Finanzierung begleichen." Dies sei speziell in Deutschland und Polen nicht möglich.

Crews fassen Zukunft bei Lauda ins Auge

Die deutsche Small Planet hatte vor fünf Wochen Insolvenz in Eigenregie angemeldet und befindet sich nach airliners.de-Informationen aktuell in den letzten Zügen von Verkaufsverhandlungen. "Bis Ende der Woche ist der Verkauf abgewickelt", beteuerte jüngst ein hochrangiger Manager. Auch die polnische Division meldete kurz danach Restrukturierung an.

© AirTeamImages.com, Jan Severijns Lesen Sie auch: Deutsche Small Planet hat wohl Käufer gefunden

Viele Crews - vor allem aus Deutschland - hoffen bei Lauda Motion unterzukommen. Die Niki-Nachfolgerin will im kommenden Jahr knapp 20 A320-Jets in die Luft bringen, nach neun eigenen in diesem Jahr. Dasselbe Muster wird auch bei der deutschen Small Planet geflogen.

Von: cs
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