Die Born-Ansage (83) ( Gastautor werden )

"Group in the Group" oder Gernegroß Eurowings

12.04.2018 - 12:00 0 Kommentare

Eurowings deklariert sich einfach zur Group. Karl Born findet, damit macht sich die Kranich-Tochter größer, als sie eigentlich ist, und statt einer Group ähnelt die Airline eher einem Gemischtwarenladen.

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. - © © airliners.de, Karl Born -

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. © airliners.de, Karl Born

Was tut man nicht alles, wenn man mal richtig groß sein will! Eurowings, die es inzwischen mit fast jedem treibt, der zufällig ein Flugzeug übrig hat, will jetzt auch offiziell zeigen, in welcher Klasse man spielt. Viele Unternehmen, wenn sie ihre Größe deklarieren wollen, nennen sich deshalb auch "Group".

Das setzt natürlich voraus, anders macht die Bezeichnung keinen Sinn, dass in der betreffenden "Group" sich mindestens zwei (meistens mehr) Tochterunternehmen unter einem Dach befinden. Bei "Lufthansa Group" beispielsweise ist dies für jedermann ersichtlich.

Aber was macht so ein Klein Gernegroß wie Eurowings, der seit Monaten ohnmächtig zusehen muss, wie Ryanair via Pressemitteilungen und verschiedenen Rechenmethoden darum buhlt, "Europas Airline Nr.1" zu sein? Antwort: Man katapultiert sich einfach eine Liga höher und nennt sich Group. Group zeugt von Größe, das muss man dann nicht quantitativ beweisen.

alternativer Text

Screenshot aus dem offiziellen Eurowings-Youtube-Channel.Foto: © Eurowings Group

Wie funktioniert bei Eurowings dieser Trick? Pünktlich zur Übernahme einiger Eurowings-Langstrecken durch Brussels Airlines verbindet man optisch die beiden Logos von Eurowings und Brussels Airlines und schreibt keck "Eurowings Group" drüber. Also eine Art Group klein innerhalb Group groß (sprich Lufthansa).

Eher Gemischtwarenladen statt Group

Wenn mir jemand sagen würde: "Vervollständige den Begriff Eurowings G…", würde ich statt Group eher das G mit Gemüseladen oder Gemischtwarenladen ergänzen. Czech Airlines, Lauda Motion, Privat Air, Tui Air Nederlands, Tuifly, Eurowings Europe, Sun Express, Germanwings, LGW (garantiert habe ich noch etwas vergessen) und natürlich Eurowings selbst - kein Kunde kann "sich sicher sein", mit wem er nach seiner Buchung tatsächlich fliegt. Natürlich müssen andere Airlines "auch mal" Subcharter einsetzen, aber nicht als System und in dieser Anzahl gemessen an der eigenen Größe.

Verwirrender wird das Bild noch, wenn diese Subcharter regelmäßig über längere Zeit mit deren eigenem Markenauftritt und Crews unterwegs sind oder, wie Eurowings-Boss Dirks dieser Tage zugestehen musste, wenn auf demselben Flug Flugbegleiter in Eurowings-Uniform und Ex-Air Berlin Mitarbeiter in original Air-Berlin-Uniformen ihren Job machen.

"Markenchaos" oder einfach "im Auftritt mal locker sein"? Zu Letzterem passt, wenn man seine künftigen Mitarbeiter unter anderem auch auf der Dating-Plattform Tinder sucht.

Zum neuen Super-Markenauftritt der Mutter Lufthansa passt das Gebaren der Tochter Eurowings garantiert nicht. Das wird auch durch ein seriös erscheinendes "Eurowings Group" nicht besser.

Über den Autor

In seiner Reihe "Die Born-Ansage" veröffentlicht der ehemalige Condor-Vertriebschef, Tui-Vorstand und Touristik-Honorarprofessor Karl Born auf airliners.de Kolumnen zum aktuellen Geschehen in der Luftverkehrswirtschaft.

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund. Kontakt

Von: Karl Born für airliners.de
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