Die Born-Ansage (35) ( Gastautor werden )

Hilfe, die Chinesen nehmen uns unsere Flughäfen weg!

09.06.2016 - 11:45 0 Kommentare

Der Flughafen Hahn geht an einen unbekannten chinesischen Investor. Das wird nix, meint Kolumnist Karl Born. Dabei hätte Rheinland-Pfalz nur in Lübeck anrufen müssen.

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. - © © airliners.de, Karl Born -

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. © airliners.de, Karl Born

Zugegeben, die Überschrift ist etwas reißerisch. Angemessener wäre: "Welch ein Glück, die Chinesen nehmen uns unsere verlustreichen Flughäfen ab." Obwohl, so ganz richtig wäre das auch nicht. Präzise wäre: "Die Chinesen versprechen uns, unsere notleidenden Flughäfen abzunehmen. Ob sie es tatsächlich tun werden, ist eine andere Frage."

Da freut sich die Landesregierung von Rheinland-Pfalz riesig. Sie hat einen chinesischen Investor für den Airport Frankfurt-Hahn gefunden, die Shanghai Yiqian Trading (SYT). Und der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) hat zur Feier des Tages wohl einige chinesische Glückskekse zuviel gegessen, denn er spricht von einem "weiteren Schub" in der künftigen Entwicklung. Das "weitere" würde allerdings voraussetzen, dass es schon einen Schub gegeben hätte. Ist aber nicht so.

Auf jeden Fall hat der chinesische Käufer angekündigt, dass die abgewanderte Frachtfluggesellschaft Yangtze River Express zurückkehren und das kriselnde Frachtgeschäft ausgebaut würde. Nur doof, dass diese Airline davon nichts weiß und auch nicht die Absicht hat, wieder ab Hahn zu fliegen.

© dpa, Fredrik von Erichsen Lesen Sie auch: Fracht-Airline Yangtze River kehrt nicht zum Hahn zurück

Ohnehin ist dieser Investor unbekannt. Wie seriös er ist, weiß auch niemand so ganz genau. Laut der "Süddeutschen Zeitung" meldete sich unter einer der angegebenen Telefonnummern in Shanghai eine Frau, die etwas überrascht war, dass sie einen Flughafen in Deutschland besitzen soll.

Rheinland-Pfalz hätte nur in Lübeck anrufen müssen

Da hätten die Rheinland-Pfälzer mal lieber vorher in Lübeck anrufen sollen, die haben Erfahrung mit chinesischen Käufern. Auch dort war der Heilsbringer ein chinesischer Investor, den allerdings nie jemand zu Gesicht bekam. Inzwischen ist der Flughafen noch mehr pleite als vorher.

Das eigentlich Üble an den ganzen Geschichten ist der Wahn vieler Regionen, einen eigenen Flughafen besitzen zu wollen. Für einige Landräte heißt die Steigerung von "mein Auto, mein Haus, meine Yacht" leider "mein Auto, mein Haus, meine Yacht, mein Flughafen".

So verkündete der für den Weltflughafen Leipzig-Altenburg zuständige Landrat: "Ich wünsche mir für meinen (er sagte wirklich "meinen") Flughafen Altenburg, viele internationale Investoren. Ich denke, dass ein Airport 'made in Germany', der mittelfristig eine gute Geldanlage sein wird, international auf Interesse stoßen wird."

Selbst eine WM im Nacktrodeln hat nicht geholfen

Offensichtlich hat sich dies noch nicht bis China herumgesprochen, obwohl der Flughafen es kurz später doch zu Bekanntheit gebracht hat, als einer der sehr seltenen Anflüge umgeleitet werden musste, weil kein Fluglotse im Tower war. Offizielle Schuldzuweisung: "Unklare Dienstplanung." Bei so einem Riesenbetrieb kann man schon mal die Übersicht verlieren.

© dpa, Roland Weihrauch Lesen Sie auch: "Landratspisten" müssen Geschäftsmodelle für die Zukunft finden

Um bekannt zu werden, hat der Flughafen Magdeburg/Cochstedt vor zwei Jahren zur Weltmeisterschaft im Nacktrodeln aufgerufen. 89 Tonnen Kunstschnee wurden zu einer 70 Meter langen Rodelstrecke angehäuft. Das Erfolgserlebnis stellte sich prompt ein: Eine mehrere 100 Meter lange Warteschlange bildete sich vor dem Flughafen. Leider war kein Investor darunter.

Die Verantwortung für den Flughafen Kassel (der ebenfalls wirtschaftlich keine Chance hat) ist allerdings oberhalb eines Landrates angesiedelt, da trägt die hessische Landesregierung die volle Verantwortung. Warnungen wurden auch dort in den Wind geschlagen.

Haltet euch an eine Indianerweisheit!

Ein Kasseler-Stadtverordneter formulierte es sehr schön: "Ein Flughafen an jeder Mülltonne ist nicht nur ökologischer, sondern vor allem ökonomischer Unfug." Aber da dies ein Abgeordneter der Linken sagte, hörte niemand auf ihn (was wissen Linke schon von Ökonomie).

So bleibt es vorerst dabei, dass beim verzweifelten Erhalten von Mini-Flughäfen, die kein Mensch wirklich braucht, immer gutes Geld schlechtem Geld hinterher geworfen wird, weil jeder neue Investor auch Unterstützung der Kommune verlangt.

Deshalb appelliere ich an die politischen Flughafen-Fetischisten mit einer alten Indianerweisheit: Wenn Du merkst, dass Du ein totes Pferd reitest, steige ab.

Über den Autor

In seiner Reihe "Die Born-Ansage" veröffentlicht der ehemalige Condor-Vertriebschef, Tui-Vorstand und Touristik-Honorarprofessor Karl Born auf airliners.de Kolumnen zum aktuellen Geschehen in der Luftverkehrswirtschaft.

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund. Kontakt

Von: Karl Born für airliners.de
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