Hamburg bereitet sich auf Drohnen-Boom vor

08.06.2018 - 10:58 0 Kommentare

Längst hat das Thema Drohnen die Luftfahrtindustrie aber auch Autobauer erreicht. Auf dem Aviation Forum Hamburg wurden jetzt Perspektiven der Branche diskutiert - und ein Dokument mit Symbolkraft unterzeichnet.

Volocopter ist einer der Pioniere für Lufttaxis. - © © Volocopter -

Volocopter ist einer der Pioniere für Lufttaxis. © Volocopter

Aufbruchstimmung: Die Bereiche der zivilen Luftfahrt sowie der kommerziellen Drohnen verschmelzen immer mehr. "Vieles ist im Umbruch", sagte Kay Wackwitz von Drone Industry Insights am Donnerstag auf dem Aviation Forum in Hamburg.

Zum 52. Mal hatte Hamburg Aviation zu einer Konferenz um ein aktuelles Luftfahrtthema geladen. Und wie sehr die unbemannte Luftfahrt inzwischen auch den zivilen Bereich beeinflusst, legte der Manager des auf den kommerziellen Drohnenmarkt spezialisierten Marktforschungsunternehmen dar: In den vergangenen fünf Jahren habe es einen starken Anstieg der Investitionen gegeben. Große Konzerne wie Boeing, Daimler oder auch der Google-Mutterkonzern Alphabet hätten massiv Geld in diverse Drohnenprojekte gesteckt.

Auch aus diesem Grund haben Vertreter der Stadt Hamburg, der Europäischen Innovationspartnerschaft für Smart Cities sowie Eurocontrol nun ein Manifesto of Interest (MoI) unterzeichnet. Damit wird Hamburg neuer Partner einer EU-Initiative zur Förderung der Urban Air Mobility und ist somit offizielle Modellregion für die Erschließung ziviler Nutzungsmöglichkeiten von Drohnen und weiteren städtischen Luftverkehrstechnologien. Henriette von Eijl, die politische Koordinatorin für Smart Cities bei der Europäischen Kommission, sprach von einem "großen Meilenstein" und sicherte Unterstützung im Hinblick auf Vorschriften, Vernetzung und Finanzierung zu.

Drohnen bringen der Industrie großes Einsparpotenzial

Schätzungsweise 400.000 Drohnen gab es in Deutschland allein im vergangenen Jahr, so Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch, der die neue Partnerschaft außerordentlich begrüßt - gerade vor dem Hintergrund, dass etwa mit Airbus oder Lufthansa Technik Big Player der Luftfahrt in Hamburg ansässig sind.

Die Gründe für den Erfolg der unbemannten Luftfahrzeuge lägen auf der Hand: Große Ersparnisse für Unternehmen und Verwaltungen, die Drohnen nutzen, sowie ein Gewinn an Sicherheit. Es sei eben ein großer Unterschied, ob für die Inspektion einer Erdöl-Förderanlage eine Bohrinsel drei Tage lang stillgelegt werden müssten oder diese Aufgabe während des laufenden Betriebs durch eine Drohne übernommen werden könnte.

Infrastruktur beeinflusst Tempo des Fortschritts

Die kommerziellen Einsatzfelder für Drohnen sind in der Tat vielfältig: Der Transport von Blutkonserven, die Inspektion von Windrädern, das Abfliegen von Gleisanlagen, die Unterstützung bei der Brandbekämpfung, die Küstenüberwachung und nicht zuletzt die Auslieferung von Paketen - um nur einige wenige Beispiele zu nennen.

Wie schnell und intensiv sich die Technologie in einem Land ausbreitet, ist eine Frage des Leidensdrucks, so die Einschätzung von Wackwitz. In Ruanda beispielsweise würden nun sogenannte "drone ports" errichtet, da aufgrund der schlechten Infrastruktur in dem Land nur Drohnen einen schnellen und effizienten Transport von medizinischem Gut ermöglichen würden.

Aufstrebende Player

Auf dem Aviation Forum Hamburg haben sich auch vier Start-Up-Initiativen präsentiert:

  • Die Firma Volocopter, die ein elektrisches Lufttaxi entwickelt hat, das Distanzen von bis zu 30 Kilometer Reichweite zurücklegen kann, in Bruchsal bereits regelmäßig zum Einsatz kommt und nun auch in Dubai Tests durchgeführt hat. Die Konzerne Daimler und Intel sind auf dieses Start-Up bereits aufmerksam geworden und mit eingestiegen.
  • Die Firma Bluebird Mountain entwickelt Rucksack-Drohnen, die bei einem Lawinenabgang per Reißleine abgefeuert werden können, damit Rettungsdienste die Verschütteten schneller finden können.
  • Das Start-Up Doks Innovation entwickelt Drohnen, die den Warenbestand in Lagerhallen automatisiert dank Barcode-Scanner erfassen.
  • Und das Unternehmen Aerobot X plant ein durch Solarzellen angetriebenes und mit Helium gefülltes Luftschiff, das dank der regenerativen Energiegewinnung eine lange Einsatzdauer ermöglicht.

Noch sind viele Projekte nicht zu 100 Prozent ausgereift, aber durch die immer stärkere Vernetzung der Unternehmen miteinander und Förderung durch staatliche Stellen, werden viele Ideen realisiert werden können. Darüber hinaus erwarten die Experten von der Politik auch einen Abbau bürokratischer Hürden und eine Vereinfachung der gesetzlichen Vorschriften im Hinblick auf den Einsatz von Drohnen.

Von: Fabian Kühne für airliners.de
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