Hamburger Flughafen und Airlines streiten über Gebühren

Der Hamburger Flughafen plant einen Ausbau der Kapazität und will dafür ab Juli mehr Geld von den Airlines. Doch diese lehnen die Pläne als überdimensioniert ab - jetzt geht der Streit in die heiße Phase.

Blick auf den Hamburg Airport. Nach Passagieren ist er der fünftgrößte Flughafen in Deutschland. - © © Michael Penner -

Blick auf den Hamburg Airport. Nach Passagieren ist er der fünftgrößte Flughafen in Deutschland. © Michael Penner

Der Hamburger Flughafen will sein Passagierentgelt erhöhen, um mehr Geld für den Ausbau der Infrastruktur zu erhalten. Das Verfahren zur Änderung der Gebührenordnung läuft nun an: Am Donnerstag finden die offiziellen Konsultationen mit den Fluggesellschaften statt, wie airliners.de erfuhr.

Die Gebührenerhöhung soll nach dem Entwurf des Flughafens sechs Monate später, am 10. Juli, in Kraft treten. Man habe bereits zweimal den Termin verschoben, um Gespräche mit den Airlines zu führen, so eine Sprecherin. "Da in diesen Gesprächen keine Einigung erzielen werden konnten, leitet der Flughafen nun den offiziellen Weg ein."

Der Flughafen will die Gebühren um 0,55 Euro pro Passagier anheben - bisher liegen sie bei neun bis zehn Euro, abhängig von der Destination. Benötigt wird das Geld laut Flughafen für Investitionen in die Infrastruktur, die 300 bis 400 Millionen Euro bis 2024 betragen sollen.

Stein des Anstoßes: der Ausbau am Pier Süd

Die Pläne treffen allerdings auf geschlossenen Widerstand. "Die Fluggesellschaften werden den Vorschlag des Flughafens ablehnen", kündigt Michael Engel, Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Fluggesellschaften (BDF) an. Der BDF nimmt wie das Barig, die Interessenvertretung der ausländischen Airlines, an den Konsultationen teil. "Die geplanten Investitionen sind zu teuer und zumindest zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht erforderlich", so Engel.

Der Flughafen wolle jetzt eine Kapazität schaffen, die frühestens 2035 gebraucht werde, nämlich für ein Passagieraufkommen von 26 Millionen. Auf Ablehnung stößt deshalb vor allem der Ausbau der Rückseite am Pier Süd. Dort sollen laut Flughafen fünf neue Parkpositionen inklusive Flugastbrücken geschaffen werden. Kosten: 150 Millionen Euro.

Nach Auffassung der Fluggesellschaften würde aber das ebenfalls geplante Gebäude mit Shuttlebus-Gates auf dem Vorfeld 2 genügen, um die Kapazität für das absehbare Wachstum zu erweitern. "Wenn wir dann bei einer Zahl von 22 bis 23 Millionen Passagieren angekommen sind, kann man über eine Erweiterung an der Pier-Süd-Rückseite sprechen", meint Engel.

Dagegen argumentiert der Flughafen, der Ausbau am Pier Süd diene nicht nur der Kapazitätserweiterung, sondern solle auch den Komfort für die Reisenden erhöhen. "Die Passagiere erwarten zu Recht Komfort und Service an den Flughäfen", erwiderte Airport-Chef Michael Eggenschwiler bereits im Dezember die Kritik an seinen Ausbauplänen.

© Hamburg Airport, Michael Penner Lesen Sie auch: Hamburger Flughafen verteidigt Ausbau

Engel argumentiert aber auch, dass der Airport bereits 2017 seine Entgelte um 10,5 Prozent erhöht hat. Zusammen mit der jetzt geplanten Anhebung komme man auf ein Plus von 18,9 Prozent binnen zwei Jahren. "Das sucht nicht nur deutschlandweit, sondern auch europaweit seinesgleichen."

Airlines fordern mehr Kosteneffizienz vom Flughafen

Notwendige und sinnvolle Investitionen wie den Umbau der Sicherheitskontrollen und der bestehenden Gepäckanlage könne der Airport aus der letzten Erhöhung und somit der bestehenden Gebührenordnung bestreiten, fordert Engel. "Die Airlines haben gerade am Standort Hamburg in den letzten Jahren erheblich ihre Produktivität gesteigert und befördern immer mehr Passagiere mit weniger Flügen. Solche Effizienzgewinne erwarten wir in einer Systempartnerschaft auch von unserem Flughafen-Partner."

Die Fluggesellschaften haben allerdings kein Veto-Recht gegen die Gebührenordnung: Lässt sich der Airport bei den anstehenden Konsultationen nicht auf Kompromisse ein, hat die Hamburger Wirtschaftsbehörde das letzte Wort: Sie muss die beantragte Gebührenordnung genehmigen. In der Regel soll sie zwei Monate vor Inkrafttreten ihre Entscheidung mitteilen. Das müsste nach der jetzigen Planung bis zum 10. Mai erfolgen.

Von: pra

Datum: 07.01.2019 - 16:59

Adresse: http://www.airliners.de/hamburger-flughafen-airlines-gebuehren/48333