Günstiger Treibstoff beschert Lufthansa enormen Gewinnsprung

17.03.2016 - 10:23 0 Kommentare

Niedrige Treibstoffpreise, ein Beteiligungsverkauf und ein besser laufendes Passagiergeschäft haben der Lufthansa im vergangenen Jahr einen kräftigen Gewinnsprung beschert - trotz Streiks.

Carsten Spohr, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Lufthansa AG, spricht während der Lufthansa-Bilanz-Pressekonferenz in Frankfurt. - © © dpa - Arne Dedert

Carsten Spohr, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Lufthansa AG, spricht während der Lufthansa-Bilanz-Pressekonferenz in Frankfurt. © dpa /Arne Dedert

Billiges Kerosin hat der Lufthansa in ihrem Horrorjahr 2015 zu einem kräftigen Gewinnsprung verholfen. Während der Absturz eines Germanwings-Flugs und heftige Streiks das Unternehmen durchschüttelten, sprang der Überschuss deutlich nach oben, wie Europas größte Fluggesellschaft jetzt in Frankfurt mitteilte.

"Wirtschaftlich war 2015 ein gutes Jahr", resümierte der Vorstandsvorsitzende Carsten Spohr. Er verwies insbesondere auf das verdoppelte Jahresergebnis im Passagiergeschäft. Die Passagierzahlen hätten sich positiv entwickelt, während die Flotte um 15 Einheiten geschrumpft ist.

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Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr

Der Umsatz wuchs um knapp sieben Prozent auf 32,1 Milliarden Euro. Der operative Gewinn (Ebit) legte im Vergleich zum Vorjahr um rund 68 Prozent auf rund 1,7 Milliarden Euro zu, obwohl der Flugbegleiterstreik im Herbst das Unternehmen nach mehreren Ausständen der Piloten weitere 100 Millionen Euro kostete. Rechnet man die Sondererlöse dazu - wie den Verkauf der Beteiligung an der US-Fluglinie JetBlue - ging es auf mehr als 1,8 Milliarden Euro nach oben.

Billiger Treibstoff beflügelt

Die Ergebnisverbesserung sei aber auch maßgeblich durch die Passage-Airlines getrieben, teilte Lufthansa mit. Den Passagier-Airlines des Konzerns kam dabei vor allem das billige Kerosin zugute: Konzernweit waren die Treibstoffkosten um rund eine Milliarde auf 5,8 Milliarden Euro zurückgegangen, wie Finanzchefin Simone Menne berichtete.

Die Kernmarke Lufthansa, Swiss, Austrian Airlines sowie Eurowings und Germanwings konnten ihren operativen Gewinn in der Folge von 701 Millionen im Vorjahr auf 1,5 Milliarden Euro mehr als verdoppeln:

Auszüge aus der Präsentation zur Lufthansa-Bilanzpressekonferenz 2015: "Übersicht Geschäftsfelder GJ 2015" Foto: © Lufthansa

Germanwings flog dabei erstmals einen operativen Gewinn ein, und die gesamte neue Formation unter der Marke Eurowings kam auf ein bereinigtes Ebit von 38 Millionen Euro.

Zudem sind sowohl Umsatz als Gewinn der beiden größten Servicegesellschaften Lufthansa Technik und LSG SkyChefs zweistellig gewachsen. Lediglich die Logistik-Sparte macht Probleme: Lufthansa Cargo musste wegen Überkapazitäten auf dem Luftfrachtmarkt einen Gewinnrückgang um 40 Prozent hinnehmen:

Auszüge aus der Präsentation zur Lufthansa-Bilanzpressekonferenz 2015: "Übersicht Geschäftsfelder GJ 2015" Foto: © Lufthansa

Nachdem die Lufthansa-Aktionäre für das Jahr 2014 leer ausgegangen waren, soll für 2015 wieder eine Dividende gezahlt werden. Der Hauptversammlung werde vorgeschlagen, 50 Cent pro Aktie auszuschütten, erklärte das Unternehmen.

Weitere Informationen

Hier können Jahresabschluss und Geschäftsbericht für 2015 heruntergeladen werden.

Spohr bezeichnete das zurückliegende Jahr zugleich als ein "emotional sehr schwieriges". Dabei verwies der Lufthansa-Vorstandschef zum einen auf den Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen vor einem Jahr. Zum anderen erinnerte Spohr an die heftigen Tarifauseinandersetzungen. Mehrmals hatten die Piloten gestreikt, auch die Flugbegleiter traten in den Ausstand.

Verhaltener Ausblick

Für das laufende Geschäftsjahr strebe der Konzern "abermals ein höheres Ergebnis an", verkündete Spohr. Kapazitätswachstum werde es aber nur dort geben, wo "die Kostenstrukturen wettbewerbsfähig sind". Im Bezug auf Eurowings gehe es nun um die Etablierung als "pan-europäische Zweitmarke" und den weiteren Aufbau des Dachmarken-Konzepts. Das wird aber zunächst Geld kosten, daher geht Menne für 2016 von einem Verlust für Eurowings aus.

© Eurowings, Lesen Sie auch: Zur Nummer drei in Europa braucht Eurowings noch viel Auftrieb

Finanzchefin Menne erwartet, dass die Lufthansa eine weitere Milliarde Euro weniger für Treibstoff ausgeben muss. Die Ticketpreise dürften also weiter fallen. Die Lufthansa-Aktie reagierte am Morgen mit einem deutlichen Kursverlust auf die Nachrichten. Kurz nach Handelsstart verlor sie gut vier Prozent an Wert. Vor allem der Geschäftsausblick für 2016 dürfte einige Investoren enttäuschen, sagte ein Börsianer.

Von: dh mit dpa, AFP
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