Schiene, Straße, Luft (25) Gute Vorsätze dringend nötig

Was bringt das Jahr 2019 unter dem Gesichtspunkt der Verkehrsträger-Optimierung? Viel dürfen wir nicht erwarten, meint Verkehrsjournalist Thomas Rietig, und ist gespannt auf 2020.

Nach dem Brexit gehen Großbritannien und die Europäische Union getrennte Wege. - © © Fotolia/Delphotostock -

Nach dem Brexit gehen Großbritannien und die Europäische Union getrennte Wege. © Fotolia/Delphotostock

Mit dem Brexit droht zumindest international reisenden Verkehrsteilnehmern eine neue Hürde in dem Bemühen, möglichst unkompliziert ans Ziel zu gelangen. Auch innerhalb der deutschen Grenzen ist auf den Schienen wenig Fortschritt zu erwarten. Ob es nach dem Air-Berlin-Ende in der Luft besser wird, bleibt abzuwarten. Gute Vorsätze in Politik und Wirtschaft wären dringend nötig.

Viele Probleme werden durch unzulängliche Infrastruktur verursacht. Was sich hier auftut, ist eine Falle nach mehr als einem Jahrzehnt Aufschwung: Geld ist da, zumindest in Mitteleuropa, der politische Wille auch. Aber die Behörden sind dermaßen zäh und unflexibel geworden, wohl auch wegen überbordender Vorschriften und Klagemöglichkeiten. Und selbst wenn alles in trockenen Tüchern ist, scheitern viele Zeitpläne an der Sättigung von Baugewerbe und Industrie mit Aufträgen.

Deutsche Bahn bekommt Geld, baut aber langsam aus

Beginnen wir mit der Deutschen Bahn. Über die Feiertage twitterten Fahrgäste von erschrockenen Zugbegleitern, die sich für zu frühe Ankunft ihrer Züge "entschuldigten". Trotzdem vergeht keine Woche, in der nicht die Umstrukturierung des Konzerns und milliardenschwere Zusatzinvestitionen gefordert oder zugesagt werden.

Aber die Reform lässt sich, wenn sie überhaupt kommt, nicht in wenigen Monaten bewerkstelligen. Ein Beispiel: Der lange versprochene und beschlossene Ausbau der Bahnstrecken im oberen Rheintal wird erst nach 2040 erwartet. Hinter der Schweizer Grenze dagegen haben die Güterzüge schon jetzt freie Fahrt durch teure Tunnels.

Flugverkehr wird voraussichtlich komplizierter

Es ist nicht auszuschließen, dass 2019 der Flugverkehr zwischen dem Vereinigten Königreich und der Europäischen Union komplizierter wird, je nachdem wie hart der Brexit wird. Dann wächst möglicherweise die Bedeutung des Kanaltunnels weiter. Zwischen den Innenstädten von London einerseits und Paris und Brüssel andererseits sind die Eurostar-Züge jetzt bereits weit im Vorteil gegenüber den entsprechenden Flugverbindungen. Wer noch nicht von Brüssel oder Paris nach London oder umgekehrt gefahren ist, sollte es einmal tun: Es ist ein Super-Bahnerlebnis.

Die Zweckmäßigkeit dieses Tunnels steht für einigermaßen vernünftige Teilnehmer am europäischen Verkehrsgeschehen kaum im Zweifel, besonders wenn nicht nur das Kosten-Nutzen-Verhältnis betrachtet wird. Bei anderen Großprojekten, die noch nicht fertig oder noch nicht einmal begonnen sind, ist das durchaus umstritten, wenn wir etwa an den Fehmarnbelt-Tunnel denken, ein Zehn-Milliarden-Projekt, für das zum Jahreswechsel der Planfeststellungsbeschluss erging.

Brücke über den Ärmelkanal

Und wir erinnern uns dunkel, dass der große Brexit-Visionär Boris Johnson vor etwa einem Jahr vorgeschlagen hat, zusätzlich zum Tunnel eine Brücke über den Kanal zu bauen. Auch wenn der Grande-Nation-Visionär Emmanuel Macron den Vorschlag angenommen haben soll – im April 2019 und den ersten Post-Brexit-Jahren dürfte er nicht viel helfen.

Er lässt immerhin hoffen, dass die Abneigung der Brexiteers gegen die Bindung an den Kontinent nicht so groß ist, dass sie den Tunnel schließen. Dessen Infrastruktur- und Betreibergesellschaften sind nach internationalem Recht organisiert, so dass über etwas mehr Verwaltung der Fortbestand garantiert sein dürfte.

Aus Passagiersicht scheint es einfach, selbst nach einem harten Brexit die Qualität des Fahrplans aufrechtzuerhalten, da ohnehin schon scharf kontrolliert wird, wer da in die Züge steigt. Den Pass- und Sicherheitschecks müssten Zollkontrollen hinzugefügt werden, und dazu müssten beide Seiten – wie auch bei den anderen Verkehrsträgern - Zollbeamte bereitstellen. Wie schnell sie das schaffen und ob wir nicht auch an den Eurostar-Bahnsteigen längere Schlangen gewärtigen müssen, kann heute niemand vorhersagen.

2020 sollen zwei Großprojekte kommen

Soweit der Ausblick für 2019. Vielleicht es ist nur eine Atempause bis 2020. Da stehen gewaltige Ereignisse bevor. Es fällt schwer, ernst zu bleiben, aber: Im Oktober soll der BER eröffnet werden. Immerhin: Der Vorsatz ist da. Und im selben Monat soll die Pkw-Maut kommen. Wer's braucht ...

Über den Autor

In seiner Mobilitätskolumne "Schiene-Straße-Luft" vergleicht und kommentiert Verkehrsjournalist Thomas Rietig auf airliners.de die Luftverkehrswirtschaft mit anderen Verkehrsträgern

Thomas Rietig Thomas Rietig ist freier Journalist und Blogger in Berlin. Einer seiner Schwerpunkte ist die Verkehrspolitik mit jahrzehntelanger Erfahrung als Nachrichtenjournalist bei der Associated Press. Er bloggt unter schienestrasseluft.de journalistisch und unter etwashausen.de satirisch. Kontakt: thomas.rietig@rsv-presse.de

Von: br

Datum: 04.01.2019 - 11:12

Adresse: http://www.airliners.de/gute-vorsaetze-schiene-strasse-luft-25/48303