Hamburg streitet weiter über Fluglärm

19.01.2018 - 17:17 0 Kommentare

Der Streit um den Fluglärm am Hamburger Flughafen geht in eine neue Runde: Der Airport und die Bürgerinitiative BAW veröffentlichen ihre Jahresbilanzen. Die BAW spricht dabei vom "lautesten Jahr des laufenden Jahrhunderts".

Blick auf den Hamburger Flughafen bei Nacht. - © © AirTeamImages.com -

Blick auf den Hamburger Flughafen bei Nacht. © AirTeamImages.com

Der Streit um den Fluglärm am Hamburger Airport geht weiter: In dieser Woche haben sowohl die Betreibergesellschaft des Flughafens, als auch die Bürgerinitiative für Fluglärmschutz in Hamburg und Schleswig-Holstein (BAW) ihre Jahreszahlen vorgelegt. Dabei geht die Einschätzung der Zahlen diametral auseinander.

Der Hamburger Flughafen hat im vergangen Jahr 17,6 Millionen Passagiere abgefertigt - über acht Prozent mehr als 2016. Dabei liegen die Flugbewegungen mit rund 160.000 sogar leicht unter dem Vorjahresniveau. Allerdings überstieg die Zahl der Spätlandungen (zwischen 23 und 24 Uhr) 2017 erstmals die 1000-Flüge-Marke (auf 1038). Im Jahr zuvor waren es noch 774.

Um den Wert zu verringern hatte der Flughafen zusammen mit den betroffenen Airlines im April 2016 eine "Pünktlichkeitsoffensive zum Fluglärmschutz" gestartet. Dabei haben sich die fünf größten Airlines am Standort verpflichtetet, die Zahl der Spätlandungen zu reduzieren.

Bürgerinitiative widerspricht

Nach Ansicht der Bürgerinitiative für Fluglärmschutz in Hamburg und Schleswig-Holstein (BAW) "war die 'Pünktlichkeitsoffensive' von Beginn an zum Scheitern verurteilt, weil sie allein auf Freiwilligkeit beruht", so Martin Mosel, Sprecher der BAW gegenüber airliners.de. Insgesamt hätte sich die Anzahl der Spätlandungen seit 2013 mehr als verdoppelt. Für das vergangene Jahr zählt die BAW ebenfalls 1038 Spätlandungen.

Auch die positive Passagierentwicklung sieht die Initiative kritisch, da trotz einer Abnahme der Flugbewegungen die Ausdehnung des sogenannten "Lärmteppichs" auf 14,7 Quadratkilometer anstieg.

Vor zehn Jahren gab es am Hamburger Airport die bisher meisten Flugbewegungen und trotzdem betrug der "Lärmteppich" rund 13,9 Quadratkilometer. "Dies bedeutet, dass (durchschnittlich) jede Flugbewegung lauter geworden ist", so Mosel und fordert von der Politik, "dass das Fluglärmkontingent auf das Jahr mit den bisher meisten Flugbewegungen (2007) abgesenkt wird". Zusätzlich wiederholt Mosel die Forderung der BAW nach einem achtstündigen Nachtflugverbot.

Lärmkontur

Die sogenannte Lärmkontur, oder auch Lärmteppich bildet die flächen- mäßige Ausbreitung der Geräuschemissionen rund um den Hamburger Flughafen ab. Erfasst wird die Fläche, in der die Belastung in den sechs verkehrsreichsten Monaten (Mai bis Oktober) einen äquivalenten Dauerschallpegel Leq3 von 62dB(A) oder höher erreicht.

Der Flughafen sieht das anders und verweist darauf, dass verschiedene Faktoren zu den vermehrten Spätlandungen geführt hätten. So habe in den Sommermonaten die begrenzte Kapazität der Flugsicherungen im gesamten europäischen Luftraum zu Verspätungen geführt. Zusätzlich habe es 2017 viele Extremwetterlagen und Sonderereignisse gegeben, wie beispielsweise den G20 Gipfel im Juli.

Daher sei die bestehende Verspätungsregelung am Hamburg Airport notwendig, denn sonst müssten alle Linienflüge mit Ziel Hamburg nach 23 Uhr zu anderen Flughäfen umgeleitet werden, heißt es von Seiten des Flughafens.

Am Hamburg Airport gilt in der Zeit von Mitternacht bis sechs Uhr morgens ein Nachtflugverbot. Für den Zeitraum zwischen 23 Uhr und Mitternacht gibt es eine Verspätungsregel. Für jede verspätete Landung und für jeden verspäteten Start wird bei den Fluglärmentgelten ein Aufschlag zwischen 150 und 300 Prozent für die Airline fällig.

© dpa, Julian Stratenschulte Lesen Sie auch: Diskussion um Nicht-Einhaltung des Nachtflugverbots in Hamburg

Von: br
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