Airlines fürchten neue Debatte

Giftige Dämpfe in der Kabinenluft?

12.08.2010 - 17:05 0 Kommentare

Ein internes Papier des Bundesverbandes Deutscher Fluggesellschaften (BDF) sorgt für eine erneute Debatte über giftige Dämpfe in Flugzeugkabinen. Die Vereinigung Cockpit fordert eine umfassende Untersuchung der Zusammenhänge.

Flugzeugkabine - © © AirTeamImages.com -

Flugzeugkabine © AirTeamImages.com

Die deutschen Fluggesellschaften fürchten eine neue Sicherheitsdebatte, die zu einem massiven Reputationsverlust und Passagierrückgängen führen könnte. Hintergrund sind Berichte über Giftstoffe in der Kabinenluft, die als Ursache von Erkrankungen von Piloten und Flugbegleitern diskutiert werden. In einem dem Radioprogramm NDR Info vorliegenden vertraulichen Papier des Bundesverbandes deutscher Fluggesellschaften (BDF) äußern sich die Mitgliedsunternehmen besorgt über ein «potenzielles Aufflammen der öffentlichen Diskussion» über dieses Thema.

Nach Angaben von Jörg Handwerg, Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit (VC), gibt es weltweit schon mehr als 500 Fälle, in denen Besatzungsmitglieder Erkrankungen auf das Einatmen von Giftstoffen in der Kabinenluft zurückführen. Betroffen seien auch Passagiere.

Konstruktionsbedingt werde den Angaben zufolge die Kabinenluft bei Verkehrsflugzeugen am Triebwerk gezapft. Unter bestimmten Umständen können Öldämpfe und damit Schadstoffe wie das Nervengift Trikresylphosphat (TCP) in die Kabine gelangen. Die Fluggesellschaften verweisen in dem Papier jedoch darauf, dass «zur spezifischen Frage der Gesundheitsgefährdung bei Menschen durch Spuren von TCP in Flugzeugkabinen bisher weltweit keine wissenschaftlich fundierten Ergebnisse» vorlägen. Zudem sei es teuer, solchen Zwischenfällen vorzubeugen, heißt es in dem unter Verschluss gehaltenen Dokument.

Handwerg kritisierte die Angst der Fluggesellschaften vor negativen Auswirkungen aufs Geschäft. «Dabei ist es ein Problem, das Tausende von Flugzeugen weltweit betrifft. Trotzdem möchte man kein Geld ausgeben. Wir fordern eine unabhängige und umfassende Untersuchung der Kausalkette Kontamination der Luft bis hin zum Krankheitsbild.»

Eine BDF-Sprecherin wollte zu den Inhalten des vertraulichen Dokuments nicht Stellung zu nehmen. Es handele sich bei dem Papier um einen «allerersten Entwurf». Schon 2009 hatte das ARD-Wirtschaftsmagazin "plusminus" über Nervengift-Spuren in der Kabinenluft berichtet. 

Weitere Informationen zum Thema:

Von: ddp
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