Gewerkschaften wollen über Lufthansas Billigflieger verhandeln

10.07.2014 - 14:21 0 Kommentare

Lufthansa will ihren Billigsektor ausbauen. Die Gewerkschaften reagieren abwartend auf die Pläne des neuen Chefs Carsten Spohr. Sie wollen am Wachstum teilhaben, aber soziale Standards nicht aufgeben.

 Lufthansa-Flugzeuge stehen am Flughafen Düsseldorf auf dem Vorfeld.  - © © dpa - Federico Gambarini

Lufthansa-Flugzeuge stehen am Flughafen Düsseldorf auf dem Vorfeld. © dpa /Federico Gambarini

Bei der Lufthansa wollen die starken Gewerkschaften über die gerade vorgestellten Billigpläne des Vorstands verhandeln. Es sei vernünftig, die Kernmarke Lufthansa aufzuwerten und mit der Wings-Familie auf eine Zweitmarkenstrategie zu setzen, wenn dabei prekäre Arbeitsverhältnisse vermieden werden, sagte der Chef der Kabinengewerkschaft UFO, Nicoley Baublies, am Donnerstag. Auch Vertreter der Vereinigung Cockpit und Verdi hielten sich mit Kritik an den Plänen zurück, die der neue Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Mittwoch vorgestellt hatte.

Es sei unabdingbar, dass die Kabinencrews der Billigtöchter in Deutschland oder den anderen Heimatmärkten des Konzerns stationiert werden und hiesigem Tarifrecht unterliegen, verlangte Baublies. So habe er kein Problem damit, wenn künftig Eurowings-Maschinen in Basel eingesetzt werden und die Beschäftigten dann nach Schweizer Recht arbeiten. Es gehe aber nicht an, mit der Sunexpress aus der Türkei und zu dortigen Tarifbedingungen Langstrecken von deutschen Flughäfen anzubieten. Die Flieger müssten in Deutschland stationiert werden. «Das ist eine rote Linie für das Gesamtpaket», sagte Baublies.

Lufthansa hatte am Donnerstag bekräftigt, Sunexpress als Gemeinschaftsunternehmen mit der Turkish Airlines für künftige Billigangebote auf der Langstrecke nutzen zu wollen. Darüber gebe es bereits fortgeschrittene Gespräche, hatte Spohr versichert, was auch Sunexpress-Chef Paul Schwaiger dem Fachmagazin fvw bestätigte. Es stehe auch bereits fest, dass die Flieger in Deutschland beheimatet sein sollten. Das Dementi der Turkish vom Vorabend bezog sich danach auf die Gründung eines neuen Unternehmens. Den Ferienflieger Sunexpress hatten Turkish und Lufthansa 1989 ins Leben gerufen. Im Jahr 2013 beförderte die Gesellschaft nach eigenen Angaben rund 7 Millionen Fluggäste zwischen Deutschland und der Türkei.

UFO werde die Beschäftigten im Gesamtkonzern im Blick halten, sagte Baublies. «Wir haben die Konzernbrille auf.» Es gehe daher auch nicht an, dass die Tarifbedingungen bei der für den Europaverkehr vorgesehenen Eurowings dauerhaft unter denen bei Germanwings liegen. Wenn man dem Konzern tariflich entgegenkomme, werde das eher in einer umfassenden Regelung für alle geschehen und müsse zudem mit Gewinnbeteiligungen für den Erfolgsfall verbunden sein.

© dpa, Arne Dedert Lesen Sie auch: Vorstandschef stellt Zukunftskonzept für Lufthansa vor

Verdi begrüßte, dass es bei Lufthansa nicht mehr ausschließlich um Kostensenkungen gehe. Vom Wachstum müssten aber alle Konzernbereiche profitieren können. Ein Sprecher verlangte, dass den Billigtöchtern künftig vorgeschrieben werde, dass sie bestimmte Dienstleistungen etwa zu Catering, Wartung oder Bodenabfertigung innerhalb des Konzerns bestellen müssten. Verdi sei bereit, darüber einen Tarifvertrag abzuschließen.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) will sich die Pläne des Managements zunächst im Detail erläutern lassen, sagte ein Sprecher. Knackpunkt ist insbesondere die so genannte «Bereederung»: Lufthansa-Flüge dürfen nur von Lufthansa-Piloten zu den Bedingungen des Konzerntarifvertrags geflogen werden. «Lufthansa kennt diese Grenzen auch», sagte der Sprecher.

Von: dpa
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Ich habe die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis genommen.

  • CRJ-900 der Lufthansa Cityline. Neue Verhandlungen bei Cityline nötig

    Die Tarifverhandlungen bei Lufthansa Cityline stocken - sowohl fürs Cockpit- als auch fürs Kabinenpersonal. Dabei geht es vor allem um eine langfristige Perspektive für die Airline. Denn in der Vergangenheit war sie Hebel eines anderen Konflikts im Konzern.

    Vom 11.10.2018
  • Bordverkauf auf einem Lufthansa-Flug. Lufthansa will Service an Bord anpassen

    Auf A330-Jets setzt Lufthansa ab dem Winter einen Flugbegleiter weniger ein - bleibt nach eigener Angabe aber noch über der rechtlichen Mindestanzahl. Gleichzeitig werden auch die Prozesse an Bord angepasst.

    Vom 20.11.2018
  • Boeing 737 von Ryanair. Ryanair streicht weitere Flüge in Deutschland

    Insgesamt 140 Verbindungen: Der Riesen-Streik in sechs Ländern belastet Ryanair nach airliners.de-Recherchen bis zum Mittag stärker als angenommen. Indes regt sich unter den deutschen Flughäfen Unmut über die Streithähne.

    Vom 28.09.2018

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus

Mehr Nachrichten »
Anzeige schalten
Mehr Lufthansa Jobs Mehr Stellenangebote »
Anzeige schalten »