Golfkrise schürt Sorgen um Weltwirtschaft

14.06.2019 - 16:54 0 Kommentare

Ein sich verschärfender Konflikt im Golf von Oman könnte der Weltwirtschaft nach Ansicht von Ökonomen einen weiteren Dämpfer verpassen und auch die internationale Luftfahrt belasten. Dabei geht es nicht nur um den Ölpreis.

Ein Flugzeug hinterlässt am Berliner Himmel Kondensstreifen. - © © dpa - Patrick Pleul

Ein Flugzeug hinterlässt am Berliner Himmel Kondensstreifen. © dpa /Patrick Pleul

Nach den mutmaßlichen Angriffen auf zwei Tankschiffe nahe der ölreichen Region waren die Ölpreise zwar zunächst gestiegen. Das deutliche Plus war aber nur von kurzer Dauer. Am Freitag gaben sie einen Teil der deutlichen Gewinne wieder ab. Die Auswirkungen auf Benzinpreise waren zunächst unklar. Der Außenhandelsverband BGA warnte vor einer Eskalation und steigenden Ölpreisen, was erheblich auf die globale und deutsche Wirtschaft durchschlagen würde.

Die Umstände der schweren Zwischenfälle blieben zunächst mysteriös. Was sich auch an den Märkten widerspiegelte: Die Ölpreise knüpften am Freitagmorgen noch an den Höhenflug vom Vortag an, drehten im weiteren Handel aber in die Verlustzone. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete mittags 61,14 US-Dollar - 17 Cent weniger als am Donnerstag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate fiel um 23 Cent auf 52,05 Dollar.

"Am Ölmarkt machte sich als Reflex sogleich Sorge um Lieferunterbrechungen breit, mit entsprechenden Auswirkungen auf die Preise", kommentierten Experten des Bankhauses Metzler. Nach Einschätzung des Rohstoffexperten Frank Schallenberger von der Landesbank Baden-Württemberg bleiben die Auswirkungen einzelner

Attacken auf Öltanker in der strategischen wichtigen Region begrenzt.

Die betroffene Meerenge ist eine der wichtigsten Seestraßen der Welt. Über die Straße von Hormus läuft ein großer Teil des weltweiten Öltransports per Schiff. Es sei kaum möglich, die Straße von Hormus als eine Schlagader der Weltwirtschaft dauerhaft zu umgehen, erklärte der Außenhandelsverband BGA.

"Eine weitere Eskalation muss verhindert werden", warnte BGA-Präsident Holger Bingmann. "Wir wollen die ohnehin bestehende Unsicherheit nicht noch weiter schüren, indem wir über mögliche Folgen spekulieren. Natürlich drohen bei einer weiteren Eskalation erhebliche Beeinträchtigungen für die Weltwirtschaft, deren Umfang heute nicht abzuschätzen ist, aber deren Folgen alle träfen."

Experten warnen vor Auswirkungen auf Luftverkehr

Zu möglichen Auswirkungen auf die internationale Luftfahrt und den Tourismus in der Krisenregion halten sich Experten bedeckt. Die Lufthansa wollte sich am Freitag zu möglichen Szenarien nicht äußern, weil es dafür noch viel zu früh sei, wie ein Sprecher in Frankfurt betonte.

Sollte es zu kleineren, partiellen Luftraumsperrungen kommen, müssen diese umflogen werden, sagte der Luftfahrtexperte Gerald Wissel von der Beratungsgesellschaft Airborne: "Das könnte dann vor allem im Asienverkehr zu Verspätungen führen."

Wissel hält es zum gegenwärtigen Zeitpunkt für sehr unwahrscheinlich, dass die großen Drehkreuze der arabischen Fluggesellschaften in Katar oder Dubai geschlossen werden. Die dortigen Airlines könnten ihre Drehkreuze aufrecht halten, würden aber möglicherweise Fluggäste verlieren, die dann eher europäische Drehkreuze nutzen würden. Bei einer größeren Krise sei es denkbar, dass die westlichen Gesellschaften die Ziele am arabischen Golf nicht mehr anfliegen.

Dem Deutschen Reiseverband zufolge merkt die Tourismusindustrie derzeit noch keine Auswirkungen. In der Region sei es derzeit extrem heiß, so dass die Hauptreisesaison in die Golfstaaten erst im Winter beginne. "Wir - die Reisewirtschaft und damit die Reiseveranstalter und Fluggesellschaften - beobachten die Lage aufmerksam", sagte ein Sprecher.

Von: dpa
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