Spaeth fragt (52) ( Gastautor werden ) "Herr Vanhoenacker, ist es leichter ein guter Pilot zu sein oder ein guter Buchautor?"

11.02.2016 - 11:27 0 Kommentare

Ein Mann aus dem Cockpit wird Bestseller-Autor. Das ist Mark Vanhoenacker (41) mit seinem Buch "Himmelhoch" gelungen. Den Spagat zwischen Stift und Steuerknüppel erklärt er Andreas Spaeth.

Mark Vanhoenacker Foto: © Michael Lionstar,

Der Amerikaner Mark Vanhoenacker ist Erster Offizier auf der Boeing 747-400 bei British Airways und war vor seiner Pilotenkarriere, die 2003 begann, zunächst Historiker. Während eines Aufenthalts in Nairobi merkte er, das ihn der Flug dorthin mehr interessierte als seine Forschung vor Ort. Daher wurde er Managementberater, ein Job mit vielen Flügen. Schließlich bewarb er sich bei British Airways um eine Pilotenausbildung, wurde im zweiten Anlauf genommen, und flog zunächst vier Jahre auf der A320. Zum Zeitpunkt des Interviews mit Andreas Spaeth hatte er über 8.800 Flugstunden absolviert.

Herr Vanhoenacker, ist es leichter ein guter Pilot zu sein oder ein guter Buchautor?
Mark Vanhoenacker: Es gibt viele Wege, ein guter Schreiber zu sein, aber nur eine Art, ein guter Pilot zu sein. Der Berufsweg eines Piloten ist stark durch Training und Prüfungen vorgegeben, wir gehen zweimal im Jahr in den Simulator, das ist alles sehr stark reglementiert. Als Autor sitzen sie vor weißen Seiten und können alles machen was Sie wollen. Sie müssen dabei viel mehr Entscheidungen fällen, etwa darüber, was für eine Art Buch in was für einem Schreibstil sie machen wollen, oder wie es aussehen soll. Weil ich Flugzeuge so liebe, war es für mich manchmal schwierig zu entscheiden, was Leuten gefallen würde, die nicht wie ich schon mit sieben ihr ganzes Zimmer voller Flugzeugmodelle hatten.

Wie sehen Sie sich selbst, eher als fliegenden Autoren oder als schreibenden Piloten?
Vanhoenacker: Wenn ich im Cockpit oder am Flughafen bin, dann sehe ich mich selbst klar als Pilot. Viele der Notizen für mein Buch, das ja inhaltlich wie die Schilderung eines Fluges aufgebaut ist, habe ich im Crew-Bus gemacht, wenn wir nach einem Flug irgendwo im Verkehrsstau steckten, da war meine Rolle dann eine andere. Es gibt ja viele Ähnlichkeiten zwischen einem Buch und einem Flug. Beide haben natürlich einen Anfang und ein Ende, und in beiden Fällen unternehmen sie eine Reise. Als Schreiber kämpfen sie damit, eine sinnvolle Struktur für ihren Text zu finden. Daher lag es für mich nahe, das Buch auch als Flug zu erzählen. Es beginnt mit einem Start in London auf dem Flug nach Tokio, und landet dann nach verschiedensten erzählerischen Umwegen in Tokio. Und so eine Reise ist ein fundamentales, menschliches Konzept, das gleichermaßen auf Bücher und Flüge zutrifft.

Kann man denn den Spagat zwischen Stift und Steuerknüppel durchhalten?
Vanhoenacker: Ich liebe Fliegen und Schreiben, und dadurch, dass ich über das Fliegen schreibe muss ich mich nicht zwischen beidem entscheiden. Das ist vielleicht eine ungewöhnliche Kombination, aber ich bin überrascht, das erstaunlich viele meiner Kollegen auch Bücher schreiben. Manche schreiben Kinderbücher oder Ratgeber gegen Flugangst, ich bin auf jeden Fall nicht der erste British Airways-Pilot, der den Stift oder das Laptop zum Schreiben rausholt.

In Deutschland hatten wir einen bekannten schreibenden Piloten, den 1996 verstorbenen Rudolf Braunburg, der über 70 Bücher veröffentlichte...
Vanhoenacker: Sie glauben gar nicht, wie viele Emails ich bekommen habe von Leuten die sagten, Du musst Dir die Bücher von Rudolf Braunburg ansehen. Ich habe sie auf Englisch gesucht, aber leider gibt es sie wohl nur auf Deutsch.

Haben wir nicht alle etwas den Sinn für die Poesie des Fliegens verloren – und nun bringen Sie sie in ihrem Buch als eine Art Rückbesinnung wieder ans Licht?
Vanhoenacker: Die Luftfahrt ist in gewisser Hinsicht zum Opfer ihres eigenen Erfolgs geworden, Fliegen ist so normal und einfach, dass wir dessen Magie leicht vergessen. Und das gilt für viele andere Sachen im Leben auch. Aber es ist wirklich einfach für die Menschen, die Romantik des Fliegens wieder zu entdecken, wenn man sich bewusster darauf einlässt. Das gilt auch für Leute, die als Geschäftsreisende manchmal noch mehr fliegen als ich, auch da macht es Sinn, der Notwendigkeit des Fliegens wieder mehr abzugewinnen, auch das gilt für andere Bereiche des Lebens in ähnlicher Weise, und genau das versucht mein Buch.

Sie haben auf Ihrer Website Skyfaring.com eine Galerie eingerichtet, wo die Leute Ihnen Fensterplatz-Fotos ihrer Flüge schicken sollen. Funktioniert das?
Vanhoenacker: Ich kriege hunderte von Bildern und poste sie alle. Aber noch besser ist, dass die Leute dazu auch Geschichten schicken, oft sehr faszinierend. Wenn Sie in meine In-Box schauen lässt sich ablesen, wie groß die Liebe zur Luftfahrt überall ist.

Was ist denn in Kurzform die wichtigste Botschaft Ihres Buches?
Vanhoenacker: Ich wollte teilen, was ich an meinem Job liebe, und bewirken, dass wir nie das geradezu kindliche Staunen darüber verlieren sollten, dass wir uns in die Luft erheben.

Und das verbreitet sich jetzt um die Welt?
Vanhoenacker: Ja, zuerst kamen letztes Jahr die amerikanische und englische Ausgabe, jetzt kommt die deutsche Ausgabe mit dem Titel "Himmelhoch: Von der Faszination, in der Luft zu reisen" heraus, in ein paar Wochen gibt es das Buch dann auf japanisch. In Arbeit sind gerade Übersetzungen auf Türkisch, Italienisch, Holländisch, Koreanisch, Chinesisch. Das ist wunderbar, überraschend und sehr unerwartet, und das Gefühl habe ich mit meiner Karriere ohnehin schon. In gewisser Weise ist es das perfekte Buch, um rund um die Welt verbreitet zu werden, denn es geht darin ja darum, um die Welt zu fliegen.

In welcher Branche lebt es sich schwieriger, in der Luftfahrt- oder der Buchbranche?
Vonhoenacker: Ein Buch zu schreiben ist härter, in der Buchbranche haben sie kein GPS oder Wegpunkte, die ihnen zeigen wo es lang geht, daher lebt es sich dort schwerer.

Über den Autor

Regelmäßig veröffentlicht der Luftfahrtjournalist und Vielflieger Andreas Spaeth auf airliners.de Interviews und Kolumnen aus der Reihe "Spaeth fragt".

Andreas SpaethAndreas Spaeth ist einer der führenden deutschen Luftfahrtjournalisten. Als Autor zahlreicher Bücher und freier Mitarbeiter vieler deutscher und internationaler Publikationen ist er weltweit unterwegs und trifft bei seinen Recherchen auf interessante Persönlichkeiten aus der Branche. Kontakt zu Andreas Spaeth.

Von: Andreas Spaeth für airliners.de
( Gastautor werden )
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