Hamburg: Nachtflugverbot wird nicht ausgeweitet

Die Wirtschaftsbehörde spricht sich gegen einen Vorschlag der Fluglärmschutzkommission aus, wonach das geltende Nachtflugverbot am Airport Hamburg um eine halbe Stunde ausgeweitet werden sollte. Flughafenchef Eggenschwiller hatte die Idee zuvor deutlich kritisiert.

Der Hamburger Flughafen bei Nacht: Vorerst kein längeres Nachtflugverbot. Foto: © AirTeamImages.com, HAMFive

Die Wirtschaftsbehörde Hamburgs hat einen Vorschlag der Fluglärmschutzkommission (FLSK) abgelehnt, nach dem verspätete Flieger nur noch bis 23.30 Uhr auf dem Hamburger Flughafen hätten landen dürfen. Eine Änderung der Betriebsgenehmigung des Flughafens einschließlich der Verspätungsregel sei unter den gegebenen Rahmenbedingungen rechtlich nicht angezeigt, erklärte Staatsrat Andreas Rieckhof.

"Die Verspätungsregelung ist Ausdruck eines angemessenen Interessensausgleichs zwischen den verkehrlichen Belangen und dem notwendigen Schutz der Anwohner", sagte Rieckhof. Ziel müsse es daher sein, die Einhaltung der geltenden Regelungen streng zu überwachen, um jeglichen Missbrauch der Verspätungsregelung konsequent zu verfolgen.

"Einschränkungen für die Menschen in der Region"

Damit ist ein Vorstoß der FLSK vom vergangenen Freitag gescheitert. Sie hatte die Empfehlung ausgesprochen, die Verspätungsregelung bis 23.30 Uhr zu begrenzen, um die Anwohner vor nächtlichem Lärm zu schützen. Für den Hamburger Flughafen gilt ein Nachtflugverbot von 23 Uhr abends bis sechs Uhr morgens. Wenn ein Flugzeug aus unvermeidbaren Gründen später kommt, darf es noch bis 24 Uhr landen.

Bis Ende Oktober war das in diesem Jahr 919-Mal der Fall und damit häufiger als im gesamten Vorjahr mit 774 verspäteten Starts und Landungen. Ungefähr drei Viertel der verspäteten Maschinen kommen bis 23.30 Uhr, ein weiteres Viertel danach. Sie müssen nicht nur den Grund für die Verspätung darlegen und eventuell mit einem Verfahren rechnen, sondern auch erhöhte Landegebühren entrichten.

Nächtliche Starts und Landungen in Hamburg
Angaben in Prozent
10/16 0.6
11/16 0.1
12/16 0.3
1/17 0.4
2/17 0.2
3/17 0.2
4/17 0.5
5/17 0.6
6/17 0.9
7/17 1.2
8/17 0.8
9/17 1.0
10/17 0.6

Die Grafik zeigt das prozentuale Verhältnis von Starts sowie Landungen in der Nachtruhe und den Gesamt-Flugbewegungen am Airport Hamburg im Zeitraum Oktober 2016 bis Oktober 2017. Die Angaben sind gerundet.Quelle: Flughafen Hamburg, Berechnung: airliners.de

Vor der Wirtschaftsbehörde hatte bereits Hamburgs Flughafenchef Michael Eggenschwiler die Initiative der FLSK zurückgewiesen. "Jede Einschränkung hat negative Auswirkungen für die Erreichbarkeit der Metropole sowie für die Mobilität und Arbeitsplätze der Menschen in der Region", erklärte Eggenschwiler vor der Entscheidung.

Flughafen erinnert an öffentlichen Auftrag

"Der Empfehlung der FLSK kann die Geschäftsführung des Flughafens nicht folgen." Der Flughafen habe den öffentlichen Auftrag, Flughafeninfrastruktur zur Verfügung zu stellen und die Anbindung der Metropolregion Hamburg an den internationalen Luftverkehr auf einem hohen Niveau zu halten.

© AirTeamImages.com, Lesen Sie auch: Hamburger Regierung offen für längere Nachtruhe

Die FLSK ist ein Beratungsgremium mit Vertretern der Bezirke und Anliegergemeinden des Airports sowie Fluggesellschaften und weiteren Fachbehörden.

Von: cs, dpa

Datum: 05.12.2017 - 08:30

Adresse: http://www.airliners.de/hamburg-nachtflugverbot/43048