Neuer Alitalia-Präsident gewählt

Gewerkschaften hoffen auf neuen Dialog mit Air France-KLM

04.04.2008 - 12:47 0 Kommentare

Angesichts der drohenden Pleite der maroden italienischen Airline Alitalia sind die Gewerkschaften nun doch zu Zugeständnissen und einem weiteren Dialog mit Air France-KLM bereit. Zum neuen Präsidenten der Airline wurde derweil Aristide Police (39) gewählt, ein Experte für öffentliches Recht und Professor an der römischen Universität Tor Vergata. Am Vorabend war Alitalia-Chef Maurizio Prato zurückgetreten, nachdem Air France-KLM die Übernahmeverhandlungen abgebrochen hatte.

Die Verhandlungen waren am Mittwoch wegen der starren Haltung der italienischen Arbeitnehmervertretungen von Air-France-KLM abgebrochen worden. Darauf war es zu heftigen Protesten des Bodenpersonals und der Flugbegleiter gekommen, die die Übernahme durch die Franzosen als letzte Chance für Alitalia sehen und eine Wiederaufnahme der Gespräche forderten.

«Es wäre «ein schweres Unglück für Alitalia, sollte Air France-KLM-Chef Jean-Cyril Spinetta nicht mehr zu Verhandlungen bereit sein», sagte der UIL-Gewerkschaftsboss Luigi Angeletti der italienischen Tageszeitung «La Repubblica» (Freitagausgabe). Mit der Aufgabe, die Bereitschaft der Franzosen zu weiteren Gesprächen zu sondieren, beauftragte die Regierung Staatssekretär Enrico Letta. «Eine Gelegenheit wie diese darf man nicht verpassen, denn alle Alternativen sind äußerst negativ», erklärte er.

Nach dem Scheitern der Verhandlungen über eine Übernahme der maroden Alitalia durch Air France-KLM wird die Lage für die verschuldete Airline immer prekärer. Am Donnerstag-Nachmittag traf sich der Verwaltungsrat der Fluglinie zu Krisengesprächen. Am kommenden Dienstag will der Verwaltungsrat erneut zusammenkommen, um über einen Ausweg aus der Situation zu beraten.

Am Donnerstag kamen in Rom auch Regierungsvertreter zusammen, um über die Zukunft der Gesellschaft zu beraten. An der Krisensitzung nahmen unter anderen die Minister für Wirtschaft und Finanzen sowie für Verkehr, Tommaso Padoa-Schioppa und Alessandro Bianchi, teil.

«Es ist wirklich alles getan worden, um die einzige mögliche Perspektive, die den Konzern hätte retten können, zum Scheitern zu bringen», kritisierte Außenminister Massimo D'Alema. «Entweder wir finden jetzt ganz schnell eine Lösung oder die Alitalia ist endgültig verloren.» Die Regierung wolle prüfen, ob es eine Möglichkeit gibt, Air France-KLM an den Verhandlungstisch zurückzubringen, hieß es in Rom. Nach wochenlangem Ringen hatte Air France-KLM-Chef Jean-Cyril Spinetta die Gespräche um die Übernahme der von Insolvenz bedrohten Fluglinie am Mittwoch abgebrochen. Alitalia fliegt täglich eine Million Euro Verlust ein.

Spinetta hatte die Übernahme des Staatsanteils (49,9 Prozent) an Alitalia von der Zustimmung der Gewerkschaften abhängig gemacht. Die italienischen Gewerkschaften wehrten sich aber strikt gegen die Pläne von Air France-KLM zum Abbau von 2100 Arbeitsplätzen, einer Flottenverringerung und einer Herabstufung der Drehscheibe Mailand- Malpensa. Sie verlangten am Donnerstag ein Gespräch mit Ministerpräsident Romano Prodi, dessen Regierung sich wie auch Prato für das Geschäft mit Air France-KLM stark gemacht hatte. In einer Erklärung von Air France hieß es zu dem Abbruch der Gespräche, dass die «Bedingungen zur Fortführung der Verhandlungen nicht mehr gegeben» seien.

Von: dpa
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