"Kleine" stürzen ab

Harter Preiskampf an Europas Himmel

01.02.2013 - 12:46 0 Kommentare

Die europäische Luftfahrt-Branche sortiert sich neu. Unter dem Druck der Billig-Airlines setzen die großen Fluggesellschaften nun auch auf Billigmarken. Dabei bleiben die Kleinen auf der Strecke.  

Flugzeuge der Lufthansa stehen auf dem Flughafen M

Flugzeuge der Lufthansa stehen auf dem Flughafen M
© FMG

Fokker 100 der OLT in Hamburg-Finkenwerder

Fokker 100 der OLT in Hamburg-Finkenwerder
© AirTeamImages.com - SilverWingPix

Flugzeug im neuen Germanwings-Branding

Flugzeug im neuen Germanwings-Branding
© Germanwings

In der Welt der Luftfahrt weht ein eisiger Wind. In einem der weltweit schwierigsten Märkte überhaupt - dem defizitären Europa-Geschäft - stellt sich die Branche unter dem Druck der Billig-Airlines neu auf. Für die Passagiere mag das zunächst günstigere Ticket-Preise bedeuten - auf wenig frequentierten Regionalstrecken droht damit aber auch ein ausgedünntes Angebot. Denn die noch vor Jahrzehnten allgegenwärtigen Kleinen der Branche, die regionalen Fluggesellschaften, verabschieden sich zunehmend aus dem Geschäft. Das jüngste Opfer: die Bremer Fluglinie OLT Express Germany.

Doch auch die Großen stöhnen unter knallhartem Konkurrenzkampf. Denn an Europas Himmel werden seit Jahren rote Zahlen geschrieben. Nicht umsonst stuft ihn der Luftfahrtverband IATA als eine der großen Problemzonen in der Welt der Fliegerei ein. Hohe Treibstoffpreise oder auch die deutsche Ticketsteuer lassen die eh schon dünnen Margen der Branche schmelzen wie Butter an der Sonne.

Die Billigstrategie dagegen verspricht Gewinne: Nachdem Europas größter Low-Cost-Flieger Ryanair aus Irland die Gewinne steigert und der britische Konkurrent Easyjet sein Flugangebot ausbaut, setzen auch Branchengrößen wie Lufthansa oder Air France nun auf preiswerte Tickets. Mit marktgerechter Positionierung wollen sie perspektivisch Weichen für eine Trendwende in der europäischen Luftfahrt setzen.

Air France-KLM ist der jüngste Fall eines Luftfahrt-Konzerns, der Konsequenzen zog und der Billig-Konkurrenz mit preiswerten Tickets die Stirn bieten will. In der neuen Marke HOP! legt die Airline ihre Regionalfluglinien Brit Air, Regional und Airlinair zusammen. Ab Ende März soll die neue Billigmarke vor allem Regionalflüge innerhalb Frankreichs sowie zu europäischen Zielen anbieten, teilte das Unternehmen diese Woche in Paris mit. Täglich 530 Flüge zu 136 Zielen. Von Gewinnen fürs Anlaufjahr ist noch nicht die Rede - die werden frühestens 2014 erwartet. Nach Branchenberichten verlor Air France 160 Millionen Euro pro Jahr mit seinem Regionalstrecken-Netz.

Auch der deutsche Konkurrent Lufthansa lagert seine dezentralen Europastrecken, die nicht über die Drehkreuze Frankfurt und München führen, in die Niedrigpreis-Tochter Germanwings aus. Ab dem Sommer soll sie damit an den Start gehen und defizitäre europäische Direktflüge wieder in die Gewinnzone fliegen. Deutschlands Nummer zwei, Air Berlin, trat ebenfalls beherzt auf die Sparbremse. Die Luft für die Kleinen, die mitunter auch im Dienste von Großkunden fliegen, wird so immer dünner. Zwar gibt es in Österreich oder Norwegen nach wie vor Regionalfluggesellschaften, die sich bisher weitgehend erfolgreich am Markt behaupten. Der Preiskampf belastet allerdings auch sie.

Denn für die Kleinen bleiben vor allem die Nischen. Anbindungen nach Saarbrücken etwa. Kein Massenmarkt, aber für viele immerhin eine Alternative zu verstopften Straßen oder überfüllten Zügen. Oder der Ostfriesische-Flug-Dienst (OFD), ein Inselzubringer aus Emden, der im Winter mitunter die einzige Möglichkeit des Zugangs zu den ostfriesischen Inseln sichert. Der kleine Seebäderdienst sah durch die Berichterstattung über den OLT Express Germany bereits die Gefahr einer Verwechslung - immerhin hatte der insolvente Regionalflugdienst OLT seine Anfänge im Inselflugverkehr. Der OFD sei nicht betroffen, betonte die Gesellschaft - und habe keine Geschäftsbeziehungen zu OLT.

Von: dpa
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