Die Born-Ansage (105)

Großmannssucht A380 - Eine teure Fußnote der Fliegerei

28.02.2019 - 11:25 0 Kommentare

Airbus A380 weg, Milliarden weg, Dorf weg. Und das ist noch nicht alles. Karl Born hat zwar durchaus Verständnis für euphorische Fehlplanungen. Aber nicht in diesen Dimensionen.

Montage: airliners.de - © © dpa; Privat -

Montage: airliners.de © dpa; Privat

Es sollte der ganz große Wurf werden und Boeing das Fürchten lehren: der Airbus A380. Mit 3,5 Milliarden Euro Staatsdarlehen von Frankreich, Spanien, Großbritannien und Deutschland im Rücken lässt es sich ja auch gut planen.

Fehlplanungen können immer passieren, wenn man die Hochrechnung in die Zukunft nicht differenziert genug vornimmt. Allerdings - zum Glück – nur selten in dieser Größenordnung!

Der Luftfahrt-Koordinator der Bundesregierung Thomas Jarzombik weiß zwar noch nicht, was diese Fehlplanung den deutschen Steuerzahler kosten wird, aber er weiß sicher, dass das Modell A380 letztlich "ein Erfolg" sei.

© AirTeamImages.com, Paul Marais-Hayer Lesen Sie auch: Das sind die Reaktion auf das A380-Aus

Wenn so etwas richtig Großes geplant wird, hängen sich gerne andere mit grundsätzlich großen Bemerkungen an, ohne zusätzlich eigenes Wissen zu präsentieren. So meinte damals, in der Hochphase der A380 Euphorie, der Präsident des Vereins Berliner Kaufleute, Markus Voigt: "Wer sich nicht auf größere Flugzeug einstelle, nimmt sich die Chance, den Flughafen weiterzuentwickeln."

Wobei das Wort "weiterzuentwickeln" im Zusammenhang mit dem BER schon damals ziemlich großspurig war, denn bis dato war noch überhaupt nichts entwickelt. Auch aus dem Berliner-Abgeordnetenhaus kam sofort Unterstützung: "Think Big". Nicht ganz un-berlinerisch.

Der Flughafen zog also die Geschäftsführung von Air Berlin zu Rate, die damals auch noch keine Grenzen sah. Es ist nicht überliefert, mit wie vielen A380 damals Air Berlin plante, aber dass der Flughafen die Voraussetzung für einen A380 schaffen müsse, war für jeden selbstverständlich.

"Think Big" am BER mit Perlenkette

Es begann danach der ganz normale BER-Wahnsinn von Planen und Umplanen. Also Passagierbrücken für den A380 müssen her. Aber schließlich strichen Planer in Abstimmung mit der Geschäftsführung den Brückenanschluss wieder.

Dann kam Mr. "Think Big" Klaus Wowereit, ein großer Flughafenversteher, ins Spiel. Der faltete die Flughafen-Geschäftsführung zusammen und verkündete seine Weisheit: "Ein Hauptstadtflughafen ohne A380-Brücke sei ein Unding". Also wieder Umplanen, und zwar mit Goldrand: Das leere A380-Gate am leeren BER erkennen kundige Beobachter an einer überdimensionierten Perlenkette. Toll!

Spätestens jetzt habe ich Lust, Wilhelm Busch zu zitieren: "Wehe, wenn ich auf das Ende sehe". Klaus Wowereit – weg, Air Berlin - weg, damalige Flughafen-Geschäftsführung - auch weg. Selbst die letzte Ausrede, wir brauchen die Brücken für andere Airlines – ebenfalls weg. Weil, A380 - generell weg. Was kann jetzt noch kommen? BER - auch weg?

© dpa, Patrick Pleul Lesen Sie auch: "Die Zeit der ganz großen Jets ist vorbei" Interview

Aber circa 250 Kilometer westlich von Berlin, hat das A380-Schicksal noch viel härter zugeschlagen. In Neuenfelde, nahe des Airbus-Flughafens Hamburg-Finkenwerder, wurde ein ganzes Dorf wegradiert, weil die Start- und Landebahn um 600 Meter verlängert werden musste - und zwar für die Frachtversion des A380. Und dieser vorauseilende Gehorsam ist besonders makaber, weil es keinen einzigen A380-Frachtflieger gab und je geben wird.

Dorf weg, ist vielleicht noch schlimmer als Milliarden weg. A380, eine teure Fußnote der Fliegerei.

Über den Autor

In seiner Reihe "Die Born-Ansage" veröffentlicht der ehemalige Condor-Vertriebschef, Tui-Vorstand und Touristik-Honorarprofessor Karl Born auf airliners.de Kolumnen zum aktuellen Geschehen in der Luftverkehrswirtschaft.

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund. Kontakt

Von: Karl Born für airliners.de
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