Hintergrund

Gewinner und Verlierer des Pilotenstreiks

03.04.2014 - 14:35 0 Kommentare

Verärgerte Taxifahrer, millionenschwere Umsatzeinbußen bei Lufthansa, Mehrarbeit in Reisebüros - der Pilotenstreik belastet einige Branchen massiv. Es gibt aber auch Gewinner des mehrtägigen Ausstands.

Eine Anzeigetafel zeigt gestrichene Flüge als

Eine Anzeigetafel zeigt gestrichene Flüge als "Annulliert" an. © dpa /Fredrik von Erichsen

Tausende Flüge fallen aus, Passagiere müssen ihre Reisepläne ändern: Ein bisher beispielloser Streik der Lufthansa-Piloten behindert den Luftverkehr in Deutschland. Der Ausstand trifft Lufthansa und Flughäfen hart. Manche Branchen profitieren aber auch von dem Arbeitskampf. Eine Übersicht:

Gewinner

Lufthansa-Konkurrenten: «Die anderen Airlines wittern die Nachfrage und können ihre Preise hochfahren», heißt es beim Geschäftsreiseverband VDR. Wenn die Verbindungen passen, bucht sogar die Lufthansa ihre Passagiere auf die Maschinen der Konkurrenz um und muss die Kosten dafür übernehmen. Die in Frankfurt abhebenden Maschinen der Wettbewerber können zudem ihre Frachträume zu hohen Preisen auffüllen, weil die sonst dominierenden Kapazitäten der Lufthansa wegfallen.

Bahn: Nach Angaben eines Sprechers haben Lufthansa und ihre Tochter Germanwings 20.000 Gutscheine für die Bahn ausgegeben. Wie viele Tickets darüber hinaus zusätzlich verkauft wurden, konnte die Bahn am Donnerstag noch nicht beziffern.

Fernbusse: Busunternehmen berichten von gestiegener Nachfrage. «Bei kurzfristigen Buchungen haben wir seit der Ankündigung des Streiks eine deutliche Erhöhung registriert», sagt eine Flixbus-Sprecherin. Konkurrent Mein Fernbus registriert nach eigenen Angaben einen Zuwachs von sechs bis sieben Prozent täglich. Beim ADAC-Postbus heißt es, am Montag seien so viele Buchungen eingegangen wie nie zuvor. An diesem Tag sagte Lufthansa 3800 Flüge ab.

Mitfahrzentralen: Einzelne Städteverbindungen seien am ersten Streiktag um bis zu 25 Prozent stärker nachgefragt gewesen als sonst, berichtet Mitfahrgelegenheit.de. Nach Angaben eines Sprechers des Konkurrenten Blablacar ist vor allem die Strecke Frankfurt-München gefragt, hier habe es einen Anstieg um 50 Prozent gegeben.

Verlierer

Passagiere: Sie müssen ihre Reisepläne ändern, auf andere Verkehrsmittel umsteigen und zum Teil wichtige Termine absagen. Betroffen sind insgesamt etwa 425 000 Fluggäste. Lufthansa bietet ihnen Umbuchungen auf andere Termine, die Bahn und andere Airlines an.

Lufthansa: Den wirtschaftlichen Schaden des Ausstands beziffert der Lufthansa-Konzern auf einen hohen zweistelligen Millionenbetrag. Commerzbank-Analyst Frank Skodzik geht bei einem Vollstreik von einem täglichen Schaden zwischen 30 und 40 Millionen Euro aus.

Flughäfen: Die Lufthansa hat rund 3800 Flüge abgesagt. Den Flughäfen entgehen dadurch Start- und Landegebühren. Der Frankfurter Betreiber Fraport beklagt pro Streiktag einen Umsatzverlust im einstelligen Millionenbereich. Auch der Flughafen München geht bei drei Streiktagen von Einbußen in Millionenhöhe aus.

Taxis: «An den Flughäfen herrscht für uns gerade Saure-Gurken-Zeit», sagt Frederik Wilhelmsmeyer, Stellvertretender Geschäftsführer des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbands. Viele Fahrer steuerten Flughäfen derzeit erst gar nicht an. «Das Geschäft hat sich ein Stück weit an die Bahnhöfe und in die Innenstädte verlagert, aber es läuft natürlich trotzdem schlechter als sonst.»

Geschäfte an Flughäfen: Inhaber von Geschäften an Flughäfen klagen, dass kaum noch Kunden kommen. «All die Business-Kunden fallen weg», sagt beispielsweise eine Verkäuferin in einem Frankfurter Flughafen-Shop einer teuren Bekleidungsmarke.

Exportunternehmen: Im Einzelfall könne der Streik Firmen Probleme bereiten, sagt Gerhard Handke, Hauptgeschäftsführer des Außenhandelsverband BGA. «Aber wenn Lufthansa drei Tage nicht fliegt, wird die Exportnation Deutschland nicht untergehen». Kritisch werde es bei einem längeren Ausstand:«Dann kann die Logistikkette reißen.»

Reisebüros: Für sie bedeutet der Streik zusätzliche Arbeit mit Umbuchungen und Stornierungen. «Dies führt zu enormen Mehrkosten, die von niemandem erstattet werden», kritisiert der Deutsche Reiseverband DRV.

Von: dpa
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