Kostenkampf an allen Fronten

Harte Zeiten für Lufthansa-Personal

01.06.2012 - 16:07 0 Kommentare

Lufthansa muss dringend ihre Kosten drücken. Beim Personal geht sie schmerzhafte Wege von der Leiharbeit bis zum Betriebsübergang auf Billigtöchter. Die Belegschaft wehrt sich.

Kabinenservice bei Lufthansa - © © Lufthansa -

Kabinenservice bei Lufthansa © Lufthansa

Für die Beschäftigten der Lufthansa und ihrer Töchter sind harte Zeiten angebrochen. Die Tarifverhandlungen für die rund 18 000 Beschäftigten in der Kabine stehen in Frankfurt kurz vor dem Scheitern. In Wien muss sich das fliegende Personal der Tochter Austrian Airlines bis Samstag entscheiden, ob es den Betriebsübergang zur tariflich weit billigeren Tochter Tyrolean mitgeht. Am Sonntag werden zudem ab Berlin erstmals Leih-Stewardessen an Bord die Lufthansa-Gäste betreuen.

Bei der AUA sind bislang mehr als 100 von derzeit 550 AUA-Piloten von Bord gegangen, wie ein Sprecher in Wien zumindest der Größenordnung nach bestätigte. Auch etwa 200 der 1500 Flugbegleiter wollen demnach der einstigen Staatslinie den Rücken kehren. Die Frist, innerhalb der die AUA-Mitarbeiter eine Sonderkündigungsregel in Anspruch nehmen können, läuft erst am Samstag um Mitternacht aus. Ein AUA-Sprecher hält zwar fest: «Wir hoffen natürlich, dass möglichst alle Piloten bei uns bleiben.» Er sieht aber in der Kündigungswelle kein Problem für den Flugbetrieb. Man beschäftige derzeit ohnehin zu viele Piloten.

In Frankfurt sind die Tarifgespräche für die Kabine unterbrochen, ohne dass man sich auf einen neuen Termin geeinigt hätte, berichteten das Unternehmen und die Gewerkschaft Unabhängiger Flugbegleiter Organisation (UFO) übereinstimmend.

Der UFO-Vorsitzende Nicoley Baublies verlangte vom Management, endlich die kompletten Pläne zur Zukunft der Besatzungen auf den Tisch zu legen. Anderenfalls werde man ein Forderungspaket schnüren, für das innerhalb kurzer Zeit ein Streik ausgerufen werden könne. Dies könne bereits Mitte Juni so weit sein.

In der vergangenen Woche hatte Lufthansa den Mitarbeitern mit einseitigen Maßnahmen für den Fall gedroht, dass man nicht zu einer Einigung komme. Europas größte Fluggesellschaft produziert ihre Dienstleistungen zu teuer und sieht die eigenen Kostenstrukturen auch beim Personal als immer weniger wettbewerbsfähig. Im Rahmen des Kostensenkungsprogramms «Score» soll die Ertragskraft bis zum Jahr 2015 um 1,5 Milliarden Euro pro Jahr gesteigert werden.

UFO will einen einheitlichen Personalkörper innerhalb der Lufthansa erhalten, der vielleicht unterschiedliche Plattformen enthalte, schrieb die Gewerkschaftsführung an die Mitglieder. «Wir wollen nicht, dass die verschiedenen Personalgruppen gegeneinander ausgespielt werden», sagte Baublies der Nachrichtenagentur dpa. Auch gegen den für Sonntag geplanten erstmaligen Einsatz von Leiharbeitern an Bord von Lufthansa-Maschinen werde man sich weiterhin wehren.

Nur wenige Leih-Crews ab Berlin

Zum Start des ausgeweiteten Flugplans ab Berlin gehen zunächst nur wenige Leih-Crews in die Luft. Am Sonntag (3. Juni) werden von zehn Maschinen im Lufthansa-Direktverkehr von und nach Berlin nur drei mit Kabinenbesatzungen des Personaldienstleisters AviationPower starten, wie ein Lufthansa-Sprecher in Berlin auf Anfrage mitteilte. Die Kräfte sind zwar von der Lufthansa geschult, bleiben aber beim Dienstleister angestellt.

Man sei mit der Rekrutierung der Flugbegleiter aber weit fortgeschritten, sagte der Lufthansa-Sprecher. Von geplanten 240 Leuten seien knapp 200 bereits rekrutiert. Vor allem fehlen noch erfahrene Kabinenchefs (Senior Flight Attendants), die aber in den nächsten Wochen verstärkt zum Unternehmen stießen. Hier sei es mit dem attraktiven Standort Berlin gelungen, erfahrene Leute aus ganz Europa anzuwerben.

Leiharbeitskräfte und Lufthansa-Personal dürfen nicht gemischt arbeiten, so dass zunächst noch die Mehrzahl der Direktverbindungen von Lufthansa-Stewardessen bestritten wird. Nicht zum Einsatz kommen die neuen Leihkräfte im Verkehr zu den Drehkreuzen München und Frankfurt. Lufthansa erhofft sich vom Einsatz erhebliche Kostenvorteile in dem von Billigfliegern dominierten Berliner Markt.

Von: dpa
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