Die Born-Ansage (100) ( Gastautor werden )

Highlights aus 100 Born-Ansagen

20.12.2018 - 12:54 0 Kommentare

Karl Born kommentiert seit vier Jahren die Luftverkehrsbranche auf airliners.de. Seine Jubiläums-Ansage nimmt er zum Anlass, mal einen Blick zurück zu werfen. Und um fest zu stellen: Aufhören geht noch nicht.

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Ein Blättern durch fast vier Jahre Born-Ansagen erinnert an herausfordernde Sprüche, sinnlose Zitate der "Macher" und wie der Lauf der Dinge einiges Entlarvendes über die Branche verrät. Manches ist im Nachhinein noch amüsanter als damals live.

Das lange Sterben der Air Berlin

Die erste Born-Ansage erschien im Februar 2015 - mit der Headline "Olympia und Air Berlin". Air Berlin war begeistert über den Spruch "Air Berlin für Olympia" am Flugzeug. Da die Stadt Berlin die Bewerbung leider "verbaselt" hatte, musste das Olympia überklebt werden.

Mein Vorschlag damals: Nicht Olympia überkleben, sondern nur "lympia" und Punkt hinter "O" setzen. Hätte dann geheißen: "Air Berlin für O.", in Anlehnung an den Erotik-Klassiker "Die Geschichte der O". Und passend dazu fragte ich: "Muss man masochistisch veranlagt sein, um bei einer Airline zu arbeiten? Antwort: Nein, aber es hilft ungemein."

Mir war nicht ganz klar, wie zutreffend dieser Spruch in den nächsten zweieinhalb Jahre für die Air-Berlin-Mitarbeiter sein sollte und dass man ihn spätestens 2018 leider auf die Fluggäste der ganzen Branche erweitern konnte: "Muss man masochistisch veranlagt sein, um in diesem Sommer zu fliegen? Nein, aber es hilft ungemein."

Emirate als Retter

Im März 2016 ahnte ich schon, was Air Berlin jetzt noch helfen könnte. Die Vereinigten Emirate hatten gerade als erste Regierung weltweit ein Glücksministerium eingerichtet. Mein Vorschlag: Air Berlin braucht dringend einen Glücksvorstand. Das hatte leider niemand gehört. Stattdessen hieß es im Januar 2017: Thomas Winkelmann kommt zu Air Berlin und das war gerade das Gegenteil von Glück.

Beim Filetieren der Air Berlin hatte ich mich dann im Januar 2018 festgelegt, Lauda tritt nur an, um Zweiter zu werden. Nie im Leben wird er so viel eigenes Geld investieren. Einen Moment sah es so aus, als ob dies der größte Irrtum in der Geschichte meiner Ansagen sein sollte. Aber im März hieß es dann: "Lauda lässt die Maske fallen and the winner is Ryanair". Meine Grundaussage war richtig, dass er nicht so viel investieren würde. Aber ich hatte Lauda unterschätzt, er war noch raffinierter und hat noch mehr Geld verdient, als ich gedacht hatte.

Verspätungssommer und derLuftfahrtgipfel

Früher als fast alle anderen habe ich in der Ansage darauf hingewiesen, in welche Katastrophe der Flugverkehr im Sommer 2018 läuft. Die Ansage von Mitte Juni, "Bei Eurowings wüten die Blitze", zeigt die billige Ausrede der Airlinechefs auf ("dass es Zeit wäre sich zu entschuldigen"). Kurz danach im Juli, "Fünffache Götterdämmerung", Eurowings gesteht Überforderung ein und zu Beginn des Augusts: "Fliegerei buchstabiert man neuerdings so: C-H-A-O-S". Es war mir selbst zuwider immer auf dem gleichen Thema herumzuhacken, aber solange die nötige Einsicht nicht da war, musste das sein.

Und Lufthansa, die sich angeblich schon seit Monaten Gedanken zur Übernahme der Air Berlin gemacht hatte, musste ich an dieser Stelle vorwerfen, dass sie dabei nur "an das Fressen gedacht hatte, aber nicht an die genauso wichtige Verdauung (sprich Umsetzung)". Inzwischen hat sich fast jeder bei Lufthansa für diese Minderleistung entschuldigt.

Das führte dann endlich zu etwas Einmaligem, zur Einberufung eines Luftfahrtgipfels. So intensiv hatte sich das Verkehrsministerium noch nie mit der Luftfahrt beschäftigt. Verkehrsminister Scheuer postulierte, dass er nicht akzeptieren werde, dass es nochmals zu einer solchen Anhäufung von technischen Problemen, Verspätungen und so weiter kommen dürfe. Mein Kommentar in der folgenden Ansage von Mitte Oktober: "Diese kräftige Aussage dürfte irgendwo zwischen Pofallas 'Die NSA-Spähaffäre ist beendet' und Merkels 'Wir schaffen das' liegen."

Und die eigentliche Zusammenfassung: "Grundsätzlicher Webfehler im modernen Flugverkehr ist, dass überall, wo es für die Kunden wichtig ist, Subunternehmen eingesetzt werden. Sowohl beim Check-In der Dienstleister im Auftrag der Airlines, wie auch bei der Sicherheitskontrolle - Dienstleister im Auftrag der Bundespolizei. Diese Dienstleister bekommen wenig Geld von ihren Auftraggebern, versuchen aber trotzdem, eigene Gewinnziele zu erreichen." Würde man das in Angriff nehmen, hätte man sich einen Großteil der Punkte auf der Erklärung sparen können.

BER - der "Uneröffnete"

Aber das dankbarste Thema für die Ansage, war die Neverending-Story-BER. Als ich in meiner ersten Ansage darauf hinwies, dass demnächst, am 27. Februar 2015, 1000 Tage seit der abgeblasenen Eröffnung 2012 vergangen sei, wollte ich nur zeigen, dass einer mitrechnet. Ich hielt es dann noch für einen frechen Brüller, als ich am im März 2015 in meiner zweiten Ansage schrieb, die Leser mögen sich doch den 23. November 2017 vormerken, dann könne man 2000 Tage seit Nichteröffnung feiern.

Die 2000 Tage kamen. Dies war zum Schluss nicht mehr so überraschend. Aber weil es einmal klappte, setzte ich dann am 9. November 2017 noch einen drauf, mit dem Hinweis, dass wer bislang noch nicht mitfeierte, das jetzt aber am 19. August 2020 nachholen könne - 3000 Tage seit Nichteröffnung. Und da mache ich heute auch ein großes Fragezeichen hinter. Ob ich zu diesem Datum in der Ansage noch auf die 4000 Tage Nichteröffnung verweisen kann, bleibt offen.

Es ist ja fast eine Ironie der Geschichte. Jetzt war Angela Merkel soviel Jahre Bundeskanzlerin und hatte keine Gelegenheit, einen Flughafen einzuweihen. Es wird ihr auch versagt bleiben: Bestimmt hat sie vor kurzem sehr neidisch zu Erdogan nach Istanbul geschaut. Denn der Airport ist mit ein paar Flugbewegungen immerhin schon mal offen ...

Eins ist sicher, für mich wird der Ansage-Stoff auch in Zukunft nicht ausgehen. Und ich freue mich, diese Branche weiter zu kommentieren, gerne sarkastisch oder polemisch und zur Not auch mal populistisch. Hauptsache die Kolumne regt zur Diskussion an.

Über den Autor

In seiner Reihe "Die Born-Ansage" veröffentlicht der ehemalige Condor-Vertriebschef, Tui-Vorstand und Touristik-Honorarprofessor Karl Born auf airliners.de Kolumnen zum aktuellen Geschehen in der Luftverkehrswirtschaft.

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund. Kontakt

Von: Karl Born für airliners.de
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