Kurzinterview

"Insolvenzverwalter haben grenzübergreifend effizient gearbeitet"

23.01.2018 - 12:44 0 Kommentare

Lauda bekommt seine Niki zurück. Dabei gab es bereits einen Kaufvertrag für die Air-Berlin-Tochter mit IAG-Billigflieger Vueling. Das wirft Fragen auf; Antworten von Insolvenzrechtler Jörn Weitzmann.

Niki Lauda (hinten) und Flugzeugmodell der Niki. - © © dpa - Lilli Strauss/AP

Niki Lauda (hinten) und Flugzeugmodell der Niki. © dpa /Lilli Strauss/AP

Nach monatelangem Tauziehen scheint nun endgültig klar, wer die ehemalige Air-Berlin-Tochter Niki übernehmen darf: Der österreichische Gläubigerausschuss hat sich für das Angebot von Gründer Lauda entschieden. Nun könnte alles ganz schnell gehen, sagt Jörn Weitzmann, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Insolvenzrecht und Sanierung im Deutschen Anwaltverein, im Kurzinterview mit airliners.de.

Lieber Herr Weitzmann, Niki ist in Deutschland in einem vorläufigen Verfahren an Vueling verkauft, in Österreich im Hauptverfahren an Gründer Lauda - wer hat denn nun den Zuschlag?
Jörn Weitzmann: Herr Flöther hat ja heute Morgen betont, dass sich beide Verwalter einig sind und die Mitteilung aus der Nacht kam ja auch von Frau Reisch und Flöther zusammen, sodass der Erwerber, der jetzt den Zuschlag erhält, Niki auch rechtssicher erwerben kann - sprich Herr Lauda. Die Zusammenarbeit der Verwalter ist für die Massen vorteilhaft. Die angebotene Rechtssicherheit wirkt sich positiv auf den Kaufpreis aus; ein wirtschaftlicher Einbehalt wegen bestehender rechtlicher Unsicherheiten braucht dann nicht mehr vorgenommen zu werden. Der Erwerber kann sich jetzt direkt um organisatorische und betriebswirtschaftliche Themen kümmern - und davon gibt es einige, schließlich soll die gegroundete Niki im März wieder in der Luft sein.

Über den Interviewpartner

Jörn Weitzmann Rechtsanwalt Jörn Weitzmann ist Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Insolvenzrecht und Sanierung im Deutschen Anwaltverein. Die Insolvenzen von Air Berlin und Niki hätten gezeigt, wie wichtig es sei, dass Unternehmen in finanzieller Schieflage rechtzeitig vom Markt genommen und saniert werden müssen, damit die Gläubiger nicht belastet würden.
Kontakt: www.kilger-law.de

Für die Mitarbeiter war das jetzt eine ziemliche Hängepartie - beginnend bei der Lufthansa-Ansage über das Beinahe-Verbot der EU bis hin zum Kauf von Vueling und letztlich Lauda … Gibt es auch irgendwas Positives an dem Fall?
Zumindest für die vergangene Woche lässt sich da die professionelle Zusammenarbeit zwischen dem deutschen vorläufigen Insolvenzverwalter Flöther und der österreichischen Masseverwalterin Reisch hervorheben. Dies zeigt, dass man in der Lage ist, auch grenzübergreifend effizient und effektiv bei bestehenden rechtlichen Unsicherheiten zusammenzuarbeiten und tragfähige belastbare wirtschaftliche Ergebnisse zu erreichen.

Aber dennoch gibt es ja unterschiedliche Ergebnisse beider Verwalter - kann IAG jetzt den Deal eigentlich noch für sich drehen?
Es ist davon auszugehen, dass in beiden Verfahren die Interessenten aufgefordert wurden, entsprechende konkrete belastbare Angebote abzugeben und auf Grundlage der zuletzt vorliegenden Gebote und deren Bewertung die Entscheidung getroffen wurde.

Wie lang könnte sich das Verfahren eigentlich noch hinziehen bis dann letztlich die EU-Kommission prüft und Lauda seine Unterschrift druntersetzen kann?
Nach der erfolgten wirtschaftlichen Absprache zwischen den Insolvenzverwaltern können jetzt auch zügig noch verbliebene rechtliche und technische Themen geklärt werden. Es ist davon auszugehen, dass Herr Lauda diese Themen parallel zu seinem Gebot bereits vorbereitet hat, sodass jetzt unverzüglich die erforderlichen Überprüfung und Verfahren für die Genehmigungen eingeleitet werden können.

Vielen Dank, Herr Weitzmann.

Von: cs
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