Aufsichtsrat-Chef will keine Billigangebote am Flughafen Stuttgart

29.04.2019 - 17:26 0 Kommentare

Baden-Württembergs Verkehrsminister Hermann verlangt, dass der Flughafen Stuttgart mit Airlines über "unanständige" Flugpreise spricht. Der Grünen-Politiker muss sich als Aufsichtsrat-Chef für das große Wachstum am Airport rechtfertigen.

Beim Neujahrsempfang der Flughafen Stuttgart GmbH freuten sich über den Passagierrekord (von links) Walter Schoefer (Sprecher der Geschäftsführung der Flughafen Stuttgart GmbH), Dr. Arina Freitag (Geschäftsführerin der Flughafen Stuttgart GmbH) und Winfried Hermann (Minister für Verkehr Baden-Württemberg). - © © Flughafen Stuttgart -

Beim Neujahrsempfang der Flughafen Stuttgart GmbH freuten sich über den Passagierrekord (von links) Walter Schoefer (Sprecher der Geschäftsführung der Flughafen Stuttgart GmbH), Dr. Arina Freitag (Geschäftsführerin der Flughafen Stuttgart GmbH) und Winfried Hermann (Minister für Verkehr Baden-Württemberg). © Flughafen Stuttgart

Der grüne Verkehrsminister in Baden-Württemberg Winfried Hermann hat Anbieter von Billigflügen scharf kritisiert. "Ich finde es persönlich unanständig und verantwortungslos, so ein Angebot zu machen", sagte er am Montag in Stuttgart gefragt nach Billigflügen etwa der neuen österreichischen Fluglinie Lauda.

"Das ist nicht in meinem Sinne", sagte Hermann, der auch Vorsitzender des Aufsichtsrats des Stuttgarter Flughafens ist. Er habe der Geschäftsführerin mitgeteilt, dass sie mit den Gesellschaften reden soll, dass man solche Billigangebote für eine "unangenehme und unangemessene Botschaft" halte.

Die Botschaft, dass Flugverkehr nichts koste und nichts bedeute für die Umwelt, sei das völlig falsche Signal, sagte Hermann. Ein Flug für 9,90 Euro oder 29,90 Euro könne zudem nie wirtschaftlich sein. "Das sind ganz wenige Lockvogelangebote und der Rest ist dann teurer."

Kritik von Umweltschützern

Der Grünen-Politiker sieht sich aktuell Vorwürfen von Umweltverbänden ausgesetzt, dem Passagierwachstum am mehrheitlich in Landesbesitz befindlichen Flughafen keinen Einhalt zu gebieten. BUND und lokale Umweltschützer hatten die Entwicklung zuletzt schwer kritisiert und statt Wachstum eine "Schubumkehr zu klimafreundlichen Mobilität" gefordert.

Man setze auf "qualitatives, nicht auf quantitatives Wachstum", betonte Hermanns Sprecher zuletzt und lies zeitgleich mitteilen, die Airlines hätten einen Rechtsanspruch auf die Nutzung des Flughafens. Auch der Flughafenbetreiber selbst muss sich nun in tiefstapeln üben. Die Entwicklung werde nicht von den Flughäfen gesteuert, sondern sei "nachfragebedingt", so die Flughafen-Gesellschaft.

Seit 2015 schwingt sich Stuttgart von einem Passagierrekord zum nächsten. Aktuell erwartet man weit über zwölf Millionen Passagiere und wird damit auch den Flughafen Köln/Bonn überholen, der zuletzt der siebt-größte Flughafenstandort Deutschlands war.

Eurowings und Lauda sind größte Anbieter

In der Tat nimmt das Sitzplatzangebot in diesem Sommer an kaum einem deutschen Flughafenstandort so stark zu wie in Stuttgart. Wachstumstreiber der Entwicklung ist aktuell vor allem die Lowcost-Airline Lauda, die sich in kurzer Zeit zum zweitgrößten Anbieter am Platz gemausert hat.

So betreib die österreichische Ryanair-Tochter seit Beginn des Sommerflugplans eine Basis an Baden-Württembergs größtem Airport und haben zunächst drei Maschinen vom Typ Airbus A320 am Platz stationiert. Lauda fliegt im Sommer 19 Destinationen ab Stuttgart an, vor allem nach Italien aber auch weitere touristische Ziele wie Kroatien.

Vom Kapazitätsangebot her ist allerdings Eurowings aktuell die mit großem Abstand wichtigste Airline am Platz. Der Lufthansa-Billigflieger hat aktuell 20 Flugzeuge in Stuttgart stationiert. Darüber hinaus hat der Flughafen ein sehr breites Portfolio an Kunden, von denen etliche ihre Angebote im Sommer ausgebaut haben.

Fluggesellschaften am Flughafen Stuttgart
Airline Kapazitäten
Eurowings 2122962
Lauda 507087
Easyjet 325128
Tuifly 284445
Sun Express 265419
Lufthansa 231318
Condor 216681
Turkish 204090
Austrian 131324
Pegasus 124830
Swiss 113632
KLM 94084
Vueling 64420
Aegean 62988
SAS 58920
Aeroflot 58162
Air France 57298
British Airways 56637
TAP 55272
Delta 49307
Ryanair 48951
Blue Air 39456
LOT 37180
Flybe 25282
Air Serbia 24624
Onur Air 23720
Finnair 20200
airBaltic 16675
Corendon 16254
Iberia 13963
Ellinair 12064
Nouvelair 8820
Twin Jet 6289
Israir 1620

Kapazitätsangebot nach Sitzplätzen der Fluggesellschaften am Flughafen Stuttgart im Sommer 2019.Quelle: ch-aviation/OAG

Damit der Flughafen bis 2030 die prognostizierten 14,5 Millionen Passagiere jährlich abfertigen kann, sind bereits Erweiterungen in Planung. So sollen rund 300 Millionen Euro in die Terminal-Infrastruktur investiert werden. Neben einer generellen Modernisierung steht auch ein kompletter Neubau von Terminal 4 an. Viel Geld fließt dabei in die Energieeffizienz-Standards.

© dpa, Sebastian Gollnow Lesen Sie auch: Flughafen Stuttgart will Terminals erneuern

Von: dh mit dpa
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