Hauptstadtflughafen läuft beim Schallschutz die Zeit davon

17.02.2014 - 17:06 0 Kommentare

Es schien ein Detail zu sein, doch es wächst zu einem Hindernis für wichtige Vorhaben am neuen Hauptstadtflughafen BER heran: der Schallschutz. Flughafenchef Mehdorn ficht das nicht an.

Hartmut Mehdorn, Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg

Hartmut Mehdorn, Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg
© dpa - Daniel Naupold

Gerhard Steintjes, Vorsitzender der Fluglärmkommission für den Hauptstadtflughafen Berlin-Brandenburg BER

Gerhard Steintjes, Vorsitzender der Fluglärmkommission für den Hauptstadtflughafen Berlin-Brandenburg BER
© dpa - Daniel Naupold

Am neuen Hauptstadtflughafen BER steuert Betreiberchef Hartmut Mehdorn auf ein weiteres Hindernis zu. Bei seinem Plan für die Nordbahn-Sanierung und vorübergehende Flüge von der Südbahn wächst der Zeitdruck. Gut vier Monate vor dem beabsichtigten Start im Juli hat noch keiner der betroffenen 4000 Haushalte Schallschutz, wie der Vorsitzende der Fluglärmkommission Gerhard Steintjes heute verdeutlichte. Der Flughafen ist auch noch nicht in der Lage, Bescheide für eine Kostenübernahme an die Betroffenen zu verschicken. Damit könnten die Anwohner Handwerker beauftragen.

Den Schallschutz hatte die Luftfahrtbehörde aber zur Bedingung für die Südbahn-Freigabe gemacht. Mehdorn sagte nach der Sitzung der Kommission auf die Frage, ob der 1. Juli noch zu schaffen sei: «Ja, wenn wir uns alle Mühe geben.»

Mehdorn will die Nordbahn des künftigen Hauptstadtflughafens ab Juli sanieren. Der neue Flughafen soll diese Start- und Landebahn vom benachbarten Altflughafen Schönefeld übernehmen. Während der Arbeiten fliegen die Maschinen vom Schönefeld-Alt von der neu gebauten Südbahn des neuen Airports. Auch der geplante Testbetrieb im Nordflügel des neuen Flughafens würde über die Südbahn laufen.

Der Leiter der Gemeinsamen Oberen Luftfahrtbehörde Berlins und Brandenburgs, Wolfgang Fried, hatte im November klar gemacht, dass bis zum ersten Start von der Südbahn die Betroffenen Schallschutz oder Entschädigungen erhalten müssen. Die Kommission forderte sechs Monate Zeit für die Arbeit der Handwerker.

Frieds Ankündigung hatte in Berlin für Unmut gesorgt. Aus Rücksicht auf die Landtagswahl im September blockiere Brandenburg das Projekt Hauptstadtflughafen immer mehr, hieß es in den vergangenen Monaten in Senatskreisen.

Nun droht ein offener Konflikt: «Herr Mehdorn hat sehr deutlich gemacht, dass er fest entschlossen ist, darauf zu dringen, in diesem Sommer mit den Arbeiten zu beginnen, unabhängig davon, ob der Lärmschutz schon realisiert ist oder nicht», sagte Steintjes in seinem Bericht über die Sitzung am Montag. Der Flughafenchef habe aber auch versichert, alles daran zu setzen, dass die Anwohner Schallschutz bekommen. Nach seinen Worten gehe es nun flott voran.

Den Antrag für den Südbahnbetrieb hat Mehdorn nach Angaben des Infrastrukturministeriums noch nicht gestellt. Die Kommission trifft sich aber auf Drängen Mehdorns am 7. April wieder, um die für die Genehmigung notwendige Stellungnahme abzugeben.

Nach Zahlen des Flughafens haben Gutachter knapp die Hälfte der gut 4000 Haushalte besucht, die beim Südbahn-Betrieb neu betroffen wären. Für gut 150 davon wurde der konkrete Anspruch ermittelt. Nun wird der Verkehrswert der Häuser bestimmt, um zu klären, ob die Betroffenen Schallschutzfenster, Dämmungen und Lüfter bekommen oder eine Entschädigung.

Von: dpa
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