Spaeth fragt (22) ( Gastautor werden )

„Herr Hühne, warum ist Airline-Design heute oft so langweilig?“

04.12.2014 - 12:19 0 Kommentare

Kunstsammler zahlen viel Geld für alte Airline-Poster und der Berliner Unternehmer Matthias Hühne hat jetzt ein Prachtbuch über „Airline-Design 1945 bis 1975“ herausgebracht. Andreas Spaeth befragte ihn dazu.

Matthias Hühne Foto: © privat,

Matthias Hühne (46) ist Immobilienunternehmer und Vielflieger. Irgendwann stolperte er in Paris über ein prächtiges Air France-Poster aus den 1950er Jahren und war fasziniert von dem Genre. Daraus wuchs erst eine Plakat-Sammlung, und nun ein Buch mit gigantischen Ausmaßen – fast sieben Kilo schwer, 436 Seiten dick und knapp 300 Euro teuer (Airline Visual Identity 1945-1975). Ein Denkmal für die goldenen Zeiten des Airline-Designs. Andreas Spaeth sprach mit ihm.

Herr Hühne, warum ist Airline-Design heute oft so langweilig?
Hühne: Vielleicht weil die Airlines heute gar nicht mehr die Notwendigkeit sehen, exklusiv auszusehen. Denn der Ticketverkauf findet in den allermeisten Fällen über den Preis statt und weniger über exklusive Markenauftritte. Das könnte auch der Grund dafür sein, dass sich die Airlines nicht mehr soviel Mühe geben wie früher. In der Zeit zwischen 1945 und 1975, mit der ich mich beschäftige, war einfach die Exklusivität der Luftfahrt noch viel größer. Die Werbung findet heute auch viel weniger über opulente Poster und Anzeigen als über Bildschirme statt, und im Print konnte man naturgemäß ganz anders arbeiten.

Gibt es denn heute noch Airline-Design, das Ihnen gefällt?
Hühne: Die Grundlagen des heutigen Designs der Lufthansa sind über 50 Jahre alt und funktionieren immer noch. Das zeigt ja wie stark das Konzept war, das dahinterstand. Ähnliches gilt auch für einige der anderen großen Fluggesellschaften. Interessant finde ich auch, dass Emirates mit ihrer bei Kabinen-Interieurs und Uniformen farbenfrohen, in ihrer Konsequenz fast schon an die 1960er Jahre erinnernde Corporate Design-Strategie ganz gut zu fahren scheint.

Wie kommen Sie dazu, aus Liebe zu ursprünglich einem Poster ein unfassbar opulentes Buch über Airline-Design zu machen, das fast 300 Euro kostet und seine Kosten kaum einspielen dürfte?
Hühne: Natürlich ist es meine Hoffnung, dass das Buch ein zumindest kostendeckendes Projekt sein wird. Das ist das erste Buch rein zu diesem Thema, bisher gab es nur gelegentliche Abbildungen in Design- und Airlinebüchern. In der Realität waren diese Plakate damals im Druck sehr anspruchsvoll und ich dachte, es könnte von Interesse sein zu sehen, mit welcher Perfektion damals gearbeitet wurde. Daher die sehr aufwändige technische Qualität des Drucks in diesem Buch.

Was macht Airline-Design grundsätzlich für Sie so faszinierend?
Hühne: Die Großartigkeit dieser Branche, die die Welt so stark verkleinert und Menschen zusammengeführt hat, das macht den Reiz aus. Außerdem hatte die Fliegerei früher noch eine ganz andere Aura des Besonderen, war ein exklusives Vergnügen. Viele Leute konnten es sich damals nicht leisten zu fliegen, von daher hatte das Thema eine noch viel größere Faszination.

Glauben Sie denn, dass die Airlines damals mit ihren großartigen Werbepostern Menschen tatsächlich ins Flugzeug gebracht haben, oder war das nur Imagebildung?
Hühne: Das war wahrscheinlich eine Mischung aus beidem. Damals gab es ja noch viel weniger Wettbewerb zwischen den Airlines, alles war stark reguliert. Trotzdem mussten sich die Airlines um Marktanteile bemühen, und das eben mit teilweise sehr aufwändigen Werbekampagnen. In welchem Umfang eine einzelne Kampagne oder ein neues Design zusätzliche Kunden gebracht hat, ist heute kaum mehr zu überprüfen. Aber ganz klar hat die Werbung aus dieser Zeit die Airlines auf eine Art geprägt, die man heute noch spürt.

Vor allem das Flugzeug selbst wurde damals in der Werbung aufwändig inszeniert, warum?
Hühne: Damals war der technische Fortschritt der Flugzeuge zur vorhergehenden Generation für den Kunden noch viel stärker spürbar als heute. Der größte Sprung war natürlich vom Propellerflugzeug zum Jet und das wurde von den Airlines entsprechend in der Werbung gefeiert. Und natürlich war das Flugzeug damals noch nicht eine so große Selbstverständlichkeit, und es galt auch Berührungsängste abzubauen. Daher sollten diese sehr attraktiven Werbemotive vielleicht auch ein wenig die Hürde abbauen helfen, überhaupt in ein Flugzeug zu steigen. Damals fuhren ja viele Menschen lange Strecken noch eher mit dem Schiff oder der Eisenbahn.

Welche Werbemotive gefallen Ihnen denn bei der riesigen Auswahl in Ihrem Buch am besten?
Hühne: Jedes Motiv in dem Buch hat eine besondere Bedeutung. Zum Beispiel das Poster der Boeing 747 der American Airlines von Peter Gee aus dem Jahr 1970 in komplizierter Pop-Art-Technik, das hängt im Original auch in meinem Büro. Aber die Stringenz der Lufthansa-Motive aus den 1960er Jahren finde ich genauso begeisternd wie die großartigen Designs der Pan Am aus der gleichen Zeit. Ein gutes Beispiel ist auch Braniff, bei der ein besonderes auffälliges, neues Corporate Design verbunden mit einer starken Werbekampagne dazu geführt hat, dass die Firma unglaublich stark gewachsen ist. Das hat lange gut funktioniert. Jedes Design in dem Buch hat eine besondere Geschichte.

Über den Autor

Regelmäßig veröffentlicht der Luftfahrtjournalist und Vielflieger Andreas Spaeth auf airliners.de Interviews und Kolumnen aus der Reihe "Spaeth fragt".

Andreas SpaethAndreas Spaeth ist einer der führenden deutschen Luftfahrtjournalisten. Als Autor zahlreicher Bücher und freier Mitarbeiter vieler deutscher und internationaler Publikationen ist er weltweit unterwegs und trifft bei seinen Recherchen auf interessante Persönlichkeiten aus der Branche. Kontakt zu Andreas Spaeth.

Von: Andreas Spaeth für airliners.de
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