Hessen streicht Extra-Rabatt für Neukunden in Frankfurt

02.12.2016 - 16:39 0 Kommentare

Hessens Verkehrsminister Al-Wazir genehmigt am Frankfurter Flughafen Anreize, von denen vor allem Neukunden wie Ryanair profitieren werden. Die Stammkunden des größten deutschen Flughafens sind sauer.

Tarek Al-Wazir, der hessische Wirtschaftsminister (Bündnis/ 90/Die Grünen).  - © © dpa - Frank Rumpenhorst

Tarek Al-Wazir, der hessische Wirtschaftsminister (Bündnis/ 90/Die Grünen). © dpa /Frank Rumpenhorst

Das Land Hessen hat die geplanten Anreize für neue Fluggesellschaften am Frankfurter Airport abgemildert. Einen Extra-Rabatt für Neukunden soll es entgegen den Plänen des Flughafenbetreibers Fraport nicht geben, wie das hessische Verkehrsministerium als zuständige Genehmigungsbehörde jetzt in Wiesbaden mitteilte.

Neue Airlines können aber leichter als bereits ansässige Gesellschaften von einem auf drei Jahre befristeten Rabattprogramm profitieren. Es verspricht allen finanzielle Vorteile, die von Frankfurt aus mehr Passagiere transportieren.

Entscheidung ändert nichts an Ryanair-Plänen

Fluggesellschaften wie Lufthansa und Condor hatten die ursprüngliche Fraport-Planung als eindeutige Bevorzugung des Billigfliegers Ryanair bezeichnet. Auch von verschiedenen Luftfahrt-Verbänden kam Kritik. In der Politik sorgte das Thema ebenfalls für Diskussionen.

Ryanair will im Frühjahr 2017 in Frankfurt eine Basis eröffnen. Daran hat auch die jetzige Entscheidung nichts geändert. "Wir kommentieren keine geschäftlichen Vereinbarungen", teilte Europas größter Billigflieger auf Anfrage von airliners.de mit. "Wir freuen uns darauf, im März 2017 unsere Basis in Frankfurt am Main mit vier neuen Routen zu eröffnen."

Verkehrsministerium führt rechtliche Gründe an

Die ursprünglich vorgeschlagene Gebührenstaffel der Betreibergesellschaft Fraport sei aus rechtlichen Erwägungen geändert worden, erläuterte Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). "Der ursprünglich beantragte Sonder-Rabatt, von dem faktisch ausschließlich neue oder am Standort kaum präsente Fluggesellschaften hätten profitieren können, ist vom Tisch."

Die jetzt genehmigte Staffel sieht Nachlässe zwischen zwei und 14 Euro pro Passagier auf Europaflügen vor. Bereits ab einer Steigerung um mindestens drei Prozent greift die erste Stufe. Fraport hatte hier laut Al-Wazir ursprünglich eine höhere Hürde von fünf Prozent vorgeschlagen. Deutsche Inlandsflüge werden nicht unterstützt.

© dpa, Andreas Arnold Lesen Sie auch: Ryanair-Pläne sorgen weiter für Diskussionen in hessischer Landespolitik

Für die höchste Stufe müsste eine Airline ihre Passagierzahl 2017 um mehr als 20 Prozent steigern. Um in den beiden Folgejahren ebenfalls die langsam sinkenden Nachlässe zu erhalten, muss laut Fraport jeweils mindestens die Passagierzahl aus dem Basisjahr 2017 erreicht werden. Weitere Anreize sind für besonders leise Maschinen geplant sowie für Jets, die das satellitengestützte Anflugsystem GBAS nutzen.

Fraport reagiert zufrieden, Lufthansa mit Kritik

Fraport zeigte sich mit der Genehmigung zufrieden. Der neue Rahmen trete zu Jahresbeginn in Kraft und bringe eine Erhöhung der Entgelte um 1,9 Prozent, was vor allem über die lärmabhängigen Komponenten erreicht werde. Diese Erhöhung war eigentlich schon für dieses Jahr vorgesehen.

Auch die neue Gebührenstaffel wird von der Lufthansa abgelehnt. Für etablierte Airlines werde bei steigenden Entgelten nur besonders großes Wachstum gefördert, kritisierte das Unternehmen. Daher sei die Regelung zusätzlich diskriminierend, erklärte die größte Fluggesellschaft am Standort, die im kommenden Sommer fünf neue Ziele in ihr Programm aufnehmen will.

© dpa, Boris Roessler Lesen Sie auch: Streit um Rabatte für Ryanair am Frankfurter Flughafen

"Es kann nicht sein, dass zwei Airlines, die dieselbe Strecke fliegen, unterschiedliche Gebühren bezahlen", sagte Lufthansa-Vorstandsmitglied Harry Hohmeister. Ryanair will von Frankfurt zunächst vor allem Sonnenziele in Spanien und Portugal bedienen.

Fairer Wettbewerb unter gleichen Bedingungen sei so nicht möglich, kritisierte der Airlineverband Barig. "Stattdessen wird künstlich ein Verdrängungswettbewerb mit noch nicht absehbaren Konsequenzen initiiert", erklärte Barig-Generalsekretär Michael Hoppe.

Von: ch, dpa
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