Hahn-Verkauf: HNA Group gibt keine Jobgarantie

30.03.2017 - 08:29 0 Kommentare

Der Verkauf des Hunsrück-Airports Hahn ist Thema in Ausschüssen des rheinland-pfälzischen Landtags. Die HNA-Group erklärt, sie möchte investieren - aber was wird aus den Arbeitsplätzen am Flughafen?

Passagierflugzeug am Flughafen Hahn: 15 Millionen Euro zahlt die HNA-Group für den Airport. © Flughafen Frankfurt-Hahn

Der Käufer des defizitären Flughafens Hahn, die chinesische HNA-Group, lässt den Abbau von Arbeitsplätzen offen. "Wir tragen hier ein sehr hohes wirtschaftliches Risiko", sagte jetzt Christoph Goetzmann, Sprecher der HNA-Group.

"Wir geben auch keine Zusicherung für die Arbeitsplätze ab, weil wir das doch gar nicht können", so Goetzmann weiter vor drei Landtagsausschüssen in Mainz. Rund 2000 Arbeitsplätze hängen direkt am früheren US-Fliegerhorst im Hunsrück. Experten befürchten, dass diese wegfallen könnten.

"Das ist der Airport nicht wert"

Rheinland-Pfalz hatte seinen Anteil von 82,5 Prozent Anfang März an die HNA-Group verkauft. Der Mainzer Landtag muss noch zustimmen und die EU-Kommission hat Beihilfefragen zu prüfen. Der erste Verkauf an die chinesische, weithin unbekannte Firma SYT war 2016 wegen mutmaßlichen Betrugs gescheitert. Hessen hatte den Verkauf seiner 17,5 Prozent an eine Tochter der pfälzischen Firma ADC wegen eines Gesellschafterwechsels verschoben.

Wer ist die HNA-Group?

Die HNA-Gruppe ist ein milliardenschwerer chinesischer Großkonzern, der international unter anderem im Hotel- und Tourismusgeschäft sowie im Flughafenmanagement aktiv ist. Neben Hainan Airlines, der viertgrößten chinesischen Fluggesellschaft, gehören zahlreiche weitere Airlines zum Konzern - auch aus dem Luftfrachtbereich. In Europa hatte HNA in letzter Zeit vor allem durch eine Beteiligung an TAP Portugal und der Akquise des Caterers Gategroup sowie des Bodenabfertigers Swissport für Aufsehen gesorgt. Die Gruppe ist zudem im Finanz- und Immobiliensektor aktiv. HNA-Group-Website

Goetzmann bezifferte den Rückstau von Investitionen am Airport auf bis zu 75 Millionen Euro. Der Flughafen sei "ein Unternehmen, das saniert und restrukturiert werden muss, um zukünftig zu überleben". Er ließ offen, ob Billigflieger Ryanair - bisher größter Kunde am Platz - dort bleiben wird: "Es gibt keine Garantie, dass eine Ryanair in Zukunft ab dem Flughafen Hahn noch fliegt."

Gespräche zur Fortführung des Standorts seien aber geplant. Ryanair fliegt auch von Frankfurt, Luxemburg und Köln/Bonn.

© airliners.de, Karl Born, Die Born-Ansage (37): In China kräht kein Hahn nach Hahn

HNA will den Airport Hahn ausbauen. "Es ist unser Ziel, den Flughafenbetrieb weiter fortzuführen", sagte Goetzmann. Die Lage mitten in Europa sei eine Chance. HNA plane pro Woche je drei Passagier- und Frachtflüge zusätzlich von und nach China.

Der HNA-Group gehörten 13 Flughäfen. Sie zahlt rund 15 Millionen Euro für den Airport Hahn, muss aber ein Landesdarlehen zurückzahlen. "Das ist der Flughafen nicht wert, das muss man deutlich sagen", betonte der HNA-Sprecher.

Experte kritisiert Verhalten von Rheinland-Pfalz

Auf das Land könnten bis 2024 bis zu 75 Millionen Euro an Subventionen und Sicherheitskosten zukommen. Anwalt Hans von Gehlen vermisst eine Absicherung zur Erfüllung von Pflichten durch die Investoren nach Vertragsabschluss.

Steuerberater Werner Burkhart zeigte sich noch kritischer: "Das Land Rheinland-Pfalz gibt praktisch alle Handlungsoptionen aus der Hand und zahlt immense Summen an den Käufer." Wirtschaftsprüfer Günter Hilger kritisiert, wegen fehlender oder geschwärzter Daten sei er nicht in der Lage, den Geschäftsplan von HNA zu bewerten.

Das könnte nach dem Hahn-Verkauf noch auf Rheinland-Pfalz zukommen

Subventionen: Bis 2024 könnten bis zu 25,3 Millionen Euro Beihilfen für den Betrieb, bis zu 22,6 Millionen Beihilfen für Investitionen und bis zu 27 Millionen Euro Feuerwehr- und Sicherheitskosten anfallen. Danach erlaubt die EU keine Subventionen für Regionalflughäfen mehr.
Altlasten: Für die mögliche Sanierung weiterer Altlasten ist vertraglich eine Obergrenze von 25 Millionen Euro für das Land festgelegt.
Beratung: An Beraterkosten kommen in diesem Jahr bisher 1,6 Millionen Euro, im nächsten Jahr voraussichtlich 1,1 Millionen Euro zusammen.

Foto: © dpa, Fredrik von Erichsen
Von: cs, dpa
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