Heinemann expandiert nach Australien

22.12.2014 - 14:43 0 Kommentare

Wer als Flugreisender nach dem Einchecken Spirituosen oder Kosmetika kauft, erledigt dies nicht nur in Deutschland oft bei Heinemann. Der Flughafenhändler steuert seine Läden von Hamburg aus - bald auch die in Australien.

Das Mitglied der Geschäftsführung des Flughafenhändlers Gebr. Heinemann, Raoul Spanger, posiert in Hamburg im Nachbau eines Flughafenshops.  - © © dpa - Daniel Bockwoldt

Das Mitglied der Geschäftsführung des Flughafenhändlers Gebr. Heinemann, Raoul Spanger, posiert in Hamburg im Nachbau eines Flughafenshops. © dpa /Daniel Bockwoldt

Der Flughafenhändler Gebr. Heinemann setzt seine Expansion im Ausland fort und landet 2015 erstmals in Australien. In Sydney habe Heinemann in einem Wettbewerb die Konzession für mehrere Duty-Free-Flughafenshops erhalten, sagte jetzt Geschäftsführer Raoul Spanger: «Das ist ein Durchbruch für uns in der Region und ein großer Sprung für unsere Firma.»

Das Hamburger Familienunternehmen verkauft bislang vorallem in Europa Spirituosen, Kosmetika, Süßwaren und regionale Produkte. Der konsolidierte Umsatz dürfte 2014 bei 2,4 Milliarden Euro stagnieren, wie Spanger ankündigte.

Im Russland-Geschäft mit üblicherweise 300 Millionen Euro Umsatz seien die Erlöse «deutlich zweistellig» zurückgegangen. «Die Menschen dort kaufen und reisen weniger», erläuterte der Manager.

Umsätze in Deutschland schrumpfen

Aber auch in Deutschland verzeichnete Heinemann demnach ein geringes einstelliges Minus. «Wenn deutsche Fluggesellschaften Kosten reduzieren und Flüge gestrichen werden, dann fallen auch für uns diese Passagiere als mögliche Käufer weg.» Das habe Heinemann besonders am Frankfurter Flughafen bei Langstrecken-Passagieren zu spüren bekommen. In Hamburg habe das Unternehmen von den zusätzlichen Flugangeboten ausländischer Anbieter profitiert, resümierte Spanger.

© Fraport, Lesen Sie auch: Heinemann testet "Virtual Shopping" am Flughafen Frankfurt

Internationale Expansion soll Wachstum sichern

In Sydney sollen die Flughafen-Shops Mitte Februar 2015 an den Start gehen und im laufenden Betrieb umgebaut werden. Von 2016 an sollen dort umgerechnet rund 300 Millionen Euro Umsatz hinzukommen. Mit der Bewerbung um eine Konzession am neu entstehenden Flughafen Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten will Heinemann seine Angebotslücke im Mittleren Osten schließen. Auch in den USA hat Heinemann bereits ein Büro eröffnet, das den Markt dort sondiert. Ziel sei, 2020 neben der Marktführerschaft in Europa auch in Asien und den USA zu den führenden Anbietern zu gehören.

Das Auslandsgeschäft steuert aktuell 75 Prozent zum Heinemann-Gesamtumsatz bei, ein Viertel entfällt auf Deutschland. Stärkste Auslandsmärkte seien die Türkei und Norwegen mit jeweils rund 500 Millionen Euro Umsatzbeitrag, berichtete Spanger.

Das Familienunternehmen wird in vierter Generation von den Cousins Claus und Gunnar Heinemann geführt. Gunnars Sohn Max leitet die Niederlassung in Singapur und hat den Einstieg in Australien mit vorbereitet. Um das Wachstum zu bewältigen, baut Heinemann derzeit seinen Firmenstandort in Hamburg aus. 1700 Mitarbeiter in der Zentrale, im Logistikzentrum Allermöhe sowie im Flughafen-Shop beschäftigt das Unternehmen hier, deutschlandweit sind es 3050 Mitarbeiter, weltweit 5600.

Expansion auch abseits der Flughäfen

Neben dem Geschäft an 64 Flughäfen ist Heinemann auch als Großhändler aktiv und beliefert unter anderem Fluggesellschaften für Bordverkauf, Fähren, Schiffsausrüster und diplomatische Vertretungen. Auf Kreuzfahrtschiffen betreibt Heinemann selbst 26 Läden.

Und wie reagiert der stationäre Einzelhändler auf den E-Commerce? «Das ist schon Teil unserer Zukunft. Die künftigen Investitionen werden im E-Business liegen. Steine haben wir genug verbaut», sagte der Manager. 2014 war in Erlensee bei Hanau (Hessen) ein weiteres Logistikzentrum in Betrieb genommen worden.

Seit Jahresmitte betreibt Heinemann einen Lieferservice, mit dem sich EU-Reisende Waren nach Hause in Deutschland liefern lassen können. Bestellt wird entweder im Shop oder aber Online, nötig ist ein gültiges EU-Flugticket. «Erste Erkenntnis: Das Angebot wird angenommen», sagt Spanger. Schließlich: «Wer will schon bei einer Tagesreise viel mitschleppen.» Und eine Tendenz? «Wein wird stärker nachgefragt als im Shop, weil mehr Flaschen geordert werden können.»

Von: dpa
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