Icao verhandelt globales Klimaschutzabkommen für die zivile Luftfahrt

27.09.2016 - 09:33 0 Kommentare

Die internationale Zivilluftfahrtorganisation Icao hat sich für ihre aktuelle Klausurtagung in Montreal Großes vorgenommen: Ein globales Klimaschutzabkommen für den Luftverkehr soll beschlossen werden.

Ein Flugzeug startet vor zwei Kondensstreifen - © © dpa, F. Rumpenhorst -

Ein Flugzeug startet vor zwei Kondensstreifen © dpa, F. Rumpenhorst

In Montreal kommen ab heute Regierungsvertreter der 191 Icao-Nationen zur Generalversammlung zusammen. Die 39. Klausur der UN-Luftfahrtbehörde läuft noch bis zum 7. Oktober und steht vor allem unter einem Zeichen: Für die zivile Luftfahrt soll ein globales Klimaschutzabkommen beschlossen werden.

Für Deutschland verhandeln Vertreter der Bundesministerien für Umwelt, Verkehr sowie Justiz über das Abkommen. Auch das Umweltbundesamt und das Auswärtige Amt senden Mitarbeiter nach Montreal. Vertreter der deutschen Luftfahrtbranche sind ebenfalls Teil der deutschen Delegation. Sie haben bei den Verhandlungen allerdings lediglich Beobachterstatus.

Weltweit erste Vereinbarung ihrer Art

Das Klimaschutzabkommen für die Luftfahrt wäre die erste weltweite Vereinbarung ihrer Art. Mit dem Vorstoß folgen die Staaten den Vorgaben des Kyoto-Protokolls von 1997, in dem eine Regelung für die Luft- und Seefahrt international verbindlich beschlossen wurde. Die International Air Transport Association (Iata) hatte daraufhin einen Plan ausgearbeitet, der für 2050 eine Halbierung der Emissionen im Vergleich zu 2005 anpeilt.

Bis alternative Treibstoffe und gänzlich neue Technologien aber tatsächlich eine Netto-Reduzierung der Emissionen der Luftfahrt ermöglichen, soll das weitere Wachstum im Luftverkehr zunächst CO2-neutral gestaltet werden. Dazu haben die Icao-Länder nun ein Offsetting-System zur Emissions-Kompensation ausgearbeitet.

Ziel des Corsia (Carbon Offsetting and Reduction Scheme for International Aviation) genannten Abkommens ist, die wachstumsbedingten Luftfahrt-Emissionen ab 2020 schrittweise zu kompensieren. Dazu sollen die Luftverkehrsgesellschaften Emissions-Zertifikate erwerben. Mit den Einnahmen daraus sollen dann Klimaschutzmaßnahmen finanziert werden - etwa der Bau von Wasserkraftwerken.

Emissions-Roadmap im Luftverkehr. Bei Corsia geht es um den hellblauen Bereich "Economic Measures". Grafik: © Iata

Viele Staaten haben bereits Zustimmung signalisiert

Zum Anfang September veröffentlichten Entwurf für das Corsia-Abkommen haben bereits etliche Staaten ihre Zustimmung signalisiert, darunter insgesamt 44 europäische Staaten, die USA und China. Als ungewiss gilt dagegen etwa die Unterzeichnung durch Russland oder Indien. Beobachter gehen allerdings davon aus, dass sich die Icao-Nationen einigen werden.

© dpa, Andreas Gebert Lesen Sie auch: Branche und Umweltschützer kritisieren Icao-Klimaschutzpläne als zu schwach

Das hat einen recht einfachen Grund: Bis zum Jahr 2027 soll die Teilnahme der einzelnen Länder an Corsia freiwillig sein. Erst danach werden alle Nationen mit nennenswertem Luftverkehrsaufkommen zur Beteiligung verpflichtet. Das kritisieren nicht nur Umweltverbände, denen die Maßnahmen generell nicht weit genug gehen. Die deutsche Luftverkehrsbranche etwa warnt in Bezug auf die fehlende Verbindlichkeit vor weiteren Verzerrungen im internationalen Wettbewerb und fordert zur Icao-Generalversammlung ebenfalls eine Verschärfung der der Kriterien.

Von: dh, gk
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