er Vorsitzende der Geschäftsführung der Flughafen München GmbH, Michael Kerkloh, gibt am 17.06.2012 in München ein Interview.
© dpa - Tobias Hase
Die dritte Piste in MUC (Illustration)
© Flughafen München
Flugzeuge der Lufthansa stehen am Terminal 2 des Münchner Flughafens
© FMG
Gegner der am Flughafen München geplanten dritten Startbahn haben auf ein Plakat der Startbahn-Befürworter das Wort «NEIN» geschrieben.
© dpa - Stephan Jansen
Unterlagen zur Briefwahl f
- Nicolas Armer
Luftverkehrssteuer, Emissionshandel, Nachtflugverbote und jetzt auch noch ein Ausbaustopp: Die Luftfahrtbranche sieht im München-Debakel ein weiteres dramatisches Signal. Verbände, der Münchener Flughafenbetreiber und auch die Lufthansa warnen vor den Folgen des Bürgerentscheids gegen eine dritte Startbahn am Flughafen der bayerischen Landeshauptstadt.
Mit ihrem Nein zum Ausbau die Münchner den Ausbau des zweitgrößten deutschen Flughafens gestoppt - und zwar mindestens für einige Jahre. Denn das Votum verpflichtet die Landeshauptstadt, gegen den Bau ihr Vetorecht zu gebrauchen. Rechtlich ist der Bürgerentscheid zwar nur ein Jahr lang bindend. Der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) betonte allerdings, er werde den Willen der Münchner Bürger unabhängig von Regeln und Kommunalrecht ernst nehmen.
Die Stadt werde auch nicht ihre Anteile am Flughafen hergeben, hieß es. Damit scheint klar: Erst wenn 2014 ein neuer Bürgermeister in München gewählt wird, kann dieser neu entscheiden, ob er das Bürgervotum auch weiterhin respektiert oder nicht.
Das muss auch der Flughafen erkennen. Von der Flughafen München GmbH heißt es, die Bahn sei nicht für immer vom Tisch. Den Planfeststellungsbeschluss werde man - sollte dieser vor Gericht bestätigt werden - nicht vernichten, sondern in die Schublade legen. Und eine Schublade könne man auch wieder öffnen.
"Die Tatsache, dass eine relative Mehrheit der Münchner Bürger gegen den Bau der dritten Start- und Landebahn gestimmt hat, macht deutlich, wie schwierig es in unserem Lande mittlerweile ist, die Bedeutung wichtiger Infrastrukturprojekte zu verdeutlichen", sagte Flughafenchef Michael Kerkloh. Es sei nun schwieriger, die vor 20 Jahren begonnene Erfolgsgeschichte des Airports weiterzuführen.
Nur mit den beiden bestehenden Start- und Landebahnen werde der Münchner Flughafen "tägliche an seine Grenzen stoßen", erklärte auch der Lufthansa-Passagevorstand Thomas Klühr. Für das internationale Drehkreuz der Landeshauptstadt seien hohe Pünktlichkeitswerte und ein stabiler Betrieb langfristig nur mit einer dritten Bahn möglich.
"Wenn wir unsere Infrastruktur nicht auf die Zukunft vorbereiten, dann sägen wir den Ast ab, der uns alle trägt", sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft, Klaus-Peter Siegloch, am Montag. Für die weitere Zukunft des Münchener Airports sei das Nein beim Bürgerentscheid "hoffentlich noch nicht das letzte Wort".
Auch das Board of Airline Representatives in Germany (BARIG) und seinen mehr als 100 Fluggesellschaften reagierten mit "großem Unverständnis". Der Bau der dritten Bahn sei nach Ansicht des Verbandes dringend notwendig, um langfristig Kapazitätsengpässen nicht nur in München, sondern im gesamten Luftverkehr Deutschlands entgegenzuwirken.
Das Bundesverkehrsministerium hat die Ablehnung einer dritten Startbahn ebenfalls mit Enttäuschung zur Kenntnis genommen. Der Ausgang der Volksabstimmung sei "aus Bundessicht zu bedauern", sagte ein Sprecher von Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) am Montag in Berlin. Es wäre "schöner gewesen", wenn sich die Bürger dafür ausgesprochen hätten. Die Stadt München müsse nun klären, wie sie mit der Entscheidung weiter umgehe.
Die Münchner hatten sich am Sonntag gegen den Bau einer dritten Startbahn ausgesprochen. Nach dem vorläufigen Endergebnis des Bürgerentscheids waren 54,3 Prozent gegen und 45,7 Prozent für den Ausbau des zweitgrößten deutschen Flughafens. Das Ergebnis ist auch eine Schlappe für CSU, SPD und FDP, die gemeinsam für das Projekt geworben hatten.
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