Hoffen auf Air France-KLM: Alitalia braucht 300 Millionen Euro

12.11.2013 - 10:43 0 Kommentare

Der angeschlagenen Alitalia droht noch in dieser Woche das Geld auszugehen. Die italienische Fluggesellschaft setzt weiterhin alle Hoffnung auf ihren Großaktionär Air France-KLM. Doch der Konzern reagiert zurückhaltend.

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Mitte November schlägt für Alitalia die Stunde der Wahrheit. Bis dahin müssen sich die Aktionäre der taumelnden italienischen Fluglinie entscheiden, ob sie das Rettungskonzept überzeugt - und ob sie die geplante Kapitalerhöhung in Höhe von 300 Millionen Euro mittragen. Gemeinsam mit neuen Krediten über 200 Millionen Euro soll sie frisches Geld in die Kassen spülen und die Italiener vor der drohenden Pleite bewahren. Vor allem die Zusage des französisch-niederländischen Großaktionärs Air France-KLM dürfte darüber entscheiden, ob das Vorhaben gelingt.

Doch die Franzosen reagieren zurückhaltend. Sie stimmten zwar der Kapitalerhöhung zu, ließen aber offen, ob sie auch nur einen Euro besteuern. Air France-KLM hält mit einem Anteil von 25 Prozent so viele Alitalia-Aktien wie niemand sonst. Immer wieder wurde spekuliert, die Gesellschaft wolle kein weiteres Geld in Alitalia pumpen oder knüpfe seine Beteiligung an den Abbau von 5.000 Jobs. Laut Medienberichten bereitet Alitalia einen umfangreichen Sparplan mit dem Abbau von bis zu 4.000 der rund 14.0000 Stellen vor. Der Verwaltungsrat von Alitalia wolle sich am Mittwoch mit den Plänen beschäftigen.

Derartige Forderungen wollen die Franzosen zwar nie erhoben haben. Allerdings hat Konzernchef Alexandre de Juniac längst zu verstehen gegeben: Wenn die Italiener Hilfe haben wollen, muss sich Alitalia deutlich gründlicher verändern als bislang vorgesehen. Viel trauen die Franzosen ihrem Partner derzeit nicht mehr zu: In der jüngsten Quartalsbilanz schrieben sie den Wert von Alitalia auf null ab.

„Retter oder Henker“

In Italien kommen solche Zeichen nicht gut an. "Richtig ist, dass Air France der geeignetste Verbündete ist, aber es ist auch richtig, dass er der mögliche Henker von Alitalia ist", sagt Giovanni Luciano, Chef der italienischen Gewerkschaft Fit-Cisl. "Mitte November werden wir sehen, wer es ernst gemeint hat und wer nicht."

Doch die italienische Post, die eine Investition von 75 Millionen Euro in Aussicht gestellt hat, soll auf der Beteiligung der anderen Anteilseigner bestehen. Alitalia reagiert inzwischen gereizt auf Berichte, denen zufolge die Kapitalerhöhung auf der Kippe stehen könnte. Von den benötigten 300 Millionen Euro seien bereits 130 Millionen eingegangen, betonte Alitalia vor wenigen Tagen und drohte jedem, der dem Unternehmen schadet, rechtliche Schritte an.

Alitalia droht das Geld auszugehen

Unterdessen läuft der Flugbetrieb weiter - und Alitalia droht das Geld auszugehen. Täglich fliegt das Unternehmen einen Verlust im sechsstelligen Bereich ein. Zwischenzeitlich befürchtete die italienische Zivilluftfahrtbehörde Enac sogar, die 140 Flugzeuge müssten bald am Boden bleiben. Angesichts der unsicheren Lage halten sich auch die Kunden mit Buchungen zurück.

Von Januar bis September verbuchten die Italiener einen operativen Verlust von 162 Millionen Euro, knapp 30 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. "Heute kann ich sagen, dass wir in der Vergangenheit Fehler gemacht haben und jetzt dafür bezahlen", gab Verwaltungsratspräsident Roberto Colannino in der Zeitung "Il Sole 24 Ore" zu. Er selbst hat bereits seinen Abschied angekündigt.

Vor fünf Jahren hatte Alitalia schon einmal vor dem Aus gestanden. Nach der Trennung von Altlasten wagte sie einen Neustart zusammen mit der früheren Konkurrentin Air One. Als wichtigster Aktionär kam Air France-KLM ins Boot. Doch seitdem hat Alitalia schon wieder mehr als 1,25 Milliarden Euro verloren. Vor allem die Konkurrenz von Billig-Anbietern wie Ryanair und Easyjet setzt der Gesellschaft zu.

Air France-KLM bleibt erste Wahl

Während Alitalia auf die Entscheidung aus Paris wartet, wird an einem Alternativplan gewerkelt. So könnte ein anderer Partner - etwa aus Russland oder China - einsteigen. "Wenn Air France entscheiden sollte, die Kapitalerhöhung nicht zu unterschreiben, ist es offensichtlich, dass für Alitalia ein starker internationaler Partner gefunden wird", sagte Italiens Verkehrsminister Maurizio Lupi. Doch der arabische Alitalia-Verbündete Etihad, der der deutschen Air Berlin mehrfach aus der Patsche geholfen hat, wollte schon im September nichts von Hilfen für die Italiener wissen. Lupi zeigte sich denn auch überzeugt: Für Alitalia bleibe Air France-KLM die erste Wahl.

Allerdings fährt auch Air France-KLM einen harten Sparkurs. Der Lufthansa-Konkurrent hatte unlängst eingeräumt, auch in diesem Jahr keinen Gewinn einzufliegen. Angesichts erneuter Verluste kündigte die Frankreich-Sparte des Konzerns einen weiteren drastischen Stellenabbau an. Die Zahl der im kommenden Jahr wegfallenden Stellen wird demnach auf 2.800 geschätzt. Air France-KLM hatte im ersten Halbjahr 2013 ein operatives Minus von 451 Millionen und einen Nettoverlust von 793 Millionen Euro verbucht.

Von: dpa-AFX
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