Spaeth fragt (49) ( Gastautor werden ) Hinter den Kulissen der Interview-Kolumne

31.12.2015 - 09:10 0 Kommentare

Andreas Spaeth nimmt Sie mit zu seinen Interviews: In einem Jahresrückblick hinter die Kulissen von "Spaeth fragt" erzählt er von spontanen Treffen in Flughafenbaracken und lange koordinierten Bordküchen-Gesprächen.

Spaeth fragt... Die Interview-Kolumne von Andreas Spaeth auf airliners.de. Foto: © airliners.de

Spannende Menschen aus der Luftfahrtbranche kann man überall treffen, oft passiert das ohne Vorwarnung. Und dann plötzlich merke ich – jetzt, hier, dieser Mann, diese Frau, erzählt so spannende Dinge, den muss ich vor mein Mikrofon bekommen, jetzt gleich. Das sind oft die besten Interviews, die unerwarteten, spontanen. Ich bin immer auf der Pirsch, denn 24 möglichst interessante Persönlichkeiten, so viele waren es 2015, dazu zu bekommen, mir Rede und Antwort zu stehen, ist nicht immer leicht.

Manche Gespräche werden offiziell vorbereitet und vorher koordiniert – für solche sehr formelle Abwicklung ist zum Beispiel die Lufthansa berühmt. Mein Interview mit Passage-Chef Karl-Ulrich Garnadt (Spaeth fragt 43) allerdings fand dann trotzdem eher unkonventionell und gleichwohl sehr atmosphärisch statt – in der vorderen Galley des Lufthansa-A340-300 auf dem Erstflug von Frankfurt nach Tampa, wir saßen nebeneinander auf den beiden Flugbegleiter-Sitzen an der vorderen Einstiegstür. In der Bordküche drängelte sich Personal vom Purser bis zum Pressesprecher, die lauschen wollten. Ich bezweifle aber, dass sie neben Windgeräusch, Triebwerksrauschen und Galley-Klappern viel hören konnten.

Plötzlich war die Aufregung groß

Bei Lufthansa, und auch das ist typisch für die Kranich-Linie und für Deutschland, verlangt die Presseabteilung üblicherweise vor Veröffentlichung, den Wortlaut von Interviewtexten gegenzulesen. Oft werden dabei Aussagen noch korrigiert oder abgemildert. Nicht so in diesem Fall – ich hatte meinen Text geschickt und gesagt bis wann ich Rückmeldung brauche. Als nichts kam, ging der Text so wie er war online.

Dann allerdings war die Aufregung in Frankfurt plötzlich groß: Hektische Telefonate, ich war gerade in Helsinki. Dann plötzlich eine lange Liste von Änderungswünschen. Und noch mehrere Anrufe, wann die endlich eingearbeitet würden, was sich ja online leicht machen lässt im Gegensatz zu gedruckten Interviews. Ich habe es dann am Folgetag erledigt, mich allerdings in den meisten Fällen gefragt was das soll, denn es ging allenfalls um Nuancen und Wortklauberei, nicht um wirkliche Änderungen in den Aussagen.

Übrigens erhalten alle deutschsprachigen Interviewpartner von mir ihre Texte vorab vorgelegt. Das finde ich nur fair, weil es sich bei Interviews um wörtliche Rede handelt und ich immer das gesprochene Wort in eine gut lesbare Schriftform bringen muss. Nur ganz selten kommen Änderungswünsche. Nicht-Deutsche Interviewpartner sehen ihre Aussagen dagegen vorher eigentlich nie als Text. Das würde wenig Sinn machen in deutscher Übersetzung und ist zudem in anderen Ländern, vor allem im englischsprachigen Raum, ohnehin nicht üblich. Hier geht man eh davon aus, dass das gesprochene Wort gilt, gesagt ist gesagt, da wird nicht hinterher dran rumgedoktert wie manchmal in Deutschland.

Unbekannte Interviewpartner sind oft besonders spannend

Dabei gibt es Gesprächspartner, die zu meinen liebsten zählen, die von vornherein geschliffenes, absolut druckreifes Englisch sprechen. Meisterlich beherrscht das Emirates-Chef Sir Tim Clark (Spaeth fragt 28), aber auch bei Ryanair-Großmaul Michael O’Leary (Spaeth fragt 41) ist es eine Freude, die Aufnahme abzuhören. Beide habe ich häufiger getroffen, wir können ohne lange Vorrede sofort in Themen einsteigen. O’Leary ist sich für nichts zu schade und immer unterhaltsam. Sir Tim vom Recorder zuzuhören ist oft wie ein spannendes Hörspiel. Ich habe sogar schon mal Auszüge aus einer Aufnahme mit ihm als O-Ton an einen australischen TV-Sender verkauft.

Natürlich schmücken solche Branchengrößen eine Interviewkolumne, aber ganz ehrlich machen mir weitgehend unbekannte Interviewpartner oft viel mehr Spaß, einfach weil sie mir wirklich neue Einsichten vermitteln. Besonders spannend fand ich 2015 den NASA-Piloten Wayne Ringelberg (Spaeth fragt 34), den traf ich bei einer Reportage über Forschungsflieger in Keflavik auf Island, er flog dort mit einem Kollegen die letzte DC-8 in Passagierversion. Wir saßen zusammen in der Baracke des Abfertigungsagenten am Rande des Rollfelds, immer den Vierstrahler im Blick, anschließend gingen wir raus und ich durfte sogar in den Frachtraum der DC-8 klettern, wo ein Millionen-teurer Laser stand.

Bedrückend und beeindruckend zugleich

Oder der Veteran der griechischen Olympic Airways, den ich in einem heruntergekommenen Terminalgebäude des lange stillgelegten Flughafens Hellenikon in Athen traf, wo er und seine Mitstreiter mit großem Engagement ein Olympic-Museum gegründet haben (Spaeth fragt 33). Bedrückend und beeindruckend zugleich. Besonders auch das Gespräch mit Ernst Frei, Pilot und Betriebsleiter der Schweizer Super Constellation (Spaeth fragt 42). Ihn fragte ich direkt in der Tür seines Cockpits stehend, als wir nach einem grandiosen Rundflug über Hamburg und die Nordsee in Fuhlsbüttel auf die Gangway warteten. Da war alles ganz spontan.

Mir macht es Spaß, möglichst alle zwei Wochen wieder jemand neues aus der Branche zu finden und ihm oder ihr möglichst interessante Antworten zu entlocken. Tatsächlich gibt es leider kaum Frauen in der Luftfahrt-Welt, die ich bisher für ein Gespräch gewinnen konnte... aber immerhin gab es 2015 einen Anfang mit der Störungsmanagerin von Easyjet (Spaeth fragt 37) und der Londoner Flughafenarchitektin (Spaeth fragt 46). In diesem Sinne hoffe ich, dass Sie, unsere Leser, diesem Format gewogen bleiben und wünsche "Always Happy Landings" in 2016.

Über den Autor

Regelmäßig veröffentlicht der Luftfahrtjournalist und Vielflieger Andreas Spaeth auf airliners.de Interviews und Kolumnen aus der Reihe "Spaeth fragt".

Andreas SpaethAndreas Spaeth ist einer der führenden deutschen Luftfahrtjournalisten. Als Autor zahlreicher Bücher und freier Mitarbeiter vieler deutscher und internationaler Publikationen ist er weltweit unterwegs und trifft bei seinen Recherchen auf interessante Persönlichkeiten aus der Branche. Kontakt zu Andreas Spaeth.

Von: Andreas Spaeth für airliners.de
( Gastautor werden )

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