Bund weist Kritik an Piloten-Kontrollen zurück

07.04.2017 - 15:19 0 Kommentare

Die Grünen sehen Mängel bei der Gesundheitsprüfung von deutschen Piloten. Es geht dabei auch um offene Fliegerarzt-Stellen und eine Datenbank, die infolge des Germanwings-Absturzes eingeführt werden soll.

Blick in das Cockpit einer Boeing 737. - © © AirTeamImages.com - Jorgen Syversen

Blick in das Cockpit einer Boeing 737. © AirTeamImages.com /Jorgen Syversen

Das Bundesverkehrsministerium hat Zweifel an Kontrollen der Gesundheits-Checks von deutschen Piloten zurückgewiesen. Als Konsequenz aus dem Absturz der Germanwings-Maschine 2015 seien seit Mitte vergangenen Jahres Neuregelungen in Kraft, deren Maßnahmen nun umgesetzt würden, sagte ein Ministeriumssprecher jetzt in Berlin. Das zuständige Luftfahrt-Bundesamt (LBA) sei in der Lage, die Kontrollen durchzuführen.

Die Grünen hatten die Gesundheitsprüfung Piloten kritisiert. "Auch zwei Jahre nach dem Germanwings-Unglück ist das Luftfahrt-Bundesamt noch immer nicht in der Lage, Flugtauglichkeitsuntersuchungen nachzuprüfen", sagte Grünen-Verkehrsexperte Stephan Kühn. "Das ist nicht nur ein Software-, sondern vor allem ein Personalproblem: zu wenig Mitarbeiter und unverändert unbesetzte Stellen."

Die Bundesregierung hatte vor etwa einem Jahr beschlossen, dass Piloten strenger auf Alkohol und Drogen getestet werden. Das beinhaltet Zufallskontrollen, aber auch eine flugmedizinische Datenbank. Die Regierung reagierte mit dem entsprechenden Gesetz auf den Absturz der Germanwings-Maschine (Flug 4U9525).

© dpa, Fredrik Von Erichsen Lesen Sie auch: Bundestag beschließt strengere Piloten-Kontrollen

Den Ermittlungen nach hatte der Copilot die A320 zum Absturz gebracht. Er hatte zuvor mehrere Ärzte aufgesucht. Kurz vor der Katastrophe, bei der 150 Menschen starben, wurde ihm eine Einweisung in ein psychiatrisches Krankenhaus empfohlen. Die Behörden wussten davon nichts.

Datenbank soll bald kommen

Die Grünen-Fraktion im Bundestag hat zu den Kontrollen und Maßnahmen nun eine parlamentarische Anfrage gestellt. Die Antwort der Bundesregierung liegt airliners.de vor. Daraus geht hervor, dass die elektronische flugmedizinische Datenbank noch nicht in Betrieb ist. Mit ihr sollen sich Flugmediziner über vorherige Untersuchungen informieren können - so soll verhindert werden, dass Piloten von einem Arzt zum nächsten gehen, bis ihnen einer bescheinigt, dass sie gesund sind und fliegen dürfen.

Die Datenbank werde in Kürze den Fliegerärzten zur Verfügung stehen, heißt es von Seiten der Bundesregierung. Für die Beschaffung der notwendigen Software "war eine zeitintensive, europaweite öffentliche Ausschreibung erforderlich".

Außerdem räumte die Regierung ein, dass derzeit zwei von sechs Fliegerarzt-Stellen im Luftfahrt-Bundesamt unbesetzt sind. Die Behörde untersteht dem Verkehrsministerium. Für die zwei offenen Posten wird derzeit Personal gesucht.

Kontrollen bisher "unauffällig"

Die Regierung äußerte sich außerdem konkret zu unangekündigten Pilotenkontrollen. In diesem Jahr habe es 40 stichprobenartige Kontrollen auf den Konsum von Alkohol und Drogen gegeben, hieß es. Die Ergebnisse seien alle "unauffällig" gewesen. Zuvor seien die Voraussetzungen für diese Kontrollen geschaffen worden. Das Gesetz ist seit dem 3. Juli 2016 in Kraft.

© dpa, Stephanie Pilick Lesen Sie auch: BDL für europaweite Regelung bei unangemeldeten Pilotentests

Nach dem Germanwings-Absturz hatte sich eine deutsche Arbeitsgruppe auch für die verpflichtende Einrichtung von Anlaufstellen auf europäischer Ebene ausgesprochen. An diese können sich Piloten und Crewmitglieder wenden, wenn sie bei sich selbst oder ihren Kollegen Auffälligkeiten beobachten. Die Bundesregierung geht in ihrer Antwort an die Grünen davon aus, dass noch in diesem Jahr eine europäische Regelung kommt.

Von: ch, mit Material von dpa-AFX
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