Ryanair geht auf Flugbegleiter zu

19.12.2017 - 16:05 0 Kommentare

Erneute Kehrtwende in der Tarifpolitik des irischen Billigfliegers: Ryanair reagiert auf die Kritik unter anderem der Kabinenvertreter Ufo und kündigt Gespräche nun auch mit Gewerkschaften von Flugbegleitern an.

Streikende Ufo-Flugbegleiterin: Skandalöses Verhalten von Ryanair. Foto: © dpa, Oliver Berg

Ryanair ändert noch einmal ihre Haltung zu Gewerkschaften: Der Billigflieger will nun auch mit den Vertretern von Flugbegleitern verhandeln. Dies bestätigten die Iren gegenüber airliners.de. "Die Anerkennung von Gewerkschaften ist eine signifikante Veränderung für Ryanair", sagte Airline-CEO Michael O'Leary. Es gehe vor allem darum, Streiks zur Weihnachtszeit zu vermeiden.

Ufo-Tarifvorstand Nicoley Baublies zeigt sich im Gespräch mit airliners.de überrascht von der Ankündigung Ryanairs: Der Gewerkschaft liege bislang noch keine Nachricht von Airline-Chef Michael O'Leary vor. "Auch wir wollen, dass die Fluggäste ohne Streiks über die Weihnachtsfeiertage kommen und sobald O'Leary uns einen verbindlichen Verhandlungsstermin im Januar vorschlägt, werden wir diesen natürlich wahrnehmen."

Ufo erzürnt über bisherige Blockadehaltung

Nach der vorübergehenden Absage von Ryanair, Gespräche lediglich mit den streikbereiten Piloten zu führen, zeigte sich die Gewerkschaft der Flugbegleiter, Ufo, erzürnt. Aus Sicht der Ufo-Verantwortlichen sei es "skandalös", dass sich Ryanair "ausschließlich zu Verhandlungen mit den Pilotengewerkschaften bekennt, die Interessen des Kabinenpersonals jedoch weiterhin ignoriert und sich öffentlich Gesprächen verweigert", hieß es in einer Mitteilung.

Ufo dringt seit längerem auf Tarifverhandlungen für die rund 700 bis 1000 Flugbegleiter bei Ryanair in Deutschland. "Wenn sich Michael O'Leary erst bewegt und Gespräche mit den Piloten führen will, sobald diese mit Streiks drohen, kündigen wir auch Arbeitsniederlegungen an", so Baublies.

Es ist ein Skandal, dass Ryanair hier eine Zweiklassengesellschaft errichten will. Arbeitnehmerrechte können nicht an der Cockpittür haltmachen.

Nicoley Baublies, Ufo-Tarifvorstand

Die günstigen Ticketpreise dürften nicht länger zu Lasten der Beschäftigten gehen, erklärte Baublies. Ryanair verschaffe sich durch "Lohndumping und Umgehung gesetzlicher Bestimmungen unfaire Wettbewerbsvorteile". Insofern seien auch die Beschäftigten der insolventen Air Berlin Opfer von "Konkurrenten, die Arbeitnehmerrechte mit Füßen treten".

Übersicht über Gesprächstermine mit Piloten

Bislang hat Ryanair Tarifverhandlungen mit Gewerkschaften strikt abgelehnt und stattdessen mit lokalen Betriebsvertretungen gesprochen. Nach den Streikandrohungen von Piloten in mehreren europäischen Ländern, kündigte der Billigflieger Gespräche mit den Cockpitcrews an - allerdings ausschließlich mit denen.

Gesprächstermine

  • Irland (Impact): Dienstag, 19. Dezember
  • Deutschland (VC): Mittwoch, 20. Dezember
  • Portugal (Spac): Donnerstag, 21. Dezember
  • Großbritannien (Ialpa) und Italien (Anpac): Januar 2018

Angaben: dpa und Reuters

Die Gespräche mit der deutschen Vereinigung Cockpit finden nach airliners.de-Informationen am Mittwochmittag in Dublin statt. Sollten die ersten Verhandlungen keinen Trend für weitere Gespräche geben oder Ryanair schlicht die Ankündigungen nicht ernst gemeint haben, behält sich die VC weitere Streiks vor.

© AirTeamImages.com, Simone Ciaralli Interview mit Tarifexperte zu Ryanair: "Personalprobleme sind der Hauptgrund" Interview

Von: cs
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