Heute endet Bewerberfrist für den Flughafen Zweibrücken

22.09.2014 - 15:05 0 Kommentare

Wer den angeschlagenen Flughafen Zweibrücken kaufen will, kann sich noch bis zum heutigen Montag melden. Das Ergebnis des Ausschreibungsverfahrens wird mit Spannung erwartet.

Ein Begrüßungsschild am Flughafen Zweibrücken. - © © dpa - Oliver Dietze

Ein Begrüßungsschild am Flughafen Zweibrücken. © dpa /Oliver Dietze

Für den krisengeplagten Flughafen Zweibrücken, seine Mitarbeiter und die gesamte Westpfalz ist dieser Montag, 22. September, von besonderer Spannung. Der Airport, der im Juli Insolvenzantrag gestellt hatte, ist zum Verkauf ausgeschrieben, und um 18.00 Uhr endet die Frist für Interessensbekundungen. Das Verkehrsministerium in Mainz geht davon aus, dass es Interessenten gibt. Von den weiteren Gesprächen könnte Einiges abhängen. Der Montag sei deshalb «kein unwichtiges Datum», sagt ein Experte. Ob sich jemand gemeldet hat, soll offiziell erst am Dienstag mitgeteilt werden. Entschieden ist dann aber noch gar nichts.

Die Interessensbekundungen potenzieller Investoren wären der Auftakt für ein aus mehreren Phasen bestehendes Verfahren. Es reicht vom weiteren Informationsaustausch zwischen dem vorläufigen Insolvenzverwalter und einem Interessenten über die Vorlage eines Angebots bis zur Unterzeichnung einer Vertraulichkeitsvereinbarung, die sich auf das Konzept und die Kaufpreisvorstellungen des potenziellen Investors bezieht. Sind die Gespräche verbindlich, können die Verhandlungen zum Abschluss gebracht werden.

All dies müsse sich noch im Oktober abspielen, wenn es eine realistische Möglichkeit geben soll, den Betrieb über den 2. November hinaus fortzuführen, sagt der Sprecher des vorläufigen Insolvenzverwalters, Sebastian Brunner. Bis zu diesem Tag ist der Flugbetrieb gesichert, unter anderem durch eine Finanzspritze von Tuifly.

Sollte jemand erst nach dem Montag sein Interesse für den Flughafen entdeckten, kann er sich immer noch melden. Zudem wird parallel zu den Investorengesprächen versucht, den Betrieb weiterzuführen und den Winterflugplan zu erfüllen - wenn dann noch Airlines da sind. Bis 7. November hebt Tuifly noch in Zweibrücken ab, dann ist sie weg. Das Unternehmen macht 65 Prozent des Flughafengeschäfts aus. Zwar sind am Flughafen noch andere Linien vertreten. Der vorläufige Insolvenzverwalter hatte aber darauf hingewiesen, dass man einen Investor braucht, um den Flughafen nachhaltig fortführen zu können.

© Flughafen Zweibrücken , Lesen Sie auch: Tuifly verlässt Anfang November den Flughafen Zweibrücken

Auch die Bestrebungen des Landes, den Flughafen als Verkehrslandeplatz zu erhalten, werden neben den Gesprächen weiter verfolgt. «Wir loten derzeit mit Kommunen aus, was unter Vorgaben der EU möglich ist», sagt ein Sprecher des Verkehrsministeriums dazu.

Auslöser für den Insolvenzantrag war ein noch nicht beschlossenes Papier der EU-Kommission. Es sieht vor, dass der Airport staatliche Beihilfen von bis zu 56 Millionen Euro ans Land zurückzahlen muss. Er liegt aus EU-Sicht zu nah am Flughafen der Landeshauptstadt Saarbrücken. Am 1. Oktober wird das Papier wohl verabschiedet.

Am Flughafen läuft unterdessen alles nach Plan. «Sie wissen ja: Die Hoffnung stirbt zuletzt», beschreibt Flughafensprecher Franz-Rudolf Ubach die Stimmung. Zum Wechsel von Tuifly nach Saarbrücken sagt er, der sei für die knapp 120 Flughafenmitarbeiter letztlich nicht überraschend» gewesen. Sie seien auch nach dem Insolvenzantrag «nicht wie das Kaninchen vor der Schlange» erstarrt.

Für sie hat die Arbeitsagentur Kaiserslautern-Pirmasens direkt am Flughafen eine Beratungsstelle eingerichtet, für «eine erste grobe Orientierung», wie Geschäftsführer Hans-Joachim Omlor sagt. Für die Agentur sei die Arbeit vor Ort allerdings durchaus «heikel und sensibel», schließlich gebe es «ganz starke und intensive Bemühungen», den Geschäftsbetrieb fortzuführen. «Da kann und darf die Agentur nicht stören.» Insofern habe man die Tätigkeit mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter und Betriebsrat abgestimmt. «Man hofft, dass sich ein Interessenten findet», aber es sei in den letzten Wochen eben ein Wechselbad «zwischen Hoffen und Bangen» bei den Beschäftigten. Wobei Omlor zunächst «mehr Fragen als Ängste» ausgemacht hat. Den Menschen gehe es darum, dass man sich «sortiert, wenn der Fall eintritt» und das endgültige Aus kommt.

Im Zweibrücker Rathaus habe man derzeit «null Information», ob es ernsthafte Interessenten gebe, sagt Pressesprecher Heinz Braun. Man hänge «in der Luft», weil derzeit niemand wirklich wisse, auf was man sich angesichts der EU-Beihilfe-Entscheidung einlasse.

Von: dpa
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