Die Born-Ansage (101) ( Gastautor werden )

Hinter dem Mond zu Hause

03.01.2019 - 10:00 0 Kommentare

Karl Born bemängelt in seiner ersten Born-Ansage 2019 den Floskelgehalt einiger deutscher Luftfahrtmanager beim Thema Sicherheitskontrollen. Und fragt sich, warum Ferien und Feiertage immer so überraschend kommen.

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© Lufthansa Group, Privat /Montage airliners.de

3000 Passagiere verpassten am Samstag vor Weihnachten ihren Flug in Frankfurt. Obwohl sie unbestritten frühzeitig zum Frankfurter Flughafen angereist waren, erreichten sie ihre Flüge nicht rechtzeitig. An den Sicherheitskontrollen hätten Fluggäste bis zu 90 Minuten anstehen müssen.

Es ist schon erstaunlich, wie nonchalant sich die Verantwortlichen immer dazu äußern. 3000 Passagiere haben ihren Fug verpasst, "so what"? Bei 3000 Passagieren handelt es nicht um irgendeine Kennzahl, das sind 3000 Einzelschicksale, deren Urlaub schon bei Beginn "verhauen" war und die ihre Weihnachtsplanung ändern mussten. Sie haben ihre Anschlussflüge verpasst und mussten vor allem zum Jahresende wieder irgendwo genervt anstehen, um zu erfahren wie sie ihr Ziel erreichen sollten.

Scheuerle im Floskelwahn

Dem Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), Klaus-Dieter Scheurle, wurde in einem Interview die Frage gestellt: "Wann und wie werden die Sicherheitskontrollen an den Airports schneller?" Hier seine "gehaltvolle" Antwort: "Aus gemeinsamen Pilotprojekten des BDL mit Innenministerium und Bundespolizei, aber auch aus der Praxis im Ausland wissen wir, dass es erhebliche Verbesserungspotenziale bei den Sicherheitskontrollen gibt. Die Koalition im Bund hat sich vorgenommen, die Organisation der Kontrollen zu verbessern." Und zum Schluss als Zückerli noch: "Das begrüßen wir sehr. Unsere großen Flughäfen sind ausdrücklich bereit, mehr Verantwortung zu übernehmen."

Geht es noch? Das übertrifft im "Floskelgehalt" ja noch unseren Regierungssprecher Seibert und das will etwas heißen.

Lufthansa-Vorstand Kayser sieht Überlastung

Auch der neue Lufthansa-Vorstand Kayser hat bereits festgestellt, das System der Sicherheitskontrollen sei zu Spitzenzeiten "offenkundig überlastet". Das Problem müsse im kommenden Jahr (2019 gemeint) dringend gelöst werden. Das kann sich an Originalität mit vielen ähnlichen Aussagen vor ihm gut messen.

Ich weiß nicht, ob man das als Steigerung bezeichnen kann, wenn ein Sprecher des Frankfurter Flughafens dazu meinte, dass der bereits angesprochene Samstag ein "Ballungstag" gewesen sei. Solche Zahlen habe man normalerweise nur im Sommer.

Vergleichbare Probleme hatten wir im Laufe des Jahres auch an anderen Flughäfen, ich erinnere mich unter anderem an Düsseldorf und Köln. Das muss ja richtig schlimm sein, dass die Ferien- und Feiertage auch jedes Jahr immer so überraschend kommen, dass man nicht planen kann.

Da hätte ich eine Idee. Die chinesische Raumfahrt hat gerade eine Sonde auf der Rückseite des Mondes landen lassen. Vielleicht können die sich dort mal etwas umsehen, denn irgendwo "hinter dem Mond" muss wohl die Zentrale sein, in der die Einsatzplanung für das Sicherheitspersonal an den Flughäfen zu Hause ist.

Über den Autor

In seiner Reihe "Die Born-Ansage" veröffentlicht der ehemalige Condor-Vertriebschef, Tui-Vorstand und Touristik-Honorarprofessor Karl Born auf airliners.de Kolumnen zum aktuellen Geschehen in der Luftverkehrswirtschaft.

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund. Kontakt

Von: Karl Born für airliners.de
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