Gewerkschaften fordern Betriebsübergänge bei Air-Berlin-Aufteilung

Die Air-Berlin-Bieter haben Interesse an den fliegenden Air-Berlin-Mitarbeitern, aber nicht an einem Betriebsübergang. Das wollen Gewerkschaften nicht hinnehmen. Für Bodenmitarbeiter fordern Sie einen Sozialplan.

"Wir sind airberlin" steht am 25.09.2017 in Berlin auf dem Plakat, das Mitarbeiter der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin halten. © dpa /Paul Zinken

Air Berlin wird aufgeteilt. Das Unternehmen verhandelt darüber mit Lufthansa und Easyjet. Die Airlines haben zwar Interesse an den Flugzeugen, Cockpit-Crews und Flugbegleitern. Direkte Übernahmen lehnen die Bieter allerdings ab.

Die Mitarbeiter müssen sich bei den Bietern neu bewerben, wie die insolvente Airline am Montag nach einer Sitzung des Aufsichtsrats deutlich machte. Es werde keinen Betriebsübergang geben. Nach Air-Berlin-Angaben ergeben sich aus den nun ausgewählten Angeboten aber "gute Jobperspektiven für einen Großteil der Beschäftigten".

"Die Air Berliner sind bekannt im Markt als motiviert und gut ausgebildet", sagte Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann und rief die Investoren auf, den Mitarbeitern wettbewerbsfähige Angebote zu machen. "Wir sind auf dem Weg, für rund 80 Prozent unserer Kolleginnen und Kollegen gute Chancen für neue Arbeitsplätze bei den Bietern erreichen zu können."

Gewerkschaften warnen vor "Rosinenpicken"

Gewerkschaften befürchten, dass manche Mitarbeiter in diesem Fall deutliche Gehaltseinbußen in Kauf nehmen müssen. Verdi kündigte an, dass sich Mitarbeiter bei den Käufern einklagen werden. Auch die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit forderte einen geordneten Übergang und warnte erneut vor einem "Rosinenpicken".

"Im Vordergrund steht für die Lufthansa offenbar, alles zu unternehmen, damit die gesetzlichen Folgen eines Betriebsübergangs, der Arbeitnehmern wichtige Schutzrechte gewährt, zu umgehen", so Ingolf Schumacher, VC-Vorsitzender Tarifpolitik. Die Piloten fordern von den Bietern "konkrete Zusagen im Sinne der Air-Berlin-Beschäftigten". Mit der Übernahme von Flugzeugen, Slots und Streckenrechten gehe auch "soziale Verantwortung" einher, mahnte die VC.

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Auch Verdi bekräftigt ihre Forderung nach einem "geordnetem Übergang" für Beschäftigte. Die potentiellen Erwerber seien zu Verhandlungen aufgefordert worden. Dabei soll nach dem Willen von der Gewerkschaft bis zum 12. Oktober über die Sicherung von Arbeitsplätzen in der Kabine, in der Verwaltung und in der Technik verhandelt werden.

Der so genannte Betriebsübergang sei in Paragraph 613a des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) geregelt und soll den Beschäftigten lückenlosen Bestandsschutz ihrer Arbeits- und Entlohnungsbedingungen für den Fall einer Übertragung eines Betriebs oder Betriebsteils auf einen neuen Inhaber gewähren.

Air Berlin warnt vor Streiks

Der Lufthansa-Billigflieger Eurowings bereitet sich schon auf die Übernahme vor. Die neuen Mitarbeiter sollen sich allerdings neu bewerben. Aktuell habe man mehr als 1000 Stellen ausgeschrieben, wie die Airline mitteilte: 300 für Piloten, 500 für Flugbegleiter und mehr als 200 Stellen am Boden. Für Air-Berlin-Piloten, die sich bewerben, gelte ein "verkürztes Auswahlverfahren".

Vor dem Ort der Pressekonferenz protestierten am Montag dutzende Mitarbeiter lautstark für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. "Wir sind noch nicht am Ziel unserer Verhandlungen", warnte der Air-Berlin-Generalbevollmächtigte Frank Kebekus. "Ein stabiler Flugbetrieb in den kommenden Tagen und Wochen ist Grundvoraussetzung für den Erfolg." Wilde Streiks der Piloten hatten nach der Ankündigung zu ersten Langstreckenstreichungen zu hunderten Flugausfällen geführt.

Verhandlungen über Sozialplan und Transfergesellschaft

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) sagte, alle Beteiligten hätten die Verantwortung, "möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten und tarifvertraglich abzusichern sowie wichtige Teile des Unternehmens erfolgreich weiterzuentwickeln". Air Berlin hatte Ende März 8600 Mitarbeiter, darunter auch Teilzeitkräfte. In Vollzeitstellen gerechnet ergibt sich nach Unternehmensangaben vom Montag die Zahl 6500.

Schätzungen gehen davon aus, dass allein in der Hauptverwaltung in Berlin rund 1400 Stellen wegfallen werden. Zu den Betroffenen dürften viele Bürokräfte, IT-Fachleute und Verwaltungsmitarbeiter zählen. Das Land Berlin arbeitet Medienberichten zufolge bereits gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit an einer Transfergesellschaft für Air-Berlin-Mitarbeiter, die nach der Insolvenz und dem Verkauf der Fluggesellschaft keine Chance auf eine Weiterbeschäftigung haben.

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Verdi kündigte an, dass es am Donnerstag und Freitag (28./29. September) Verhandlungen über einen Sozialplan und eine Transfergesellschaft gibt. Dabei gehe es um Abfindungen und Qualifizierungen. Zu den Übergangsregeln für die Flugbegleiter gibt es bereits Vereinbarungen mit den Gewerkschaften Verdi und Ufo.

Von: dh mit dpa, AFP

Datum: 25.09.2017 - 17:36

Adresse: http://www.airliners.de/gewerkschaften-betriebsuebergaenge-air-berlin-aufteilung/42435