Gutachter: Volkswirtschaftliches Plus durch Flughafen Münster

07.11.2013 - 07:14 0 Kommentare

Der Flughafen Münster/Osnabrück macht seit Jahren Verluste. Das trifft vor allem die beiden Städte und den Kreis Steinfurt. Die Wirtschaft aber steht hinter dem Unternehmen und verweist auf ein neues Gutachten.

Flughafen Münster/Osnabrück

Flughafen Münster/Osnabrück
© FMO

Gerd Stöwer

Gerd Stöwer
© Stadt Münster

Ein Autobahnschild weist den Weg zum Flughafen Münster/Osnabrück.

Ein Autobahnschild weist den Weg zum Flughafen Münster/Osnabrück.
© dpa - Friso Gentsch

Boeing 737-800 der Ryanair am Flughafen Münster-Osnabrück

Boeing 737-800 der Ryanair am Flughafen Münster-Osnabrück
© dpa - Bernd Thissen

Dem Defizit des Flughafens Münster/Osnabrück steht laut einer Studie ein volkswirtschaftliches Plus gegenüber. Das ist das Fazit eines Gutachtens, das der Flughafen in Auftrag gegeben und jetzt in Greven vorgestellt hat. Nach Untersuchungen von Wissenschaftlern des Zentrums für Recht und Wirtschaft des Luftverkehrs (ZFL) in Trier hat das Unternehmen im Jahr 2012 Steuereinnahmen für Bund, Länder und Gemeinden von 39,8 Millionen Euro hervorgebracht. Die Gesellschafter des Airports - das sind vor allem die Städte Münster und Osnabrück sowie der Kreis Steinfurt - mussten im gleichen Zeitraum einen Verlust von 6,2 Millionen Euro hinnehmen. Die Wissenschaftler sprechen deshalb in ihrer Studie von einer «Umwegrentabilität».

Der Flughafen um Geschäftsführer Gerd Stöwer kämpft gegen rückläufige Passagierzahlen und negative Geschäftsergebnisse. Nach dem Rückzug der Fluggesellschaft Air Berlin musste das Unternehmen den Verlust von zahlreichen Arbeitsplätzen und Flugzielen hinnehmen.

Allein für das erste Halbjahr weist die Statistik des Flughafenverbandes ADV bei den Passagierzahlen in Münster/Osnabrück ein Minus von 17,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum aus. Von Januar bis Juni wurden rund 463.000 Fluggäste gezählt. Ähnlich fällt die Bilanz 2012 aus: Rund 1,01 Millionen Passagiere hatten einem Rückgang von 22,7 Prozent im Vergleich zum Jahr davor entsprochen. Im ersten Halbjahr 2013 hatten allerdings fast alle Flughäfen in Nordrhein-Westfalen sinkende Passagierzahlen zu verzeichnen. Die Statistiker führten dies vor allem auf mehrfache Arbeitsniederlegungen des Sicherheitspersonals zurück.

Die Ansiedlung des irischen Billiganbieters Ryanair in diesem Jahr konnte den Verlust in Münster/Osnabrück nicht ausgleichen. «Das ist auch eine Aufgabe für die nächsten Jahre und geht nicht von heute auf morgen», sagte Stöwer bei der Vorstellung des Gutachtens.

Fehler in den vergangenen Jahren eingeräumt

Als Motiv für das Gutachten nannte der Geschäftsführer Fehler in den vergangenen Jahren. «Wir haben es versäumt, auf die Bedeutung des Flughafens für die gesamte Region hinzuweisen.» Gerade in der Politik der am Flughafen beteiligten Kommunen und Kreise war in den vergangenen Monaten Unmut über Verluste des Flughafens aufgekommen. Gesellschafter sind die Stadt Münster (35 Prozent), der Kreis Steinfurt (30 Prozent), die Stadt Osnabrück (17 Prozent). Kleinere Anteilseigner sind weitere Städte und Kreise, Industrie- und Handelskammern sowie Handwerkskammern in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen.

Im Vergleich mit einem Gutachten für das Jahr 2007 der Uni Münster sind zwar die Verkehrszahlen am Flughafen Münster/Osnabrück bis 2012 um 35 Prozent zurückgegangen. Bei den Arbeitsplätzen aber fiel der Rückgang mit einem Minus von 20 Prozent moderater aus. Bei der jährlichen Bruttowertschöpfung kam es laut Studie trotz weniger Arbeitsplätzen am Flughafen und im Umfeld sogar zu einem Plus.

Lag dieser Wert 2007 noch bei 165 Millionen Euro, stieg er 2012 auf 170 Millionen Euro. Direkt, indirekt, induziert sowie über Incoming-Reisende sind laut Studie im vergangenen Jahr insgesamt 3.450 Arbeitsplätze mit der Leistungserstellung am Flughafen Münster/Osnabrück verbunden gewesen. Direkt auf dem Flughafengelände gibt es 1.289 Arbeitsplätze in 62 Betrieben, die eine Bruttowertschöpfung von 59,7 Millionen Euro in einem Jahr erzeugten.

«Erfolg lässt sich nicht nur an Passagierzahlen ablesen. Deshalb ist meine Forderung an die Politik, den Flughafen auch weiterhin zu unterstützen», sagte Karl-Friedrich Schulte-Uebbing von der Industrie- und Handelskammer Nord Westfalen.

Von: dpa, airliners.de
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